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Der Horizont druckt in seiner kommenden Ausgabe anlässlich der Affäre rund um das veröffentlichte Mail von Jean Remy von Matt folgenden Kommentar von mir ab:

Du bist Klowand!

Am 19. Jänner war es dann soweit – Jean Remy von Matt schickte eine eMail an seine Kollegenschaft die einige brisante Aussagen enthielt. Er beschwerte sich darin über die „Miesepetrigkeit“ mit der die Kampagne „Du bist Deutschland“ von einigen Seiten aufgenommen wurde. Darunter Werbekollegen, klassische Medien und den Weblogs.

Diese bezeichnete er sodann als „Klowände[n] des Internets. (Was berechtigt eigentlich jeden Computerbesitzer, ungefragt seine Meinung abzusondern?“. In Richtung der Journalisten befindet er „Journalisten von FAZ bis TAZ, die ihre Meinung zwar insofern gefragt absondern als sie eine nachweisbare Leserschaft haben, aber:…“

Herr von Matt offenbart sich als einigermaßen naiv. Natürlich fand dieses eMail einen Weg nach draußen, vielleicht hat ja auch Jung von Matt einige Blogger im Unternehmen sitzen?

Am 19 Jänner also wurde das eMail vom deutschen Blogger Jens Scholz gepostet, bekam in wenigen Stunden 130 Kommentare, wurde über 100 Mal verlinkt, wurde innerhalb eines Tages über 18.000 Mal abgerufen.

Keine 12 Stunden später berichtete das Handelsblatt in einem seiner Weblogs darüber und weitere 12 Stunden später der Online Spiegel. Auf technorati.com, einem amerikanischen Webservice der seismisch die Bewegungen aus der Blogosphäre wiedergibt, war „Du bist Deutschland“ innerhalb von 2 Tagen der häufigste Suchbegriff.

Was sagt uns das? Anscheinend haben auch Weblogs eine nachweisbare Leserschaft, anders ist diese rasende virale Verbreitung wohl kaum zu erklären. Anscheinend hat Jung von Matt eine falsche Vorstellung von der Kraft der Überzeugung, denn die Überzeugung muß vor allem beim Rezipienten entstehen und nicht beim Macher der Kampagne.

Abgesehen davon, dass von Matt durch seine eMail das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung in Frage stellt spiegelt es eine abgehobene und arrogante Haltung wieder. Der Konsument bekommt eine vorgefertigte Botschaft und wenn diese nicht verstanden wird, ist sie zu doof oder eben miesepetrig. Das Problem ist, dass wir heute in einer Welt der Pro(ducer)(Con)sumer leben. Das Internet ermöglicht einen Zweiwegekanal und es gibt heute schon mehr als 26 Millionen Weblogs weltweit. Das sind aktive Sendestationen inklusive Reichweite und hoher Glaubwürdigkeit, die hervorragend auf einen offenen Dialog reagieren aber dumpfe Berieselung ablehnen. Nur weil man dieses Faktum ignoriert, heißt es noch lange nicht, dass es nicht existiert.

Zunehmend fragmentierende Medienmärkte bestehen aus mehr als Fernseh- und Radiostationen und einer Tageszeitung. Einfach in Google „Du bist Deutschland“ eingeben und den ersten Treffer genießen – kreativer Output von der Basis als Feedback für den Agenturboss. Broadcasting war gestern – heute ist Participation!

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