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Der Geruch von alten Möbeln liegt in der Luft, knarrende Parkettböden und endlose Gänge. Ich bin wieder einmal im Stift Seitenstetten. Wieder einmal um an meiner Diplomarbeit weiter zu schreiben... Aber auch, weil ich schon lange nicht mehr in Seitenstetten war und das Gefühl hatte, dass es gut sei wieder mal hierher zu kommen.

Eigentlich liegt Seitenstetten im Niemandsland von Niederösterreich. Es gibt keinen Grund hierher zu kommen. Das Stift Seitenstetten ist ein Benediktinerstift mit einem Stiftsgymnasium. War vor einigen Monat in den negativen Schlagzeilen wegen einem aufgedeckten Missbrauchsskandal. Außerdem, angeblich der Rückzugsort einiger konservativer Spitzenpolitiker Österreichs. Für Exerzitien. Klingt nicht sehr einladend.

Trotzdem gibt es zur Zeit wenige Plätze in Österreich an die ich so gerne zurückkomme wie nach Seitenstetten. Ich wurde jedes Mal mit einer unglaublich entwaffnenden Offenheit und natürlichen Freundlichkeit empfangen. Die Stiftsküche ist ein weiteres schlagendes Argument. Die Köchinnen feiern die Ankunft von Neuankömmlingen mit einem wahren kulinarischen Feuerwerk. Nicht umsonst sind die Pater des Stifts beleibte gemütliche Gesellen. Frühstück um 8:00, Mittagessen um 12:00 mit Suppe, Hauptspeise und Nachspeise und das Abendessen um 18:00. Herrliche ungewohnte Kontinuität in einem sonst so durcheinander wirkenden Leben.

Daneben wirken einfach die Jahrhunderte. Ein Gebäude wie dieses strahlt unheimlich viel aus und die endlos langen Gänge, die alten Möbel, die dicken Mauern, das alles erzählt ohne Worte ganze Geschichten. Es gibt auch eine biologische Sammlung, eine mineralogische Sammlung und eine Stiftsbibliothek mit Tausenden in weißes Schweineleder gebundenen uralten Büchern. Alten Bibeln aus dem 12 Jahrhundert. Wenn man so was in der Hand hält bleibt einem einfach der Mund offen, egal wie man dazu steht. Da ist soviel Wissen seit Jahrhunderten gesammelt. Wie lächerlich wirken da unsere modernen Datenträger die kein Jahrzehnt überdauern.
Und plötzlich wird man unweigerlich von einer unglaublichen inneren Ruhe ergriffen. Die Hektik und die innere Unzufriedenheit der Großstadt verschwinden und man fühlt sich einfach wohl. Das eigenartige ist, dass ich bei nunmehr 4 Besuchen innerhalb eines Jahres noch kein einziges Mal in der Kirche war. Im vorbeigehen, am Weg zum Essen, hörte ich immer die Choräle der Pater. Auch das Glockengeläut, direkt neben meinem Zimmer ist eigentlich angenehm.

So wie die Köchinnen, gehört auch Pater Petrus zum Stift. Der „Pater Gastmeister“ und unser „Betreuer“. Es ist immer wieder nett Ihn zu sehen und einige Worte zu wechseln. Ich bin getauft und glaube an etwas - mit der klassischen römisch katholischen Kirche hat es oft wenig zu tun. Aber das was ich in Seitenstetten immer wieder erlebe und genieße ist faszinierend. Ich weiß nicht was es ist, aber ich werde sicherlich immer gerne wiederkommen.