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Ging mir heute folgendes durch den Kopf.

Es ist wirklich nicht einfach zur Zeit. Wir sind alle nur mehr Konsumenten. Ziehen uns alles rein, permanent, ob beruflich oder privat. Solange das Konsumerlebnis passt, so lange konsumieren wir. Wenns nicht mehr passt, dann wechseln wir das Produkt. Und heute ist alles oder jeder ein Produkt.
Aber das ist nich umsonst so. Entstanden ist das ganze aus der gesellschaftlichen Entwicklung die Ihren Ursprung im wirtschaftlichen System findet. Und heute sind wir soweit, dass im westlichen, wirtschaftlichen System auch jeder Mensch ein sehr einfach austauschbarer Produktionsfaktor ist. Vordergruendig zumindest. Um das moeglich zu machen, gibts so heilsbringende Dinge wie "Knowledge Management" um zumindest glauben zu koennen, dass die Auswechslung ja kein Problem ist, das Wissen bleibt ja da... Aber nicht jammern! Es geht schliesslich um die Flexibilitaet. Das verlangt die Zeit.
Was dazu fuehrt, dass die Menschen in Ihrem Leben, das zu einem Grossteil aus Arbeit besteht mehr und mehr entwurzelt werden. Nichts ist von Bestand, Sicherheit ist Gestern - morgen ist Flexibilitaet. Diese Entwurzelung im Rahmen der Arbeitsprozesse fuehrt aber auch zu einer generellen Entwurzelung. Heute fuehlt sich niemand mehr irgendwo zugehoerig, verwurzelt, verbunden. Nur eben so lange wie es eben angenehm ist zu konsumieren.
Und diese Entwicklung geht auch auf den privaten Bereich ueber. Es wird auch privat nur konsumiert, Produkte eben. Und genauso wie jedes Jahr die Fruehjahrsmode aus Mailand kommt, kommen auch hier immer wieder neue Produkte die konsumiert werden wollen - nur sind es hier eben Menschen.
Irgendwie verlier ich auch immer den Faden - was ich sagen wollte, ist, dass auch die Haltung gegenueber dem Begriff/Zustand der Krise fatal ist. Kommt auch aus der Wirtschaft. Krise ist gleich Katastrophe und Krise ist schnell mal was. Schon ein Nullwachstum ist Krise, schon minus 0,5% des BIP ist Krise, schon sind wir alle unter der Armutsgrenze. Krisen sind der ultimative SuperGAU und damit beschaeftigen wir uns nicht mehr, sondern es wird gewechselt und dann wird wieder konsumiert. Es wird der Fussballtrainer, oder der Manager, oder die Mitarbeiter, oder der Mittelfeldspieler, oder der Partner, oder die Zahpastamarke, oder der Consultant, oder der Supermarkt, oder die Fruehstuecksflockenmarke gewechselt..... Irgendwas wird schon helfen und ausserdem haben wir dann nicht mehr den Eindruck eine Krise zu durchleben, denn das Konsumerlebnis steht im Vordergrund und ueberdeckt brav.

Lang geht das nicht mehr gut. So oder so. Wann kommt die Erkenntnis, wie wertvoll Krisen sind? Wie notwendig Krisen sind. Und wie sehr sich alle Krisen wiederholen werden mit denen man sich nicht beschaeftigt sondern sich nur umdreht und weiterkonsumiert....

btw. ich bin auch nur Konsument
eria meinte am 21. Apr, 14:03:
Au ja, darüber könnt ich stundenlang mit dir diskutieren... absolute Zustimmung. Wir sind alle ein Teil dieser Geselschaft und könnten was ändern, tun es aber nicht... so wird über kurz oder lang, nicht nur eine Krise sondern sehr wahrscheinlich wieder irgendein Jahrhundertereignis, uns zu unseren Wurzel und Werten der Menschlichkeit, manövrieren. 
miss.understood meinte am 21. Apr, 14:08:
stimmt schon,
es geht sehr viel um konsum heute. aber da muss man eben zu unterscheiden lernen. wann ist mir etwas wirklich wichtig und wann konsumiere ich bloss. das gilt auch für beziehungen. wann geht es um den menschen als person und wann konsumiere ich bloss zuspruch, geborgenheit, das gefühl zu jemanden zu gehören und ganz einfach liebe. wann liebe ich jemand anderen in wahrheit bloss dafür, dass er oder sie mich liebt ?

und nochmal ja: womit du dich nicht beschäftigst, kommt wie ein boomerang zu dir zurück. auch krisen. einerseits blöd, weil man nicht darum herum kommt. andererseits auch gut. wenn einem akut absolut die kraft dafür fehlt, kann man es aufschieben. mit dem wissen halt, dass es wieder kommen wird und man sich irgendwann damit beschäftigen muss.

btw., wir sind alle nur konsumenten. der unterschied besteht darin, sich dem auch bewusst zu sein. 
empi meinte am 21. Apr, 16:22:
Die beste aller Welten?
heisst ein Buch von Gerhard Schulze, das sich unter anderem auch mit diesem Thema beschäftigt. Muss alles immer weiter gesteigert werden, kann alles überhaupt immer weiter gesteigert werden?
Oder gibt es einen Ausweg?
Bin selber grad erst mittendrin, aber ich denk ich ganz jetz schon empfehlen.

Interessant finde ich, dass dieser Eintrag in Deinem Webolg steht. Der Parade-Junguntenehmer als Zweifler an einem kapitalistischem System. Find ich gut. 
smarts meinte am 21. Apr, 17:55:
klingt ein bisserl nach quarter-life-crisis.... aber warum sollte die auch gerade dich aussparen!? *g*

könnten das ja bei dem einen oder anderen mojíto weiterspinnen, da denkt sichs dann auch gleich viel flüssiger ;-)

das konsumthema gibt ganz schön viel her, wenn ich da mal 60 sekunden drüber nachden.... leider keine zeit zum philosophieren - jetzt nicht.... 
Sierra antwortete am 22. Apr, 09:52:
hm. nein quarter life nicht wirklich. wie gesagt, einfach nur so...cu monday 
martinroell meinte am 24. Apr, 11:26:
Sobald
ich meine Ausgabe ausgelesen habe, steck ich Dir das hier in die Post. Wird Dir gefallen.