Samstag, 23. August 2003
Mich trifft der Schlag! Mit Traenen in den Augen las ich ergriffen vom wahrlich schauderhaften Schicksal des Bernhard J. Stenzl (46) im Standard in der bemuehten Serie: Unten durch in Oesterreich
Werbung für Supermarkt-Sonderangebote hat ihn früher nicht interessiert. Jetzt hingegen studiert Bernhard J. Stenzl diese Zettel genau - und macht sich quer durch ganze Stadtbezirke auf, um zum Beispiel "zehn Kilo Zucker zu bunkern, die im Sonderangebot um einen Euro billiger sind".
Durch die ganze Stadt, wegen 10kg Zucker. Wahrscheinlich barfuss, weil Schuhe sind nicht mehr drin!
Auf den Kauf von Bioprodukten verzichtet er ohnehin ganz: "Das ist vorbei. So kann man viel sparen", weiß der 46 Jahre alte Diplomingenieur der Chemie, der samt Ehefrau und vier Kindern derzeit von 1260 Euro netto Arbeitslose pro Monat lebt. Dazu kommen noch rund 300 Euro, die seine Frau als geringfügig Beschäftigte in einem Callcenter verdient. Stenzl seufzt: "Und früher habe ich monatlich rund 3800 Euro netto bezogen."
Aha, EUR 1.560 netto, macht 21.466 Einheiten im Monat in alter Waehrung. Das ist wirklich bitter, vor allem nach den 3.800 netto - das war noch lustiges prassen damals. Aber es kommt noch schlimmer...
Bis vor zwei Jahren - Mitte 2001 - war er fest auf Karrierekurs: Vertriebsleiter für Österreich und Osteuropa in einem Chemiekonzern: "Dann kam die Restrukturierung. Die Vertriebsleitung wurde verlegt." Stenzl erhielt den "Golden Handshake", eine für ihn finanziell vorteilhafte Kündigung. Er hörte sich nach einem neuen Job um. Doch, wie er feststellen musste: "Ich war zu teuer, zu alt."
Ah, doch, ein "golden handshake". Und nun ist mir das wahre Leid erst klar geworden. Ein Mensch der jahrelang ueberdurchschnittlich gut verdient hat, mit einem golden handshake verabschiedet wurde und nun mit EUR 1.560,- haushalten muss weint sich im Standard die Augen aus. Das heisst wohl Hofer statt Meinl am Graben, weniger Golf, mehr Joggen, nur mehr VW Passat statt 5er BMW. Was werden da die Nachbarn sagen? Und erst die Schwiegermutter. Achtung, wo ist das Spendenkonto bitte.... ich kann nicht mehr.
"Das Wirtschaftssystem ist krank", zieht er bitter Bilanz. Ordnung und Logik, wie er sie schätze und brauche, gebe es offenbar nur noch unter den chemischen Elementen.
Nein! Nicht das Wirtschaftssystem, sondern manche Menschen. Mit Realitaetsverlust geschlagen! Und eine Zeitung die sonst zu den besten zaehlt schreibt eine so peinliche Kolumne... Das ist wahre Armut - geistige.
Ja, es gibt Armut in Oesterreich. Traurig aber wahr. Noch trauriger ist es wenn so ein Fall medial als "Armut" tituliert wird. Der Wegfall des Zweitfernsehers und keine 3 Wochen Urlaub in der Karibik als Fall durchs soziale Netz.
In dieses Bild passt auch das Verhalten der fliegenden Buschaffeure der AUA. Aber wahrscheinlich haben Sie ein altes verbrieftes Geheimdokument von Gottseibeiuns Kreisky im Gewerkschaftsferienwohnheim am Woerthersee wo drinnen steht Lieber ein paar Milliarden Schulden als ein schneidiger AUA Pilot der sich keinen Zweitwohnsitz und eine Stewardess als Freundin leisten kann...
Werbung für Supermarkt-Sonderangebote hat ihn früher nicht interessiert. Jetzt hingegen studiert Bernhard J. Stenzl diese Zettel genau - und macht sich quer durch ganze Stadtbezirke auf, um zum Beispiel "zehn Kilo Zucker zu bunkern, die im Sonderangebot um einen Euro billiger sind".
Durch die ganze Stadt, wegen 10kg Zucker. Wahrscheinlich barfuss, weil Schuhe sind nicht mehr drin!
Auf den Kauf von Bioprodukten verzichtet er ohnehin ganz: "Das ist vorbei. So kann man viel sparen", weiß der 46 Jahre alte Diplomingenieur der Chemie, der samt Ehefrau und vier Kindern derzeit von 1260 Euro netto Arbeitslose pro Monat lebt. Dazu kommen noch rund 300 Euro, die seine Frau als geringfügig Beschäftigte in einem Callcenter verdient. Stenzl seufzt: "Und früher habe ich monatlich rund 3800 Euro netto bezogen."
Aha, EUR 1.560 netto, macht 21.466 Einheiten im Monat in alter Waehrung. Das ist wirklich bitter, vor allem nach den 3.800 netto - das war noch lustiges prassen damals. Aber es kommt noch schlimmer...
Bis vor zwei Jahren - Mitte 2001 - war er fest auf Karrierekurs: Vertriebsleiter für Österreich und Osteuropa in einem Chemiekonzern: "Dann kam die Restrukturierung. Die Vertriebsleitung wurde verlegt." Stenzl erhielt den "Golden Handshake", eine für ihn finanziell vorteilhafte Kündigung. Er hörte sich nach einem neuen Job um. Doch, wie er feststellen musste: "Ich war zu teuer, zu alt."
Ah, doch, ein "golden handshake". Und nun ist mir das wahre Leid erst klar geworden. Ein Mensch der jahrelang ueberdurchschnittlich gut verdient hat, mit einem golden handshake verabschiedet wurde und nun mit EUR 1.560,- haushalten muss weint sich im Standard die Augen aus. Das heisst wohl Hofer statt Meinl am Graben, weniger Golf, mehr Joggen, nur mehr VW Passat statt 5er BMW. Was werden da die Nachbarn sagen? Und erst die Schwiegermutter. Achtung, wo ist das Spendenkonto bitte.... ich kann nicht mehr.
"Das Wirtschaftssystem ist krank", zieht er bitter Bilanz. Ordnung und Logik, wie er sie schätze und brauche, gebe es offenbar nur noch unter den chemischen Elementen.
Nein! Nicht das Wirtschaftssystem, sondern manche Menschen. Mit Realitaetsverlust geschlagen! Und eine Zeitung die sonst zu den besten zaehlt schreibt eine so peinliche Kolumne... Das ist wahre Armut - geistige.
Ja, es gibt Armut in Oesterreich. Traurig aber wahr. Noch trauriger ist es wenn so ein Fall medial als "Armut" tituliert wird. Der Wegfall des Zweitfernsehers und keine 3 Wochen Urlaub in der Karibik als Fall durchs soziale Netz.
In dieses Bild passt auch das Verhalten der fliegenden Buschaffeure der AUA. Aber wahrscheinlich haben Sie ein altes verbrieftes Geheimdokument von Gottseibeiuns Kreisky im Gewerkschaftsferienwohnheim am Woerthersee wo drinnen steht Lieber ein paar Milliarden Schulden als ein schneidiger AUA Pilot der sich keinen Zweitwohnsitz und eine Stewardess als Freundin leisten kann...
