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Mittwoch, 7. Februar 2007


Roseanne Barr in einer Show und es geht um den lieblichen oberösterreichischen Ort Fucking und den kolossalen Spaß, den man mit so einem Namen als "english please" haben kann. Durchaus sehenswert, vor allem aufgrund der redlichen Bemühungen des Mitarbeiters des örtlichen Fremdenverkehrsbüros (...when are you coming?").

Wer weiß vielleicht kommen ja sogar die kulinarischen Experten der Österreich Werbung mal dort vorbei und finden ein bloggenswertes Restaurant dort ;-)

Die große Frage - es gibt ja viele (vermeintlich?) großartige Produkte und Services da draußen und als Involvierter meint man oft, die müssen einem ja fürmlich aus den Händen gerissen werden. Dem ist selten so. Diesem Faktum müssen auch wir uns trotz sehr guter Nachfrage stellen und das ist eines meiner großen Themen, dem ich mich bewusst oder unbewusst eigentlich laufend widme.

Daher hab ich auch immer ein offenes Ohr um zu lernen. Letztens in London in einem kleinen aber feinen Deli Shop kurz vor dem Termin den ich hatte. Es war einer dieser 1000en Deli Shops in London, die alle viel zu bieten haben, aber eben doch alle mehr oder weniger dasselbe.

Ich betrete den Laden und hinter der Theke sind 2 Damen. Als Kundin ist eine großgewachsene, gut gekleidete, schwarzhaarige Mittvierzigerin hier und stellt eine Frage die ich nicht genau verstanden habe - Die Verkäuferinnen hinter der Theke reagieren offensichtlich irritiert, verstehen nicht recht. Plötzlich beginnt der Boss (Inder oder Pakistani) der vor dem Laden stand sich einzumischen und beginnt einen intensiven Dialog mit der Dame. Währenddessen bestelle ich (Tuna-Mayo-Sandwich getoastet) und warte. Inzwischen wird der Besitzer mit seinem Gespräch fertig, die Dame verabschiedet sich und er beginnt seinen Mitarbeiterinnen zu erklären (frei übersetzt):

...Ihr müsst das verstehen, diese Dame wollte wissen ob Ihr mit dem selben Messer mit dem Ihr das Schweinefleisch schneidet auch das Baguette schneidet, dass sie dann bekommt. Sie ist unsere Kundin und sie interessiert sich für unser Produkt, weil sie wiederkommen will. Wisst Ihr warum? SIe ist Jüdin und sie legt wert darauf, dass Ihr Baguette nicht mit dem selben Messer geschnitten wird. Ihr ist das wichtig! Das mag für euch eigenartig klingen aber für Sie und Ihre Religion ist das normal und sie ist die Kundin. Der Gentleman hier - entschuldigung, woher kommen sie (..Ich: Österreich, Wien) - und sie sind welcher Konfession (...Ich: Christ, römisch katholisch) - danke, also dieser Herr hier dem ist das egal, er ist alles was ihm schmeckt. So gilt das für 80% unserer Kunden! Aber 20% unserer Kunden sind Moslems, Juden, oder Veganer, Vegetarier, etc... Sie haben ganz bestimmte Wünsche und Bedürfnisse. Und wisst Ihr was? Ich mache hier 20% Profit und wenn wir diese 20% unserer Kunden nicht zufriedenstellen können, dann mache ich keinen Profit und Ihr habt keinen sicheren Job. Also merkt euch diese Dame, sie wird morgen und übermorgen wiederkommen und zeigt Ihr, dass Ihr ein anderes Messer nehmt....
storytelling, das erzählen guter Geschichten ist die mächtigste Form um wichtige und komplexe Sachverhalte zu vermitteln. Das war eine tolle Lehrstunde für mich!