Mittwoch, 11. März 2009
Armin Wolf hat in einem Twitter Post auf einen interessanten Artikel von Otfried Jarren von der Universität Zürich über die Rolle von klassischen Medien als unersetzbare soziale Institutionen verwiesen - den ich deshalb gefunden und gelesen habe. Er schreibt:
Durch Blogs und Online-Angebote werde, so wird vielfach postuliert, die bestehende Öffentlichkeits- und Medienstruktur massiv verändert. Es wird vom Ende der Massenmedien gesprochen ...
Ja, die bestehende Öffentlichkeits- und Medienstruktur hat sich bereits massiv verändert!
Anders ist es nicht zu erklären, dass die Breaking News über die Betriebsansiedelung von Google in Kronstorf in einem Twitter Post stand, von einem Blogger aufgegriffen wurde und so in der ORF Futurezone landete um im Handelsblatt zu enden, bzw. ein halbes Jahr später offiziell bestätigt zu werden.
Weiters schreibt Prof. Jarren:
... durch die Netzmedien würden die Massenmedien ihre Funktion als Schleusenwärter und ihre zentrale Stellung in der Gesellschaft einbüssen.
Die alte Sorge um die Gatekeeper Rolle! Aus meiner Sicht wird diese nicht durch die Mikromedien der Netzszene in Frage gestellt - die Gatekeeperrolle ist bereits bei Google. Search und die Entwicklung von Suchtechnologie, personifiziert durch Google, hat unseren Zugang zu Informationsmanagement radikal verändert. googeln ist ein eingeführtes Verb. Die Menschheit googelt pro Tag ca. 2 Milliarden Mal in einer Billion unique URLs. Google ist somit ein Meta-Gatekeeper an beiden Enden. Zum einen, weil auch Journalisten genauso intuitiv und selbverständlich googeln wie alle anderen Menschen auch und weil Menschen als Rezipienten vielfach auf den redaktionellen Content von traditionellen Medien durch Google geführt werden - dieser Trend wird durch Entwicklungen wie Google News auch noch verstärkt.

Interessant ist die nachfolgende These:
Medial vermittelte Kommunikation ist immer eine organisierte Form der Kommunikation – und das setzt Organisationen, Rollenträger und aufseiten des Publikums die Kenntnis ebendieser sozialen Strukturen voraus. Es bedarf also vor allem einer Organisation [...] Die Rezipienten nutzen die Massenmedien, um sich über Themen zu orientieren. [...]
Die Beobachtung der gesamtgesellschaftlichen Entscheidungsagenda über Massenmedien ist aufgrund des einfachen, raschen wie kostengünstigen Zugangs zu ihnen für alle Gesellschaftsmitglieder effizient.
Massenmedien sind, was die dominante Form der Bereitstellung angeht, Push- und nicht – wie beim Internet – Pull-Medien.
Nur Angebote der Push-Medien sind potenziell in zeitlicher und sozialer Hinsicht für alle Rezipienten gleich verfügbar.
Push-Medien strukturieren damit das Informationsverhalten der Mehrzahl der Rezipienten in spezifischer Weise.
Ja und auch Nein. Wie zum Beispiel lassen sich kommunikative Entwicklungen wie zuletzt Motrin Moms, Kryptonite Locks oder Dell Hell (und Ihre Auswirkungen) erklären? In allen Fällen waren klassische Massenmedien beteiligt, aber tendentiell sehr spät in der Entwicklung - Wenn die Bedeutung der Sache im Kontext von Google Traffic, Google Indexierungen und tausenden Verlinkungen, Posts, Tweets, Comments, Videos, etc. nicht mehr zu ignorieren war.
In der Debatte um die «neuen Medien» dominiert – wieder einmal – ein naives Medienverständnis, weil die soziale Seite der Medien nicht gesehen wird.
Gerade diese Aussage scheint mir naiv! Professor Jarrer ignoriert die soziale Entwicklung rund um oder durch die "neuen Medien" die wir zwar noch nicht vollständig zu verstehen scheinen und sie daher schwammig mit Schwarmintelligenz oder wisdom of the crowds betiteln. Aber endgültige Definition hin oder her - wir sehen wie sich große Massen an Individuen über Raum und Zeit hinweg rasend schnell verorten, kontextualisieren und so etwas wie ein gemeinsames Bild über einen Sachverhalt entwickeln und dieses in Form von tausenden Mikrocontentpartikeln homogen abbilden. Die Homogenität ergibt sich dabei aus der Flughöhe der Betrachtung.
"eine gesellschaftlich vermittelnde Funktion" ist somit laut Prof. Jarren der Kern der Massenmedien und essentiell. Die spannende Frage die sich mir stellt ist die Notwendigkeit und Bedeutung derselben.
Entwickelt sich unsere Gesellschaft (oder zumindest ein Teil davon) unterstützt durch Technologien wie Search, Social Networks, u.a., sowie eine neue Form der Media Literacy in eine Richtung wo "gesellschaftlich vermittelnde Form" spontan und aus dem Kollektiv heraus emergent entsteht?
btw - der Titel des Blogposts gereicht dem Herrn Professor zur Ehre ;-)
Durch Blogs und Online-Angebote werde, so wird vielfach postuliert, die bestehende Öffentlichkeits- und Medienstruktur massiv verändert. Es wird vom Ende der Massenmedien gesprochen ...
Ja, die bestehende Öffentlichkeits- und Medienstruktur hat sich bereits massiv verändert!
Anders ist es nicht zu erklären, dass die Breaking News über die Betriebsansiedelung von Google in Kronstorf in einem Twitter Post stand, von einem Blogger aufgegriffen wurde und so in der ORF Futurezone landete um im Handelsblatt zu enden, bzw. ein halbes Jahr später offiziell bestätigt zu werden.
Weiters schreibt Prof. Jarren:
... durch die Netzmedien würden die Massenmedien ihre Funktion als Schleusenwärter und ihre zentrale Stellung in der Gesellschaft einbüssen.
Die alte Sorge um die Gatekeeper Rolle! Aus meiner Sicht wird diese nicht durch die Mikromedien der Netzszene in Frage gestellt - die Gatekeeperrolle ist bereits bei Google. Search und die Entwicklung von Suchtechnologie, personifiziert durch Google, hat unseren Zugang zu Informationsmanagement radikal verändert. googeln ist ein eingeführtes Verb. Die Menschheit googelt pro Tag ca. 2 Milliarden Mal in einer Billion unique URLs. Google ist somit ein Meta-Gatekeeper an beiden Enden. Zum einen, weil auch Journalisten genauso intuitiv und selbverständlich googeln wie alle anderen Menschen auch und weil Menschen als Rezipienten vielfach auf den redaktionellen Content von traditionellen Medien durch Google geführt werden - dieser Trend wird durch Entwicklungen wie Google News auch noch verstärkt.

Interessant ist die nachfolgende These:
Medial vermittelte Kommunikation ist immer eine organisierte Form der Kommunikation – und das setzt Organisationen, Rollenträger und aufseiten des Publikums die Kenntnis ebendieser sozialen Strukturen voraus. Es bedarf also vor allem einer Organisation [...] Die Rezipienten nutzen die Massenmedien, um sich über Themen zu orientieren. [...]
Die Beobachtung der gesamtgesellschaftlichen Entscheidungsagenda über Massenmedien ist aufgrund des einfachen, raschen wie kostengünstigen Zugangs zu ihnen für alle Gesellschaftsmitglieder effizient.
Massenmedien sind, was die dominante Form der Bereitstellung angeht, Push- und nicht – wie beim Internet – Pull-Medien.
Nur Angebote der Push-Medien sind potenziell in zeitlicher und sozialer Hinsicht für alle Rezipienten gleich verfügbar.
Push-Medien strukturieren damit das Informationsverhalten der Mehrzahl der Rezipienten in spezifischer Weise.
Ja und auch Nein. Wie zum Beispiel lassen sich kommunikative Entwicklungen wie zuletzt Motrin Moms, Kryptonite Locks oder Dell Hell (und Ihre Auswirkungen) erklären? In allen Fällen waren klassische Massenmedien beteiligt, aber tendentiell sehr spät in der Entwicklung - Wenn die Bedeutung der Sache im Kontext von Google Traffic, Google Indexierungen und tausenden Verlinkungen, Posts, Tweets, Comments, Videos, etc. nicht mehr zu ignorieren war.
In der Debatte um die «neuen Medien» dominiert – wieder einmal – ein naives Medienverständnis, weil die soziale Seite der Medien nicht gesehen wird.
Gerade diese Aussage scheint mir naiv! Professor Jarrer ignoriert die soziale Entwicklung rund um oder durch die "neuen Medien" die wir zwar noch nicht vollständig zu verstehen scheinen und sie daher schwammig mit Schwarmintelligenz oder wisdom of the crowds betiteln. Aber endgültige Definition hin oder her - wir sehen wie sich große Massen an Individuen über Raum und Zeit hinweg rasend schnell verorten, kontextualisieren und so etwas wie ein gemeinsames Bild über einen Sachverhalt entwickeln und dieses in Form von tausenden Mikrocontentpartikeln homogen abbilden. Die Homogenität ergibt sich dabei aus der Flughöhe der Betrachtung.
"eine gesellschaftlich vermittelnde Funktion" ist somit laut Prof. Jarren der Kern der Massenmedien und essentiell. Die spannende Frage die sich mir stellt ist die Notwendigkeit und Bedeutung derselben.
Entwickelt sich unsere Gesellschaft (oder zumindest ein Teil davon) unterstützt durch Technologien wie Search, Social Networks, u.a., sowie eine neue Form der Media Literacy in eine Richtung wo "gesellschaftlich vermittelnde Form" spontan und aus dem Kollektiv heraus emergent entsteht?
btw - der Titel des Blogposts gereicht dem Herrn Professor zur Ehre ;-)
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