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Donnerstag, 27. März 2008
und bekommt publicity in der Schweizer heute:

autolos-in-heute-ch
Blog.autolos.com ist ein Projekt von unserem ehemaligen Kollegen Florin Jäger der nunmehr mit seiner family in der Schweiz lebt.

Der gemeinsame Nenner aller Autoren: kein eigenes Auto.
Ich finde das ein Spitzenprojekt und wünsche euch mindestens ebensoviel Erfolg damit wie Shai Agassi mit seinem Projekt ;-). Schon jetzt finden sich dort viele tolle Beiträge mit handfesten Informationen rund um die Frage Auto, ja oder nein?

Kurz vor Weihnachten noch im alten Jahr hatte ich Gelegenheit für ein Telefoninterview mit Frank Roebers von der Synaxon AG. Auf Frank Röbers wurde ich durch einen Artikel in Brandeins aufmerksam und traf Ihn dann auf den Content Manager Days in Leipzig. Alles was ich da hörte und las faszinierte mich. Leider habe ich mir erst jetzt die Zeit genommen das was wir besprochen haben zusammenzufassen - an Aktualität und Bedeutung hat es nicht im geringsten eingebüßt:

Mich hat vor allem interessiert, warum und wodurch sich Frank Roebers so radikal dazu entschloß im Bereich der Organisationsentwicklung diese Schritte zu setzen. Frank Roebers verwies dabei auf einen Vortrag von Jimmy Wales den er im Juni 2006 gehört hat. Die entscheidenden Fragen für Ihn waren dabei:

Wie schafft es dieses System Menschen zu so viel Arbeit zu motivieren und das ohne Hierarchien?

logo-synaxon

Schon im Oktober 2006 startete die Synaxon AG daher intern mit einem WIKI. Er hält auch traditionelle Bewertungssysteme für überflüssig und überholt, bzw. sieht in jenen Tools und Paradigmen die landläufig unter Enterprise 2.0 zusammengefasst werden den wichtigsten Trend im Bereich der Organisationsentwicklung.

Die Synaxon AG hat seiner Aussage nach noch immer Hierarchien aber diese sind wesentlich ausdifferenzierter als früher und sie sind flacher. In seinen Ausführungen und Überlegungen referenzierte Frank Roebers auch die Idee der Meritokratie mit dem Ziel, dass sich eine Leistungselite herauskristallisiert. Demzufolge sind bei Synaxon Menschen in Führungspositionen auch fachlich hervorragend, bzw. echte Fachkräfte.

Durch diese Position greift Frank Roebers direkt das "traditionelle Middlemanagement" an, das oftmals allein in der Vermittlung zwischen Fachabteilungen und strategischer Unternehmensführung agiert, mit der Gefahr zu manipulieren, bzw. zu verzögern.

Das Projekt WIKI intern wurde mit einem kleinen vorselektierten Team durchgeführt. Eher zufällig befand sich keine Führungskraft dabei. Wie zu erwarten hörte auch Frank Roebers Argumente wie "das kann nicht funktionieren", "außer Mehrarbeit kein Nutzen ...". Anfangs gab es auch relativ mäßige Mitwirkung der KollegInnen.

Das Momentum entstand als eine Abteilung begann sich über das WIKI zu organisieren, dokumentieren und Wahrnehmung zu schaffen. Ab diesem Zeitpunkt begann ein Wettbewerb zwischen den Abteilungen. Da wurden dann auch die Grenzen im Umgang mit dem WIKI getestet - nach dem Motto: "kann ich da wirklich alles reinschreiben?". Ab Woche 3 und 4 kam dann der Tipping Point wo der Stein ins Rollen kam und viele sagten "das bringt mir wirklich was ...". Mitarbeiter sahen, dass Sie auf diesem Wege wesentlich schneller an arbeitsrelevante Informationen kamen. Im Vergleich zu dem WIKI gab es frühere "mehrere black boxes nebeneinandere ...".

Das Ergebnis ist extrem beeindruckend - das Synaxon AG WIKI zählte bis Ende 2007 ganze 75.000 edits und keinen einzigen Rückedit.

Frank Roebers erzählte auch, dass er historisch schon immer viel in die Weiterentwicklung der Organisation investiert hat und viele Moden mitgemacht hat. Alle Entwicklungsmaßnahmen waren immer auf breitem Fundament, tw. via Screencast, damit asynchron alle mitmachen können und ähnliches. Jedoch nie, hat er ähnliche Ergebnisse erzielt wie mit dem Ansatz des gläsernen Unternehmens mit dem WIKI.

Befragt nach seinem Motiv dafür meint Frank Roebers, dass diese rein ökonomisch und kapitalistisch sind und verwies dabei auf die Ergebnisse aus dem QU3 wo die Synaxon AG den Gewinn um 270% steigerte. Dies führt er nicht, bzw. nicht ausschließlich auf die WIKI Initiative zurück, auch wenn er hinsichtlich des Beitrags dazu überzeugt davon ist.

"Unternehmerisches Denken hat endlich ein Medium gefunden und Leute erreichen Ihre Zielvereinbarungen nun leichter"
Frank Roebers

Diesen Gedanken finde ich außerordentlich spannend - denn "unternehmerisches Denken" wird immer schnell von MitarbeiterInnen gefordert. Doch wie soll ich unternehmerisch denken, wenn ich nicht transparent ALLES sehe? Ein Anspruch dem man gar nicht gerecht werden kann - das WIKI hilft hier sichtlich.

Auch das Unternehmen in seiner Gesamtheit hat sich verändert. Laut Frank Roebers war die Synaxon AG früher ein Verbundgruppensystem und ist heute ein Plattformbetreiber.

Die Synaxon AG hat auch Ihr Unternehmensleitbild unter Einbindung aller MitarbeiterInnen entwickelt, wenn auch Frank Roebers klar sagt, dass dies eine Führungsaufgabe ist - unter Mitwirkung aller. Nicht unerheblich ist auch der Hinweis von Frank Roebers, dass der gesamte Prozeß auch in enger Abstimmung mit den Großaktionären der Synaxon AG stattgefunden hat und von diesen voll mitgetragen wird.

Parallel zum WIKI gibt es auch das Synaxon Blog wo es vor allem aktuelle Infos mit kürzerer Halbwertszeit gibt. In Zukunft will sich die Synaxon AG vor allem damit beschäftigen wie sie das implizite Wissen Ihrer MiterbeiterInnen effizienter bewirtschaften kann. Dabei spielen auch Dinge wie social bookmarking, social networking, interne Profilseiten und extensive Search eine wichtige Rolle.

Nochmal nach den wichtigsten Quellen und Grundlagen seines Nachdenkprozesses in dieser Richtung befragt nennt Frank Roebers Wikinomics von Don Tapscott, die Netokraten von Alexander Bard und Jan Söderqvist, The Longtail von Chris Anderson und die Befreiung der Information von Andre Spiegel.

wikinomics-cover longtail-cover netokratie-cover

Was will die Synaxon AG mit all dem was sie für sich erarbeitet und gelernt hat? Weiterhin Ihr Kerngeschäft gut und noch besser machen. Doch! Es gibt Nachdenkprozesse und auch schon Gespräche dahingehend, dass man in Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen das eigene Wissen im Sinne einer lizensierten Lösung/Methode am Markt anbietet.

Warum eigentlich nicht allein und selbst? Weil unser Kerngeschäft wesentlich lukrativer ist ... Frank Roebers weiß was er tut!

Danke für das tolle Gespräch!

An der Stelle auch vielen Dank an Alex Kahl der mich beim Zustandekommen dieses Telefoninterviews unterstützt hat!