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Sonntag, 22. April 2007
24 nach meiner Rückkehr von meinem ersten Bundesparteitag einer Partei. Ein wenig Abstand und Gelegenheit um zu reflektieren. Ich muß auch ehrlich sagen, dass es am Ort des Geschehens gar nicht so einfach ist. Man ist da einer gewissen Sogwirkung ausgesetzt - da ist diese mächtige politische Inszenierung (die mir egal von welcher Partei zuwider ist) und man neigt dann dazu sich übermässig dagegenzulehnen, einfach um das auszugleichen. Insofern Hut ab vor jedem Journalisten der hier dann objektiv und emotional nicht involviert professionell schreibt, das könnte ich nicht...

Worüber ich vor allem nachgedacht habe ist die Frage ob es ein Erfolg war Blogger auf den Bundesparteitag der ÖVP einzuladen - und vor allem für wen?

Ich habe auch deshalb darüber nachgedacht, weil ich versucht habe mich in die Lage zu versetzen, was ich der ÖVP sagen würde, wären Sie unser Kunde? (btw. sie ist es nicht!)

Also erstens kann ich mich Helge anschließen - auf der Heimfahrt haben wir den Leitantrag stärker unter die Lupe genommen. Der ist durchaus bemerkenswert, modern und in vielen Bereichen auch anderen Parteien als der ÖVP zuzuordnen. Aber wie gesagt - an den Taten wird man gemessen...

Also was hat die ÖVP bekommen - jede Menge kritisches Feedback.
Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass sowas weh tut und manche in der ÖVP werden sich fragen ob man das notwendig hatte. Man lädt wirklich nett und korrekt ein paar Leute ein, kümmert sich um sie und dann das. Keine guten Gäste nennt man sowas.

Aber das war nicht der Sinn der Sache - Lobhudelei in Blogposts wäre der viel größere Schaden in meinen Augen gewesen. Es hätte das Vorurteil bestätigt, dass die ÖVP eine kalte berechnende Partei ist, die nichts dem Zufall überlasst und sich nur bestmöglich darstellt. Null Authentizität, null Glaubwürdigkeit. So gab es aber quasi eine volle Breitseite - ganz ehrlich die helleren Köpfe in der Partei wissen, dass diese Zielgruppe so denkt. Und vielleicht dient diese ehrliche und offene Rückmeldung auch intern als Hilfe um so manchem die Augen zu öffnen. Ehrliches Feedback ist auch nicht so leicht zu bekommen, nur allzu oft erstarren Menschen in Ehrfurcht vor "staatstragenden" Personen - Ohnen reflexartig zu bashen (meist jedenfalls) und ohne untergriffig zu sein wurde hier offen kritisiert und eine Sichtweise präsentiert die schwer einzunehmen ist, wenn man involviert ist. Das hat einen Wert, das ist wichtig.

Und es gibt viel davon - mehr als in jeder lahmen Fokusgruppendiskussion. Die ÖVP hat nun (wenn Sie auch den Kommentaren, Links, und Trackbacks verfolgt) jede Menge spannendes Material mit dem Sie arbeiten kann, aus dem sie lernen kann.

Ein Gerhard Loub nützt die Chance um sich nicht trotzig ins Schmollwinkerl zurückzuziehen sondern zu sagen "ja so manches schmerzt, aber es ist trotzdem wichtig...".

Insofern, war diese Aktion ein Erfolg für die ÖVP und man kann nur hoffen, dass Sie das richtige draus macht und es als Chance zur Weiterentwicklung begreift.

Hat es sonst noch was gebracht? Jetzt noch schwer zu sagen. Es ist in jedem Fall der digital bestdokumentierte Bundesparteitag aus grass-root media Sicht (bitte korrigiert mich). Ich denke es ist in jedem Fall geschafft zu zeigen, dass Social Media zur Belebung des politischen Diskurses erheblich beitragen können und das ist sehr wichtig.