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Trotz gekonnter jahrelanger Ignoranz kommt auch Gottseibeiuns derStandard.at nicht an Weblogs vorbei und interviewt Herrn Markus B. Pirchner von future.bytes, der sich im Kommunikationsumfeld von Weblogs dermaßen seine Sporen verdient hat, dass er in Österreich Ansprechpartner No1 für dieses Thema zu sein scheint :-)

ein paar Aussagen aus dem Interview:

...Mark Russinovich hat gezeigt, dass es fast nichts gibt, das nicht ans Tageslicht kommt. Die Macht des einzelnen Durchschnittsbloggers ist jedoch begrenzt. Erst die starke Vernetzung der Blogger und das Interesse der Mainstream-Medien haben den Stein wirklich ins Rollen gebracht und Sony BMG unter Druck gesetzt.


>> Naja, aber ist es dann nicht doch so, dass durch die Vernetzung auch der Einzelne eine wesentlich größere Bedeutung hat - und die Massenmedien nehmen es doch erst dann auf, wenn Sie es aufgrund der niedrigsten Qualitätsmaßstäbe nicht mehr ignorieren können.

50 Millionen Blogs weltweit lassen vermutlich auch abgebrühte PR-Fachleute erst einmal zusammenzucken. Genau besehen sind vermutlich für jeden Kommunikationsfall nur ein paar Dutzend Blogs relevant. Die gilt es herauszufinden, was mit diversen Tools wie Blogsuchmaschinen ohne Weiteres zu bewerkstelligen ist.

>> Achso - also ich tippe einfach in die "Blogsuchmaschine" Wer schreibt böse über mich? und das Wunderding spuckt dann was aus. Und wenn nur ein paar Dutzend relevant sind, wie identifiziere ich eigentlich den Ursprung, bzw. den Hub, den wichtigen Netzwerkknotenpunkt? Ok, nur ein Denkanstoß...

STANDARD: Betreiben Sie selbst ein Weblog?
Pirchner: Ich bereite eines für unsere Agentur vor. Es wird der besseren Positionierung dienen. Als Privatperson ziehe ich es vor, nicht zu sehr in der Öffentlichkeit zu stehen.


>> Aha. Ich bin gespannt. Ein Weblog mit W3C-Konformität wird auch Wunder wirken was Ihre Präsenz in Google betrifft, da werden Sie ganz neue Erkenntnisse gewinnen, die für Sie sicherlich bahnbrechend sind....

STANDARD: Haben Sie den Eindruck, dass Österreichs PR-Branche Weblogs schon bei ihrer Arbeit nutzt?
Pirchner: Ich bin sicher, dass die PR-Fachleute in einigen Unternehmen und Organisationen - nicht nur in der Politik - intensiv über den Einsatz von Blogs nachdenken. Die Blogosphäre ist ein Thema, an dem wir nicht vorbeikönnen und auch nicht vorbeiwollen. Allerdings hat vieles noch Experimentalcharakter....


>> Warum nicht "Wissen Sie wer in Österreich schon erfolgreich Weblogs einsetzt oder nützen kann?" wie zB die BA-CA in einem Sponsoringprojekt? Oder die Mobilkom, oder die TA, oder das ARCS, oder Christoph Chorherr, oder die Kleine Zeitung, oder die Presse, oder die ÖBB...

Naja, da wäre die Antwort wohl "keine Ahnung?" gewesen.... Dabei reicht ein kurzer Blick auf die Clippings... Aber wer will schon die Journalisten überfordern?
jupe meinte am 22. Nov, 15:48:
warum so negativ? 
kinomu antwortete am 22. Nov, 16:01:
weil ein ahnungsloser journalist jemanden zu einem thema interviewt hat, der selbst keine ahnung hat? 
Sierra antwortete am 22. Nov, 16:24:
weil mich sowas ärgert. und weil sich das nie ändern wird solange man eine sache aus überzeugung und leidenschaft macht. und insofern ist das dann auch wieder ok :-) 
muesli meinte am 22. Nov, 19:02:
sierralog bekommt langsam ein bösbeißiges profil, weiter so, das fehlt in der branche :-) 
Sierra antwortete am 23. Nov, 09:41:
nur wenns notwendig ist :-) 
nestor meinte am 22. Nov, 19:05:
wundert's dich (wirklich)?
ist doch ein (spiegel-/standard-)bild des österreichischen journalismus! ;( 
Sierra antwortete am 23. Nov, 09:41:
wie gesagt es wundert mich nicht, es überrascht mich nicht, das ist Österreich und im speziellen die österreichische Medienlandschaft, die zwar unterentwickelt ist aber an Präpotenz und Arroganz kaum zu überbieten ist. Vielleicht sorgen die hohen Berge für diesen engen Horizont? Aber es ärgert halt noch immer.... (wirds hoffentlich immer, weil die Gleichgültigkeit ist der Tod des Engagements) 
MasterOfDesaster meinte am 23. Nov, 17:14:
...
Ich habs ja schon mal gesagt: "Diese kritisch/sarkastischen Artikel im sierralog gefallen mir besonders."

Jetzt müssen wir nur noch schaun dass sierralog.com zu einem der paar Dutzend relevanten Blogs wird. Sonst reagiert ja "keiner" auf seine Postings. 
Sierra antwortete am 24. Nov, 16:08:
na halle, was willst denn da schauen?? ;-) 
Pirchner meinte am 13. Dez, 12:47:
Häme und Geifer sind eine dünne Suppe
Ja, darf denn der Standard das, jemanden zum Thema Weblogs + PR zu interviewen, der keine Approbation von knallgrau erhalten hat? Ein Skandal. Noch dazu einen, der nicht einmal ein eigenes Weblog betreibt. Unfassbar. Das ist ja fast so, als ließe man jemanden zu Beethovens Klaviersonaten zu Wort kommen, der selber kein Virtuose ist. 20 Jahre Berufserfahrung im PR-Bereich und mehr als 10 Jahre berufliche Tätigkeit im Internet sind da nur Kinkerlitz.
Das alles ist ja so unerhört, dass man keinen Gedanken daran verschwendet, in welchem Umfeld und mit welcher Intention das Interview geführt wurde. Hauptsache man kann einen (vermeintlichen) Kilrathi abschießen.
Nur ein kleiner Tipp: Wer Positionierung nur mehr im Zusammenhang mit Google zu verstehen vermag, der hat ein schweres Problem mit seiner Perspektive (oder soll ich sagen: mit seinem eingeschränkten Gesichtsfeld?). 
Sierra antwortete am 13. Dez, 13:10:
Hallo Herr Pirchner, wenn ich Sie denn persönlich hinter der Verlinkung zur Website Ihres Unternehmens vermuten darf - Ist ja nix gegen Sie... Wer hat denn schon was gegen eine gute Eigen-PR, ob gerechtfertigt oder nicht. Ich würde auch nicht nein dazu sagen. Ich kritisiere ja die handelnden Medien die einerseits schlecht recherchieren und andererseits schlicht ignorant sind. Da ist es doch nur gut, dass es Korrektive gibt, die eine gewisse Präsenz & Awareness erreichen. Sonst würde Walter Cronkite auch heute noch die Abendnachrichten (von heute wahrscheinlich FOX News) in den USA mit dem bedeutungsschwangeren Satz "and that's the way it is...." beschließen. Es geht also viel eher um den antiquierten Wahrheitsanspruch der vor allem dann so lächerlich wird, wenn schlecht recherchiert wird. Ich denke der Leser hätte da doch ein Recht darauf... Aber Österreich ist ein Land der Besitzstandswahrer, der Bedenkenträger, der alten Seilschaften, der Old-boys Networks und wird sich so schnell nicht ändern - insofern kein Grund zur Panik und wie sie ja sagen, Google interessiert doch eh keinen, also lassen wir diesen Spielplatz den Kindern...

Aber ich bin immer sehr an einem kritischen Austausch interessiert und wenn Sie mal Zeit und Lust haben, dann erzählen Sie mir von Ihren 20 Jahren Praxis und ich erzähl Ihnen von unseren Spielereien - vielleicht haben wir ja beide was davon... 
Pirchner antwortete am 13. Dez, 16:35:
Old boys - new toys
Vielleicht sollte ich das Standard-Interview doch in den richtigen Kontext setzen, da es weder dessen redaktionelle Generallinie darstellt, noch eine Sache von Eigen-PR (obwohl dieser Effekt natürlich auch vorhanden ist - zwangsweise, wenn man in einem Medium zu Wort kommt) ist. Der Beitrag ist Teil einer Serie, die der Standard in Kooperation mit dem PRVA (dem Public Relations Verband Austria ) sowie der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation Wien gestaltet. In Interviews mit PR-Fachleuten wird die Bandbreite moderner Public Relations präsentiert, die eben weit über klassische Medienarbeit hinaus reicht.
Da wir kurz vor dem Interview eine sehr gut besuchte Veranstaltung mit Ansgar Zerfaß und Dietrich Boelter ("Die neuen Meinungsmacher") hatten, und der Standard ein Gespräch mit Zerfaß zum Thema publiziert hatte, sind in meinen Statements andere Schwerpunkte gesetzt worden. Z.B. ist es mir nicht sinnvoll erschienen, all die (wenigen) bekannten Beispiele für Weblogs in der Unternehmenskommunikation noch einmal aufzuzählen, die ohnehin schon alle kennen, die sich mit dem Thema wenigsten ansatzweise beschäftigen; mir war wichtiger darauf hinzuweisen, dass sich weit mehr hinter den Kulissen tut, als an der Oberfläche erkennbar wird. Von zahlreichen Gesprächen mit KollegInnen aus der PR-Szene weiß ich, dass es subkutan brummt, aber auch, dass es noch Berührungsängste (die ominösen 50+ Mio Weblogs) und Unsicherheit gibt.
Was die Besitzstandswahrer etc. betrifft, unterscheidet sich Österreich vermutlich nicht von anderen Ländern, und "old boys != boring old farts" :-) (das muss ich schon meiner eigenen angesammelten Jahrzehnte wegen sagen). Möglicherweise gibt es graduelle Unterschiede in der Geschwindigkeit, mit der neue Phänomene angenommen werden, aber keine grundsätzlichen (bezogen auf den europäischen Durchschnitt).
In den Unternehmen und Agenturen werden Weblogs, Web 2.0, Social Software und wie der "Zinnober" sonst noch heißen und betitelt werden mag, sehr ernst genommen, es wird emsig analysiert und teilweise auch experimentiert. Aber dass jetzt alle von heute auf morgen nur noch bloggt, hat ja wohl niemand ernsthaft erwartet. Oder??
Solange Mainstream-Medien die Medienrezeption in Österreich dominieren - was derzeit wohl unbestritten ist -, solange werden sie vorrangig (wenn auch nicht ausschließlich) von der Unternehmenskommunikation (PR, Werbung usw.) bedient. Ich denke, dass dies - u.a. - die unterschiedlichen Entwicklungsgeschwindigkeiten USA--Europa erklärt: Noch haben wir in den österreichischen Mainstream-Medien nicht die drastischen Auflagen-/Zusehereinbrüche und Rückgänge im Werbevolumen (8-9%) wie in den USA, und noch sind die Medienkonsumenten bei uns nicht soo angefressen auf die gleichgebürsteten "News". Die Tendenz ist da, glaube ich, und die heimische Medienszene stellt sich konsequent die falschen Fragen, wie zuletzt beim Symposium "Journalismus zwischen Markt und Moral", (wenn ein Link erlaubt ist: http://news.prva.at/index.php/weblog/more/konsequent_falsche_fragen/). Aber sie werden es schon noch merken - oder untergehen. Ich halte da - ganz unparteiisch :-)) - die PR-Branche für flexibler: Sie hat bisher noch jeden Paradigmenwechsel der Kommunikation "derpackt"; sie war meist (oder fast nie) unter den "early adopters", aber sie war immer "da", wenn es darauf ankam. Als geübte "networker" müssten sich PR-Leute eigentlich in der Blogosphäre gut zurecht finden.
"Kritischer Austausch" ist immer gut, und ich bin auch stets dafür zu haben (mit dem Relaunch der future bytes Website wird es auch ein Blog geben, da geht's dann effizienter als im Kommentar-Kämmerlein).
Also: weiter"spielen" ;-) 
Hans Kolpak (anonym) meinte am 14. Mai, 13:05:
Die Macht des Einzelnen
Jede einzelne Schneeflocke
einer Lawine
hält sich für unschuldig.

Stanislaw Jerzy Lec
polnischer Lyriker und Aphoristiker

Ob eine fallende Schneeflocke zum Eindruck einer weißen Landschaft beiträgt oder ein wachsendes Baumblatt einen grünen Wald erschafft - immer sind es Einzelpersonen, die ein Millionen Seelen umfassendes Volk bilden. Leider hat nicht jeder Mensch ein Bewußtsein für seine Macht. Niemand hat es ihm gesagt. Er glaubt, machtlos zu sein und läßt sich von anderen bestimmen.

Was kann ein Einzelner tun?

Mehr als die meisten glauben. Ob die Abstimmung mit den Füßen 1989 oder das Nachfragen nach biologisch zertifizierten Lebensmitteln - immer waren es Einzelne, die neue Ideen aufgriffen und Tausende, die sich anschlossen.

So geschehen Änderungen. Deswegen lebe und arbeite ich außerhalb von Interessengruppen. Ich wandle unsere Gesellschaft zum Besseren durch mein Leben und durch meine Arbeit - ohne Getöse und ohne Propaganda.

Jegliche Gruppenbildung zur Ausbeutung, zur Revolution oder zur Manipulation ist sinnlos, weil alle solche Bestrebungen vom Strudel des Machtmißbrauches verschlungen werden.

Hans Kolpak
Biß der Woche