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Freitag, 9. Mai 2008
Otaku ist der japanische Begriff für Fan, Nerd oder Geek.

Dahinter verbirgt sich eine Subkultur zum einen und ein USD 1,65 Mrd Markt zum anderen. Dies und mehr erzählte Danny Choo am 13. Trendtag in Hamburg.

otaku-maid-motto
Das "maid" Motto ist in Otaku Kreisen ganz besonders beliebt ...

Entstanden ist diese Bewegung Anfang der 80er Jahre und bezeichnete extreme Fans von Mangas und Anime. Heute geht es nach wie vor um Mangas, Anime, aber auch Games und Computer, bzw. Si-Fi. In Japan wird das Wort mittlerweile sogar universell verwendet wie zB "wine Otaku" für Weinliebhaber.

Danny Choo lieferte dazu aktuelle interessante Zahlen: Der Anime Markt hat ein jährliches Volumen von ca. USD 300 Mio, Dating Simulation games liegen bei USD 495 Mio und Mangas bei USD 604 Mio.

Otakus fühlen sich vor allem in den 3 Kategorien collect, creativity und community angesprochen. Wie zu erwarten ist auch merchandising und trading ein großes Feld, wie zB der alljährliche Otaku Market.

Otakus are not lonely!

Damit spielte Choo auf die Annahme an, dass es sich hauptsächlich um sozial inkompetente introvertierte Freaks handelt, die mit Ihrem echten Leben nicht klar kommen. Aus seiner Perspektive sind Otakus hochgradig sozial und stark vernetzt - nur eben in Ihrer Community.

Es gibt 4 Arten von Otakus:

> Familyman Otaku, 25%, wendet wenig Zeit für sein Hobby auf

> Legacy Otaku, 23%, 20-30 J alt

> Multi Otaku, 22%, wendet die meiste Zeit auf

> Social Otaku, 18%, 30-40 J alt, gibt am wenigsten Geld aus, missioniert aber

> Comic Female Otaku, 12% Frauen die sich lieber mit Zeichentrick Männern als mit echten beschäftigten - Sie geben das meiste Geld aus



Dannychoo hat auf seiner Website 2,7 Mio unique Users pro Monat und knapp 16 Mio Page Impressions. Er steht hinter dem Unternehmen Mirai.fm das Unternehmen Zugang zu dieser Community verspricht.

Alternative Welten erlauben, was reale Welten eventuell verbieten - die Frage ist, wie sich das verträglich verbinden lässt.

Ein bißchen? ist das ganze ja doch aus der japanischen Fetisch/Erotik/Porno Ecke entstanden (wie Danny Choo auf seiner eigenen Seite zeigt) und unterstreicht auch die Ambivalenz in Japan wie mit diesen Themen umgegangen wird. Ich hatte das gefühl, dass der eine oder andere Besucher des Trendtags dann doch überfordert war...

Der 13. Trendtag fand am 8. Mai 2008 im Curiohaus in Hamburg unter dem Motto "Identitätsmanagement - Anerkennung statt Aufmerksamkeit" statt. Das finde ich treffsicher, denn ich halte v.a. digitales Identitätsmanagement für eine zentrale Herausforderung der Zukunft mit Auswirkungen auf der Ebene des Individuums, der Unternehmen und der Gesellschaft allgemein. Die Reihe der angesagten Referenten versprach einiges und ich sollte nicht enttäuscht werden. Das sind meine ersten wichtigsten Eindrücke zusammengefasst:

Von der Ökonomie zur Egonomie

Eröffnet wurde der Tag von Dr. Norbert Bolz, der das Publikum fragte ob es sich schon mal selbst gegoogelt hätte? Eine wohl rethorische Frage.

Doch er wollte sich nicht ausschließlich dem Internet widmen sondern hinterfragte das oftmals leicht dahergesagte "der Mensch steht im Mittelpunkt". Norbert Bolz formulierte die These, dass im modernen Leben, der Mensch eben nicht im Mittelpunkt steht und das die Zumutung der modernen Gesellschaft darstellt. Doch es gibt Angebote die uns trösten.

An erster Stelle die Religion - ein alter Hut, aber nach wie vor gültig. Der nächste Trostspender sind die Massenmedien. Sie machen uns glauben Menschen seien wichtig, stünden im Mittelpunkt und das tröstet ungemein. Deshalb konsumieren wir Sie nach wie vor so fleissig. Aber aus der Zumutung der modernen Gesellschaft heraus sieht Bolz die Entwicklung von der Ökonomie zur Egonomie - wie mache ich mich selbst zum Zentrum meines Referenz- und Bezugsystems? Daraus ergibt sich fast zwangsläufig die Notwendigkeit zu "brand yourself" und einem effizienten "impression management".

Mit Referenz zum Tierreich geht es hier darum "teure Signale" zu senden, Stichwort das Pfauenrad. Oder besser, Ex-Kanzler Gerhard Schröder der besonders für "Basta" (wie beende ich eine komplexe Diskussion?) und "Gedöns" (für das gemeine Volk verständlicher Sammelbegriff für Kultur, Sport und v.a. Frauenfragen) bekannt ist. Man leistet sich willentlich ein Handicap und sendet ein teures Signal mit hohem Risiko - kein Fehler sondern eine unbewußte Strategie im Rahmen des impression management.

Doch Netzwerke, Geld und ähnliches können nach Aussage von Bolz nie die Antwort auf die Frage nach unserer Identität sein. Es ist die Selbsttranszendierung - das was nach der Bedürfnispyramide von Maslow nach der Selbstverwirklichung kommt. Und wenn menschliche Identität als Einheit von Körper, Seele und Geist verstanden wird, so lassen sich diese Phänomene in diesen drei Kategorien beobachten.

Sujet-13-Trendtag-2008
Angeblich wurde das Sujet von bekennenden Ästheten massiv angefeindet.

Die Selbsttranszendierung des Körpers durch, Kosmetik, Workout, Bodybuilding, Botox, plastischer Chirurgie und noch weiter (Thomas Beaty / Link) ... Die Selbsttranszendierung des Geistes wird nach Bolz durch den Workaholic repräsentiert. Die eigene Arbeit ist das Medium zur Selbsttranszendierung, man arbeitet um zu arbeiten. Bleibt noch die Selbsttranszendierung im Geist - und die sieht man in der heimlichen Konjunktur der Religion. Die Bolz anscheinend so schlecht nicht findet, denn "die Religion treibt einen niemals in die Sackgasse der Selbstverwirklichung - die Innenschau ist ein Irrweg, denn dort ist nichts interessantes". Ein für mich verstörendes Schlußwort - ich kann der Innenschau und der Reflexion einiges abgewinnen.

Die Erheiterung des Tages lieferte Tagesschaumann Jan Hofer mit dem mahnenden Spruch "Handies sind die weißen Socken von heute" um das nervende Gebimmel während der Vorträge zu unterbinden. Er erblickte auch einen engen Mitarbeiter vom gebeutelten Kurt Beck und merkte zur Erheiterung des Publikums sinngemäß an, Kurt Beck täte im Sinne seines Identitätsmanagements gut daran jemanden hierher zu schicken ...

Place ersetzt Corporation als Zentrum der Organisation

Danach kam Richard Florida, bekannt für sein Buch "the rise of the creative class". Warum ist Kreativität so wichtig, warum so zentral, warum über alles andere zu stellen? Denn Kreativität kann im Gegensatz zu Kapital, Wissen, Informationen, etc. nicht zugeführt werden. Deshalb ist Kreativität der Kern wirtschaftlichen Wachstums - so waren in den 50er Jahren in den USA weniger als 10% der Bevölkerung Teil der creative industries. In Skandinavien sind es heute 45% und mehr!

Doch Florida wird für seine Thesen kritisiert, zB von der amerikanischen Rechten - er verfolge eine hidden agenda für Schwule, Lesben, gegen die Familie und Werte generell. Und sogar die Linke kritisiert Ihn, denn die Idee der "creative class" sei elitär. Im Gegenteil, denn Kreativität unterscheidet nicht unter Rasse, Alter, Ethnie, Geschlecht, sexueller Orientierung, Einkommen ja sogar Bildung. Zur Folge hat dies, dass im Gegensatz zu früher die Arbeit ein Ort zur Identitätsbildung sein kann! Arbeit muß (heraus)fordernd sein, aufregend und flexibel eigenverantwortlich gestaltbar - Grundlagen für Identitätsbildung. Dann müssen Arbeitgeber Produktivität nicht aus Arbeitnehmern herauspressen, sondern sie fließt - das beste Beispiel ist Google.

Die Welt von heute wird dominiert von 40 Megaregions. Dort leben 80% 20% der Bevölkerung die 2/3 der weltweiten Wirtschaftsleistung produzieren und dort werden 9 von 10 Innovationen entwickelt die wir verwenden. ("These 40 megaregions account for about 20 percent of the world's population but produce about two-thirds of economic output and nine out of 10 of the world's innovations" - mehr in Newsweek / danke für den Hinweis SK!).Das heißt wir stehen nicht im Wettbewerb mit China oder Indien. Sondern NRW steht im Wettbewerb mit zB Shanghai! Place ist also mehr denn je Grundlage der Identitätsbildung - deshalb die Frage Who is your city?

Die unternehmerische Lebensplanung - Selbstoptimierung

Das sieht Prof. Peter Wippermann auf uns zukommen. Wobei sich aus seiner Sicht "Identität nicht kaufen lässt - sie entsteht". Ein wichtiges Signal an Unternehmen generell, die dem oft nicht wirklich Glauben schenken. Wippermann erläuterte weiters sein Bild der maslowschen Bedürfnispyramide die zu einer permanenten Feedbackschleife wird - sie beginnt beim körperlichen mit heutigen Auswüchsen wie Mommy 2.0 und dem Kinderbuch My beautiful Mommy um dem Kind begreiflich zu machen warum Mama plötzlich mit prallen Brüsten, neuer Nase und einem so komischen nicht enden wollenden Jokerface durch die Gegend stöckelt - in Deutschland gibt es zB jährlich über 400.000 Schönheitsoperationen. Das heißt auch "Ästhetik ersetzt Selbstwertgefühl" und aus dem ehemaligen Lifestyle wird Healthstyle ...

My-beautiful-Mommy-Bookcover

Die Sicherheit die bei Maslow noch ein Dach übern Kopf bedeutete ist heute die Datensicherheit. Viel zum Nachdenken hat hierbei vor allem Lidl. Deshalb ersetzt bald auch Biometrie die Demografie - nicht mehr Alter, Geschlecht und Beruf sind relevant, wenn Irisscan, Fingerabdruck und Gencode bekannt sind.

Also vor allem Unternehmen brauchen eine zugängliche Identität - eine kommunikativ zugängliche Repräsentanz in all den neuen Kanälen. In einer Welt in der Vertrauen Programm wird, in der ein Arbeitsmarkt von einem Persönlichkeitsmarkt ersetzt wird gibt es also noch einiges zu tun für diese Teilnehmer im Markt.

Mr. Identity 2.0 Dick Hardt von Sxip setzte sein Publikum einer tour de force mit gefühlte 3245 slides in 29min aus. Es war alles richtig und spannend, anfangs auch unterhaltsam, aber letzten Endes zu anstrengend! Das Video ist dennoch sehenswert: