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Fotos sind eine sehr diffizile Angelegenheit. Fotos sind meiner Meinung nach sehr manipulativ. Eigentlich mag ich Fotos sehr, aber...

Wenn man sich alte Fotos ansieht wo man Menschen fotografiert hat, dann sind die meistens positiv drauf. Sie sind auf den Fotos schön, lustig, nett, witzig, sympathisch irgendwie positiv.

Ich hab kaum Fotos wo Menschen drauf sind die gerade hassen, weinen, kränken, verletzen, böse sind, negativ sind. Vielleicht ist das nur bei mir so, aber wer hat denn Fotos von Menschen die so drauf abgelichtet sind?

Also, wenn man sich nun alte Fotos ansieht, dann sieht man viel, aber nie die Realität. Man sieht eben Menschen die so nett, lieb, lustig, freundlich usw. sind aber nie die dunkle Seite. Und dann fällts schwer sich an die zu erinnern. Das verfälscht die Realität total - viel mehr als ein Video. Auf einem Video kann man viel schwerer was vorspielen als auf einem Standbild, weil beim Video durch die Körpersprache durch die Bewegung im menschlichen Körper auch wenn er still sitzt immer sehr viel mitkommt. Das Standbild inszeniert, suggeriert, verführt, belügt und betrügt.

Ich werd mir weniger Fotos ansehen und ab jetzt Fotos von Menschen machen, wenn sie negativ sind. sicherheitshalber (und überhaupt mach ich lieber Fotos von Landschaften).
Pirchner meinte am 26. Jan, 19:48:
ein Foto ist ein Foto ist ein Foto
Ein Foto, das nicht absichtlich zur Täuschung der Betrachtenden gestaltet wurde, ist in erster Linie das Einfrieren eines Moments. Es mag inszeniert sein ("Geh, Tante Mizzi, kannst noch einen Schritt nach hinten ..."), lügt deshalb aber noch nicht. Erst unsere Interpretation fügt den Aspekt des Irrtums, der Lüge oder sonstwas hinzu. Und wenn wir das Foto aus dem Kontext herausnehmen (und das passiert zwangsweise, weil wir den Kontext aj nicht mit ins Album kleben können), ändert sich natürlich die Bedeutung. Das ist aber keine Lüge und kein Betrug.
Selbst Millionen von Fotos mit lächelnd (oder grinsend etc.) vor mehr oder weniger markanten, geschichtsträchtigen Ruinen gruppierter Menschen "lügen" nicht. Sie sagen nur, dass millionen Mal sich Menschen sich in eine bestimmte Positionen bringen und zu einer bestimmten Grimasse überreden haben lassen.
Der "Fehler" passiert erst dann, wenn wir Dinge hinein interpretieren, die nicht drinnen sind in den Fotos (oder Schnappschüssen).
Mit dem Verführen ist es wieder anders, wenn ich die Fotos vom letzten Urlaub anschaue, dann bin ich definitiv verführt - zur Wiederholung :-) 
Sierra antwortete am 27. Jan, 09:40:
ja, natürlich ist nicht "das Foto" schuld sondern ich selbst, aber es ist das Foto, das mich eben zu dieser aus dem Kontext gerissenen Interpretation verführt. Daher ist das Foto böse ;-) 
docvoo meinte am 26. Jan, 22:06:
Ich hab beide Medien sehr gern: Photographie und Film. Weil sie beide ungemein spannend sein können. Ich gebe dir recht dass die meisten 'Alltags'- und 'Gebrauchs'-Photos Menschen in gestellten Posen darstellen aber gerade wenn ich an alte, vergilbte Schwarzweißphotos denke muss ich lächeln weil ich sie mir ungemein gern anschaue. Die Schönheit dieser Photos liegt oft im Detail und auch dort versammelt sich die 'nicht posierte' Information: wo liegen Hände, offen geschlossen zur Faust, wer schaut wohin, zu wem, hat welche Kleidung an, hockt sich nieder oder steht aufrecht... All diese kleinen Details können mich manchmal unglaublich faszinieren bzw. horche ich gern hin und schau ob mir ein Bild durch sie etwas erzählen will. Ich mag Photos genau aus dem Grund aus dem den du beschreibst: Standbilder. Ein eingefangener Moment in der Zeit (beinahe etwas paradox). Schau dir nicht weniger Photos an. Aber wenn dann vielleicht nur die etwas interessanteren, tiefergehenden. Und Landschaften sind ein 'dankbares' Motiv (Da fällt mir ein uraltes s/w Bild meiner verstorbenen Großmutter ein, sie mit ihrer Schwester, beide haben ein sehr einfaches Kleid aus dem gleichen, eigenartig gemusterten Stoff an. Auf die Frage was es mit den Kleidern auf sich hat sagt sie: "Jo, des woa hoit a daunkbora Stoff..."). 
Sierra antwortete am 27. Jan, 09:41:
Danke! großartiger Spruch von deiner Oma, könnte 1:1 von meiner sein... STMK? 
docvoo antwortete am 27. Jan, 12:12:
NÖ, Waldviertel. 
dkg meinte am 27. Jan, 00:45:
Stimmt schon. Aber auch das macht fuer mich den Reiz am Fotografieren aus. Menschen so zu erwischen, wie sie sind. Unverfaelscht und natuerlich. Bei Pressefotos geht sowas sehr einfach und gut.
http://flickr.com/photos/fotex/88975189/

Auch sonst sind natuerliche Aufnahmen von Menschen oft recht spannend.
http://www.fotex.at/stories/1385569/

Und noch eins, speziell fuer dich. Allerdings leider nicht von mir gemacht:
http://www.flickr.com/photos/oceanbornstudios/90430700/

lg,
daniel 
Sierra antwortete am 27. Jan, 09:43:
großartige Bilder! Danke. und der surfer wird gleich gefressen ;-) 
jupe meinte am 27. Jan, 09:26:
Ich finde Fotos von weinenden, streitenden, liebenden, sprich: Emotionen zeigenden Menschen auch viel spannender. Trotzdem mach ich diese Bilder nicht, obwohl ich sehr, sehr viel fotografiere. Ich finde es meistens in diesen Momenten zu unsensibel, zu verstörend, zu paparazzig, die Kamera auf diese Leute zu halten und abzudrücken... zum Foto gehört für mich auch das Einverständnis beider, oder mehrere Personen: der Fotografin und der Leute, die drauf sind. Natürlich bin ich unkonsequent und frage nicht immer im Vorhinein, ob ich die Szene festhalten darf, wobei das immer nur mein subjektiver Ausschnitt wird, was ist schlecht daran?, aber ich habe gelernt, Situationen einzuschätzen und auch auf Fotos zu verzichten - auch wenn sie von weinenden, streitenden, liebenden, sprich: Emotionen zeigenden Menschen viel spannender wären. 
docvoo antwortete am 27. Jan, 12:23:
interessante fragen die du da aufwirfst. letzten endes darf das jeder für sich selbst entscheiden. die kraftvollsten und beeindruckendsten bilder entstehen jedoch oft genau unter den von dir beschriebenen umständen: unsensibel, verstörend, paparazzig und ohne gegenseitiges einverständnis. 50 years Gallery - World Press Photos (das photo an das ich dachte ist das aus dem jahr 1972 und das von 1968 ist nachwievor 'unfassbar') 
jupe antwortete am 27. Jan, 12:38:
ich weiß, dass diese "legendären" fotos wahrscheinlich nur dadurch entstehen können, wenn der/die fotografin einfach ohne viel nachdenken, ohne viel zu fragen, abdrückt, und zwar eben im richtigen moment und nicht erst nach der inneren verhandlung mit dem gewissen... das, nämlich der mut oder die skrupellosigkeit, wie auch immer man das bezeichnen will, gehört wahrscheinlich einfach zum berufsbild dazu und ist eines der vielen unterscheidungsmerkmale zwischen hobby und beruf (neben so "unwichtigkeiten" wie blick, ausrüstung,... klar).
Ein bißchen von der skrupellosigkeit habe ich angenommen, wie ich in japan unterwegs war. dachte, das würde ich wahrscheinlich nur ein mal im leben sein, und habe - als gegenzug - "japanische touristin" gespielt, soll heissen: alle und alles fotografiert. nur schlafende menschen in der u-bahn haben mir zu viel respekt eingeflösst. 
muesli meinte am 27. Jan, 11:05:
du musst die leute nur erwischen, wenn sie gerade sauer, erschöpft, land unter, von der rolle, zerknautscht, einsam, skeptisch, abgehoben oder auf drogen sind oder sich gerade am sack kratzen
Sierra antwortete am 27. Jan, 11:22:
great ;-)