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Mittwoch, 30. April 2008
Die 4 Tage Konferenz auf der Web 2.0 Expo in San Francisco waren extrem dicht. Höchste Zeit mal aufzuarbeiten, was auch nach ein paar Tagen Abstand noch beeindruckt und in Erinnerung blieb:

1. Hilarious Keynote von Dan Lyons

Dan Lyons, Mr Fake Steve Jobs, lieferte eine unglaubliche Show. Mit einem kabarettistischen Instinkt der Extraklasse zog er die egozentrierte Web 2.0 Mischpoche durch den Kakao um am Ende das big picture zu liefern

HowTo aufgrund der Comments: player starten, "Buchsymbol" clicken, auf "Episodes" clicken, Episode No.4 ist die Keynote mit Dan Lyons.


"We are crazy to worry about everything that might be destroyed"

2. Hands on Tipps und Empfehlungen zu Search Engine Optimization

NetConcepts (eine Firma die als tagline "get found" hat) erzählte viel Handfestes und Interessantes über Search Engine Optimization und vor allem was klassische Web 2.0 Tools wie Blogs dazu beitragen können. Ihr Blog ist sehr lesenswert und auch die Präsentation über SEO ist verfügbar. Im zweiten Teil sprach Muhammad Saleem über Social media Optimization und einer Präsentation randvoll mit konkreten Tipps, Ratschlägen und Hinweisen zu dem Thema.

3. Trisha Okubo blogs her brand

Trisha Okubo arbeitet bei eBay im Bereich disruptive Innovation - ein cooler day job würde ich sagen. In Ihrer Freizeit baut Sie die Marke Omiru.com auf und lernt über Blogging for personal branding.

Screenshot-omiru-com
Nach Ihrem Vortrag habe ich Sie ein wenig interviewed. Sie betreibt dieses Projekt privat, völlig unamerikanisch unkommerziell und trotzdem hochgradig professionell. So hat sie zum Beispiel eine klare Positionierung. Sie erzählte auch über Ihren Zugang zum Thema "personal branding" das in Verbindung mit "self promotion" sehr negativ besetzt sein kann (= Paris Hilton) oder eben positiv (= Dalai Lama). Sie empfiehlt sich genau zu überlegen worüber man schreiben will (nur was einen begeistert!) und die Nische breit genug zu halten damit es interessant ist, aber eng genug um in irgendwas der oder die Beste zu sein. So ein Projekt zu beginnen ist einfach - es dauerhaft zu betreiben ist schwer. Deshalb werden 60-80% aller Blogs nach 1 Monat wieder eingestellt. Trotz mehrerer Autoren die alle gratis schreiben kommen nach wie vor 70% aller Beiträge von Ihr selbst. Sie selbst vermarktet Omiru.com nicht, bekommt aber Angebote von Werbepartnern - mit dem Pricing tut sie sich relativ leicht, weil Sie einen Background in der Medienbranche hat... Ihr Projekt brachte Sie immerhin auch schon ins Wall Street Journal! Ein konkretes Ziel hat Sie mit dem Projekt nicht und Sie denkt, dass Ihr das Projekt sehr geholfen hat den Job den Sie derzeit hat zu bekommen. Auf Ihren Geschmack angesprochen meinte Sie schlußendlich, dass Sie europäische Mode wesentlich mehr mag als amerikanische (amerikanische Mode gibts?) :-)

4. The right way to social Strategy

Charlene Li eine der renommiertesten Researcherinnen bei Forrester stellte gemeinsam mit Josh Bernoff Ihr Buch Groundswell vor.

In Ihrer Präsentation Creating a Coherent Strategy for Social Business legten Sie vor allem Wert darauf den Blick von der Technologie wegzulenken. Auf die Grundlagen der gesellschaftlichen Entwicklung im Kontext von Web 2.0, auf die Bedürfnisse der Zielgruppen und die strategischen Implikationen die sich daraus ergeben. Dem kann ich nur zustimmen - Die Technologie ist ein Mittel zum Zweck und ein Instrument. Sie stellten auch einen Bezug zwischen klassischen Aufgaben im Unternehmen und den Äquivalenten im Web 2.0 her (Research = Listening, Marketing = Talking, etc.) und brachten jede Menge Praxisbeispiele wie die Community I Love my dog von Del Monte, das Projekt beinggirl von Procter & Gamble oder My Starbucks Idea. Besonders dankbar bin ich Charlene und Josh für die Präsentation Ihrer Return on Investment Rechnung für Corporate Blogging. Sehr hilfreich in einem Markt dem auf Nachrfageseite oftmals die Orientierung fehlt.

ROI-Corporate-Blog
Auch deshalb wichtig, weil es das Thema wegbringt von ach das ist billig, wir machen das mal schnell mit (wie 1999 die Dreamweaver Website vom Neffen vom Vorstand).

5. Influence is so overrated!

Ein extrem spritziger und spannender Vortrag von Jonah Peretti. Jonah ist Mitgründer der Huffington Post und TopGun des Viral Marketing und Gründer von Buzzfeed. Er vermittelte sehr fundiert und verständlich, dass virale Verbreitung weniger an bestimmten hubs liegt (you have to convince Scoble!!) sondern in der Struktur des Netzwerks. Siehe auch die Forschungsergebnisse von Watts & Dodds in JCR 07:

“Under most conditions that we consider, we find that large cascades of influence are driven not by influentials, but by a critical mass of easily influenced individuals.”

Er bewies sich in Viral Marketing in dem er erfolgreich für BWN (das "bored at Work network") produzierte:

Hundreds of millions of bored office workers sit in front of computers forwarding emails, blogging, IMing, and playing on social network sites. These distracted corporate employees have accidentally created the Bored at Work Network (BWN) -- a huge people-powered network with greater even reach than traditional networks like CNN, ABC, or the BBC.
Die Nike Sweatshop Story, Blackpeopleloveus.com und die Rejectionline. Alle Beispiele sind hervorragende Illustrationen von Phänomenen wie Emergenz, 6 degrees of spearation und Tipping Point.

6. Customer Service is the New Marketing!

Lane Becker und Thor Muller von GetSatisfaction erzählten über Ihre Wahrnehmung dass gutes Customer Service die beste neue Form von gutem Marketing ist - denn noch nie haben Konsumenten so skalierbar über positive (oder negative) Erlebnisse als Kunden kommuniziert. Deshalb empfehlen Sie die "Concierge Strategie" - Gespräche in den Mittelpunkt der Aufgabe stellen, hilfreich sein, über die Grenzen der eigenen Abteilung/Unternehmens hinweg. Beeindruckend war die Case Study über den besonderen Kundendienst des Online Schuhhandels Zappos.com. Und Sie versprechen bei einer um 5% verbesserten Kundenbindung einen um 25 bis 95% höheren Profit.

7. Microblogging Galore

In dieser Session gab es keine Slides sondern der name war Programm. Vorne Beamer und Projektionswand und es wurde munter getwittert:

* What is micromedia?
* Where did micromedia come from?
* Why does it matter?
* Who are the major players in this space?
* How are people using this stuff?
* How can I use it in my business?
* What’s the future of micromedia?

Panel will handle live twitters from the audience as per:

* @micromedia2 [message]
* @micromedia2 topic: [topic]
* @micromedia2 url: [url]

Die Session war sehr kurzweilig, dynamisch, interessant, extrem interaktiv - Gratulation dem Moderator und wirklich informativ. Stow Boyd berichtet u.a. von seiner Entwicklung vom Elevator Pitch zum Escalator Pitch (der Moment an dem 2 kreuzende Rolltreppen sich treffen).

Summize-screenshot
Ein extrem cooles Tool von dem ich in der Session erfahren habe ist Summize das ebenso wie Tweetscan ein wichtiger Bestandteil in einem umfassenden Web 2.0 Brand Monitoring sein kann. Nicht zu vergessen der ultimative Shizzolator von Master Snoop Dog.

8. Peer 2 Peer Kredite von Prosper.com

Ich hatte Gelegenheit den charismatischen CEO Chris Larsen nach seinem Panel zu interviewen. Prosper.com vermittelt Kredite zwischen Privatpersonen. Der Zinssatz wird im Verfahren einer "reverse auction" ermittelt. Jeder User kann sich für eine beliebig kleine/große Tranche (min $50) eines Kredits bewerben. Das Unternehmen wurde mit $ 40 Mio Venture Capital finanziert, hat heute 670.000 Mitglieder in seiner Community und hat in knapp 2 Jahren ein Kreditvolumen von $ 135 Millionen vermittelt. 75% der Menschen die Geld geben, machen es primär um Rendite zu erzielen. Der Grund No2 Geld zu geben ist damit etwas Gutes zu tun. Das durschnittliche Kreditvolumen liegt bei $ 7.000,- und wird in 3 Jahren zurückgezahlt. Kredit werden hauptsächlich für Umschuldungen aufgenommen oder für Ausbildungskosten. Prosper.com beschäftigt derzeit 50 Mitarbeiter und ist am US Markt tätig, der nächste Expansionsschritt wird das Unternehmen in den weltweit 2.größten Kreditmarkt führen, nach Japan.

Screenshot-Prosper
Allein der Markt in den USA ist unfassbar groß - die Konsumentenverbindlichkeiten im Juni 2007 betrugen $ 2,46 Billionen. Schon ein kleines Stück von diesem Kuchen ist sehr attraktiv! Die größten Herausforderungen für Prosper.com sind regulatorische Issues, Technologische Herausforderungen und Sicherheit. Bisher ist das Unternehmen allein durch SEO, virales Marketing, PR und WOM bekannt geworden ein wenig wurde in Radiowerbung investiert. Das Selbstverständnis ist das eines "infrastructure marketplace". In Europa macht smava anscheind beinahe dasselbe - in knapp über 1 Jahr wurde ein Volumen von mehr als 1 Million EUR vermittelt.

9. und 10. Keynotes von Tim + Clay

waren die beeindruckenden Keynotes von Tim O'Reilly und Clay Shirky über die ich schon ausführlicher berichtet habe.


web2expo

Martin scheint wieder "da" zu sein und es freut mich sehr ein Interview mit Ihm zu lesen. Er sagt da einige sehr schöne Dinge:

Diese Stimmen im Kopf sind nicht das Problem. Sie sind einfach ein Zeichen dafür, dass Du ein Mensch bist. Wir sind alle voller unerfüllter Wünsche, schwankender Gefühle und wirrer Zielkonflikte. Das ist kein Problem, das ist menschlich. Das Problem ist Deine Beziehung zu diesen Stimmen: Wenn Du ihnen den ganzen Tag lauschst und ihnen folgst, dann bekommst Du wirklich ein Problem (...)

Es gibt nur einen Weg da raus: Präsenz. Nimm die Stimmen wahr, aber beachte sie nicht zu sehr. Sei da, wo Du bist, voll präsent. Beim Arbeiten: nur Arbeiten. Beim Gehen im Wald: Nur Gehen. Die Frage ist immer die gleiche: Was ist JETZT zu tun? Tu das. Lass die Stimmen reden.

Martin-Roell-vor-einem-Tempel
Photo: Martin Roell auf Flickr

einmal mehr sehr guter Inhalt bei den Blogpiloten - Danke!

Der Application Server unserer Wahl heißt HELMA:

Helma is an open source web application framework for fast and efficient scripting and serving of your websites and Internet applications.
HELMA-Logo Seit kurzem gibt es eine tolle und übersichtliche Liste die einmal zusammenfasst wieviel schon auf Basis Helma läuft und welche Websites, Portale und Organisationen Helma einsetzen. Einige unserer Projekte finden sich auch darunter - ich freue mich, dass wir insofern zur Entwicklung und Verbreitung von Helma etwas beitragen konnten.

... ziemlich beeindruckend diese Liste - danke Helma!