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Dienstag, 28. August 2007
Wieder bekam ich eine Anfrage ob ich einen umfassenden Fragebogen zu oben genanntem Thema beantworten könnte um eine Diplomarbeit zu unterstützen. Die Ergebnisse teile ich wie immer gerne:

Einleitung des Fragestellers
Weblogs und Diskussionsforen stehen im Zeitalter des so genannten Web 2.0 hoch im Kurs. Immer mehr Usern wird die Möglichkeit gegeben sich zu großen Interessensgemeinschaften zusammen zu finden. Speziell Blogs können durch zahlreiche Kommentierungen und Verweisungen innerhalb der Blogosphäre zu bedeutenden meinungsbildenden Prozessen innerhalb des Internets beitragen. Doch inwiefern können diese Prozesse auch auf traditionelle Mediensysteme übergreifen und wie hoch ist die Chance, dass Themen aus der Blogszene auch außerhalb des Netzes auf Interesse stoßen?


Frage 1:
Wie würden Sie persönlich einem Menschen den Begriff Blog definieren der noch nichts davon gehört hat?


Antwort:
Ein Weblog ist ein Instrument, dass es jedem Internetnutzer auf einfachste Art und Weise ermöglicht Inhalte (Text, Foto, Audio, Video) im Internet zu publizieren. Die Inhalte in Weblogs werden verkehrt chronologisch dargestellt und jeder Beitrag kann kommentiert werden. Somit sind Weblogs auch Instrumente für Kommunikation. Weblogs sind die moderne Form der persönlichen Website.

Frage 2:
Viele Blogger verstehen sich als Vertreter einer neuen Art des Journalismus. Würden Sie diese Auffassung selbst unterstützen und was unterscheidet Ihrer Meinung nach diesen Typ des journalistischen Arbeitens von den traditionellen?


Antwort:
Ich glaube nur ein verschwindender Anteil der Blogger versteht sich als Vertreter einer neuen Art des Journalismus. Diese Blogger werden aber von klassischen Medien sehr oft zitiert und behandelt – dadurch entsteht eine verfälschte Wahrnehmung. Journalisten produzieren Inhalte für Massenmedien, während Blogger über Inhalte Gespräche initiieren und führen - Das ist ein großer Unterschied. Journalistisches Arbeiten ist journalistisches Arbeiten, egal ob im Rahmen eines Weblogs, einer Tageszeitung, eines Radiosenders oder einer Fernsehstation. Was das Internet und auch Weblogs verändern sind die Rahmenbedingungen für Journalismus generell. Der neue Gatekeeper für den Normalbürger und auch den Journalisten ist Google – im Falle des Journalisten stellt sich heute heraus, dass leider Google oftmals die einzige Recherchequelle ist und das ist natürlich ein Problem für Medien und den Journalismus per se. Dabei sind Weblogs nur ein Symptom das für Sichbarkeit sorgt, aber nicht das Problem selbst. Diese Erkenntnis ist noch nicht sehr weit gediehen.

Frage 3:
Sehen Sie die zentrale Aufgabe eines Bloggers in der Ausübung journalistischer Tätigkeiten (Recherche, Publikation, etc…) oder dienen Blogs vielmehr nur der Unterhaltung? Wie schätzen Sie die Verteilung zwischen ambitionierten journalistischen Blogs und Unterhaltungsblogs ein?


Antwort:
Weblogs sind Instrumente und ein Anwender eines Weblogs wird Blogger genannt. Das definiert aber noch lange nicht, was man mit diesem Instrument macht. Ich kann damit mein privates Fotoalbum führen, ich kann damit meine Firmenprojekte organisieren, Events dokumentieren, eine Community rund um mein ausgefallenes Hobby aufbauen oder eben investigativen Journalismus betreiben und dokumentieren.
Demzufolge ist die zentrale Aufgabe eines Bloggers, herauszufinden, was er für sich persönlich nutzenstiftendes mit diesem Instrument machen möchte. Weblogs dienen insofern in erster Linie dem Blogger selbst und über den Gatekeeper Google finden sich wie es scheint auch für jedes noch so obskure Weblog Leser denen das geschriebene auch dient.
Befragt nach meiner Einschätzung würde ich sagen, dass 0,01% aller Weblogs ambitionierte journalistische Weblogs sind. 99,9% aller Weblogs haben einen anderen Sinn und Zweck.

Frage 4:
Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung der Blogs ein? Wird sich der Blog in seiner Form in den nächsten Jahren grundlegend verändern und noch mehr Einfluss auf das Internet nehmen können oder könnte sich die Blogosphäre vielleicht bald mit einem Interessensproblem konfrontiert sehen?


Antwort:
Ich glaube, dass die Möglichkeit selbständig auf einfachste Art und Weise Inhalte im Netz zu publizieren („personal publishing“) in Zukunft etwas ganz normales und selbstverständliches sein wird.
So wie vor Gutenberg das Lesen einer kleinen Elite von Mönchen in Klöstern vorbehalten war, so war eben vor den Weblogs das öffentliche Publizieren von Inhalten auf globaler Basis einer kleinen Elite von Journalisten bei Medien vorbehalten.
Die Blogosphäre sieht sich nur dann mit einem „Interessensproblem“ konfrontiert, wenn man sie mit historischen Augen betrachtet und nach dem Prinzip Reichweite beurteilt. Man muß sich aber vor Augen halten, dass 99,9% aller Beiträge in Weblogs von 5-10 Personen gelesen werden. Für diesen Leserkreis entfaltet der betreffende Inhalt auch eine hohe Relevanz.
Insofern glaube ich, dass die Blogosphere sehr unbelastet neue Erfahrungen macht und Erkenntnisse bringt, weil es ja nichts zu verlieren gibt, wo Medien aufgrund einer angsterfüllten Abwehrhaltung einfach zu unbeweglich sind zu innovieren.

Frage 5:
Themen die in Blogs journalistisch gut aufbereitet dargestellt wurden haben schön öft den Weg auf die Onlineableger gängiger Printmedien gefunden. Gibt es Ihrer Meinung nach spezielle Kriterien die ein Thema behandeln muss um den Weg in die Onlinepublikationen zu finden?


Antwort:
Viele Beispiele zeigen, dass vor allem nicht journalistisch aufbereitete Beiträge den Weg in klassische Massenmedien gefunden haben und das weit über die Onlineableger hinaus. Weblogs sind für klassische Medien sehr interessant im Bereich der „breaking news“, weil sie abseits redaktioneller Zwänge wahnsinnig schnell sind.

Frage 6:
Wie schwierig ist es für Blogger, Blogs oder Themen die in diesen behandelt werden einen Zugang zu traditionellen Medien zu finden? Interessieren sich andere Mediensysteme überhaupt für die Blogosphäre? Sind Ihnen Beispiele von Themen bekannt die aus der Blogszene stammten und danach z. b. in Printmedien zusätzlich diskutiert wurden?


Antwort:
Ich glaube die Frage ist insofern problematisch da klassische Medien stark von Weblogs profitieren können, aber kaum umgekehrt. Klassische Mediensysteme interessieren sich enorm für alle Entwicklungen im Bereich User generated Content, weil sie erkennen, dass Sie massiv an Relevanz verlieren. Dadurch verlieren sie an Auflage und damit Ihre Geschäftsgrundlage (nämlich Anzeigen zu verkaufen). Nicht umsonst sind die am stärksten wachsenden Website der Welt in den vergangenen Jahren ausschließlich Websites rund um social media gewesen (MySpace, YouTube, etc.). Klassische Medien erkennen dies ja und nicht umsonst kauft Rupert Murdoch auch MySpace.com. Die Liste an Themen, bzw. konkreten Stories die Ihren Weg aus der Blogosphere in die klassischen Medien gefunden haben ist sehr lang.
Leider ist aber der Journalismus nicht annähernd so transparent wie die Blogosphere und legt Ihre Quellen offen.

Frage 7:
Aufgrund der Möglichkeiten des Kommentierens und der gegenseitigen Verlinkung kann ein Blog auf sehr großes Interesse bei der Leserschaft stoßen. Wo liegt die eigene Verantwortung des Bloggers beim Verfassen seines Textes. Gibt es überhaupt eine und
Wo liegen die Chancen und Risiken beim Verfassen eines Textes der innerhalb eines Blogs publiziert wird?


Antwort:
Die Verantwortung des Bloggers liegt ganz eindeutig im Mediengesetz begründet – ein Blogger ist als Medieninhaber verantwortlich für das was er schreibt. Aus dem Mediengesetz lassen sich sehr gut die Risiken ableiten. Die Chancen sind immer eine Frage der persönlichen Ziele die Blogger mit seinem Weblog verfolgt.

Frage 8:
Werden sich nach Ihrer Einschätzung Printmedien in naher Zukunft öfters an Themen orientieren die in der Blogszene für großen Aufregung gesorgt haben?


Antwort:
Ich glaube, das passiert schon heute und das öfter als man glaubt. Dadurch, dass Weblogs vergleichsweise sehr gut von Suchmaschinen indiziert werden und durch das Prinzip „linken und verlinkt werden“ auch gut gereiht werden, stoßen Journalisten im Rahmen Ihrer Recherche viel öfter auf Inhalte aus Weblogs als sie es selbst wahrnehmen.
Im übrigen sorgen in der Blogszene vor allem jene Themen für „große Aufregung“ die auch gesellschaftlich relevant sind. Die Blogosphere mit Ihren weltweit mehr als 50 Millionen Mitgliedern ist ja keine Veranstaltung von Sonderlingen am Rande der Gesellschaft, sondern nur jener Teil der Gesellschaft mit relativ hoher Bildung, technologischen und infrastrukturellen Ressourcen und einem etwas höheren Maß an Media Literacy als Otto Normalverbraucher.

Frage 9:
Datenschutz rechtlich relevante Themen und der Konsumentenschutz werden in Blogs besonders häufig erwähnt. Sehen sich Blogger hier in eine Vorreiterrolle für die Betroffenen oder werden stoßen diese Themen nur aufgrund ihrer Medienwirksamkeit auf Interesse? Gibt es bekannte Beispiele bei denen Blogger und die Nutzer etwas erreichen konnten?


Antwort:
Wie gesagt: „[…]sondern nur jener Teil der Gesellschaft mit relativ hoher Bildung, technologischen und infrastrukturellen Ressourcen und einem etwas höheren Maß an Media Literacy als Otto Normalverbraucher.“ D.h. diese User beschäftigen sich auch im Kontext von Konsumentenschutz, Datenschutz und privacy kritisch mit diesen Themen und entwickeln ein Bewusstsein für zukünftige Problematiken das heute in weiten Teilen der Bevölkerung noch nicht so verankert ist.
Dies jedoch nicht weil sich Blogger als moderne Robin Hoods verstehen, sondern aus einem vitalen Eigeninteresse.
Es gibt gute Beispiele wie zB Kryptonite (Fahrradbügelschlösser) wo Unternehmen aufgrund des massiven Drucks aus der Blogosphere und dann folgend der Massenmedien Ihre Verfehlungen eingestehen mussten und etwas dagegen unternahmen.

Frage 10:
Wie sehen Sie die Zukunft der Printmedien und Blogs?


Antwort:
Die Frage nach der Zukunft der Weblogs habe ich bereits bei Frage 4 beantwortet. Die Zukunft der Printmedien können Fachleute aus diesem Bereich sicherlich besser beantworten. Generell zeigt sich in der Medienhistorie, dass es eher ein „sowohl als auch“ denn ein „entweder / oder“ gibt. Nur weil Fernsehen entstand sind Printmedien auch nicht verschwunden, so ähnlich wird es auch mit Weblogs sein.
Noch dazu wo wie oben erwähnt die Disziplinen unterschiedliche sind. Printmedien dienen dem „publishing“ während Weblogs der „conversation“ dienen.

Heut komm ich mir vor wie ein kleines Kind und gehe allen geduldigen KollegInnen mächtig auf die Nerven oder sorge für Lacher mit meinen ständigen dämlichen Fragen wie man dies oder jenes auf meinem neuen schwarzen Dingens macht.

Nicht einfach so ein Neustart aber ich bin nach wie vor motiviert - alle Daten sind migriert, und das Teil wurde von unserem jungen "Wunderpraktikanten" Sebastian unter der Regie von Betriebschef Philipp perfekt vorbereitet.

insofern danke für eure Geduld - erinnert mich dran wenn ich mal wieder ungeduldig bin ...