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Freitag, 9. November 2007
In Berlin auf der Web 2.0 Expo konnten wir auch die geplanten Interviews mit Ulrike Reinhard für die SCPOE07 / futureoflearning zum Thema Intranet und Intranet 3.0 machen.


Heute müde und geschafft von den vergangenen Tagen in Berlin, beim Aufarbeiten im Büro.

Wie wars also?

Wenn man will kann man wirklich viel meckern. Das geht einfach und ist schnell erledigt. Ich hab mich auch vor allem über die Location aufgeregt.

Einziger offizieller Redner aus Österreich auf der Web 2.0 Expo in Berlin war Dieter Rappold, Gründer der ersten deutschsprachigen Blogger-Plattform Twoday. Seine Firma Knallgrau hat erst vor wenigen Tagen das neue interaktive Internetportal der deutschen WAZ-Gruppe online gebracht. Rappold sparte wie auch viele andere Teilnehmer nicht mit Kritik an der Organisation: "Räumlich war die Konferenz (am Berliner Messegelände, Anm.) eine Katastrophe." Die bunkerartigen Betonhallen dienten nicht dem Kern der Konferenz, dem "Socializing".
Ich bin ehrlich gesagt nicht dorthin gefahren um wirklich "explizit Neues" zu erfahren - ist das der Sinn einer Konferenz? Für mich nicht. Der wesentliche Sinn ist es sich mit den maßgeblichen Vertretern der Branche auszutauschen.

Mit Lee Bryant von headshift oder Sören Stamer von Coremedia eine Stunde zu plaudern bringt mehr als mit den Theoriekaisern über irgendeine ferne Zukunft zu spekulieren.

Und was das Ambiente beim socializing betrifft stellt man sich so eine Web 2.0 Expo in Nordkorea vor ... egal. Interessante Gesprächspartner gabs zu Hauf ...

Inhaltlich fand ich den Track von Andreas Weigend (Web 2.0 metrics) am interessantesten. Leider gibts dazu keine slides, aber sehr gute Gedanken und Ideen. Er erläuterte, dass die Idee von unique users und Page impressions auf historischen Ansätzen basiert und man sich die Frage stellen muß:

pages or people?

Welchen Wert haben Page Impressions, wenn zB 30% der PIs von Amazon über Suchmaschinen kommen und nach 1 click wieder weg sind. Heute sind die gleich viel wert wie die Page Impressions eines Users der sich 20min auf der seite aufhält und eine Rezension schreibt.

Sein Ansatz ging in Richtung:

"measuring attention gestures"

Also save/rate/vote/tag/comment/annotate u.ä tracken, messen, interpretieren usw. Zu dieser Session gäbs noch viel zu sagen, denken und diskutieren aber das muß ich alles erstmal ordnen in meinem Kopf. Fakt ist, dass diese Frage uns und unsere Kunden sehr beschäftigt, denn wenn wir keine Antwort darauf finden wie wir schlüssig erklären, dass derzeit Äpfel mit Birnen verglichen werden, werden sich die Budgets nicht der Realität annähern.

Ähnlich interessant war Nate Elliot von jupiterresearch (Session: Advertising 2.0) der großartige Daten + Fakten aus dem Web 2.0 lieferte. Er setzte eigentlich an ähnlichen Punkten wie Weigend an. Leider konnte ich seine slides bei slideshare noch nicht finden und warte auf sein Mail mit infos - dann verlinke ich die slides.

Axel Schmiegelow hat auch versucht seine Sicht der Dinge darauf zu liefern - leider kam es bei einigen Usern zu werblich rüber, bzw. wurden die gezeigten Daten hart hinterfragt:

This is an interesting topic - but why did sevenload come in and give us a sales pitch?! That is bad practice at a conference!

Axel's segment was really a sales-pitch for SevenLoad, which I found to be out of place. I also question the CPM numbers he presented for SevenLoad, which is essentially user-generated content after all.

Axel sprach auch offen darüber, dass es eine Herausforderung für Sevenload sei, mit "der negativen PR die ein 18jähriger mit ein paar Daten produziert" umgehen zu müssen, obwohl das Wachstum bei Sevenload hervorragend sei. Er bemerkte das aber ausdrücklich als positiv und wichtig - mich hätte ein sevenload Feedback auf die wirklich gut gemachte Analyse von gugelprouctions.de sehr interessiert, konnte aber noch keine finden?

Auch ganz generell war natürlich zu bemerken, dass viele Dinge "wieder und wieder" gebracht werden. Aber genau das ist wichtig - ich habe viele gleiche Sachverhalte mit neuen Perspektiven und Ansätzen gesehen und viel daraus gelernt. Das hilft enorm um die eigene Kommunikation zu verbessern.

Und wer im Web2.0 nicht so recht erfolgreich ist kann ja getrost Web3.0 ausrufen - es findet sich immer wer und vielleicht klappts dann besser ;-)

Diese Woche gabs jede Menge zum fürchten. Endlich wurden wir wieder daran erinnert wie gefährlich das Internetz und Blogs und Corporate Blogs im speziellen sein können - also lasst den Humbug und geht endlich was ordentliches arbeiten!

Der Daimler-Blog verspricht sogar den "Einblick in einen Konzern". Zählt also die Meinung des Verbrauchers doch? Kann er hier auf die Politik des Unternehmens einwirken, wenn es um Umweltschutz oder Kinderarbeit geht? Nein. Was den Anschein eines öffentlichen Raumes erweckt, ist in Wahrheit ein Marketinginstrument. Das hängt mit der monologischen Struktur des Blogs zusammen.
Die Süddeutsche entdeckt also in erstmal Blogs monologische Strukturen, soso - dann sollte die Süddeutsche mal zu bloggen beginnen, was Monologe angeht habe die doch jede Menge Erfahrung?

Ein eigenes Blog ist schick, birgt aber auch Risiken: Im Webtagebuch von Ex-Siemens-Chef Klaus Kleinfeld empörten sich etliche Mitarbeiter über die Erhöhung der Vorstandsbezüge. (...) "Das Problem des Kleinfeld-Blogs war, dass er nicht vernünftig moderiert wurde", meint der auf Weblogs spezialisierte Kommunikationsberater Klaus Eck gegenüber manager-magazin.de.
Auch das Manager Magazin ruft uns in Erinnerung wie CEO-Blogs Konzernchefs vermeintlich stolpern lassen können - Da stell ich mir die Frage ob Moderation hilft kritische Kommentare aus dem Weg zu schaffen? Ist das Versprechen, dass Moderation prinzipielle kulturelle und strukturelle Probleme lösen kann? Das hielte ich ja dann doch für maßlos übertrieben ...

Und am Ende des Tages meine ich:

seid froh, wenn Ihr negatives Feedback bekommt, hofft, dass Ihr negatives Feedback bekommt. Denn schlimmer ist es, kein Feedback zu bekommen. Wer kein Feedback gibt, dem ist man egal ...

Am Donnerstag zu verschlafener Stunde um 09:00 durfte ich auf einem Panel der Web 2.0 Expo in Berlin zusammen mit Dr. Thorsten Schwarz (Marketingbörse) und mit Benjamin Long (Unilever) über das Thema User generated advertising sprechen.

Das Thema ist imho in der Tat kein einfaches und ein sehr kontroversielles, die Grenzen sind fließend und einheitliche Definitionen gibt es bis dato noch nicht.

Meine slides finden sich auf slideshare, so wie viele andere Präsentation der Web 2.0 Expo in Berlin.

Longtail-User-generated-Content

Mir ging es darum auf die steigende Komplexität hinsichtlich Konsument, Kanäle und Möglichkeiten der Distribution hinzuweisen. Wichtig ist dabei imho auch das grundsätzliche Konzept des Longtail ins Auge zu fassen - wenn es heute auf einfache Art und Weise heute möglich ist zig tausende Formen und passgenaue Interpretationen der "Brand Message" für jede einzelne Nische zu finden, warum sollte ich dann in diesen Prozeß nicht den Anwender selbst integrieren. Vor allem, wenn dies ohnehin passiert.

Der Vortrag selbst lief ganz gut und es wurde auch im Anschluß sehr interessant diskutiert - mal sehen, was sich in dem Bereich noch entwickelt.