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Gestern gab es die erste direkte TV Konfrontation zur bevorstehenden Wahl zwischen Alexander van der Bellen (Grüne) und Karl Heinz Grasser (ÖVP), das derStandard interessanterweise sehr ausgeglichen beurteilt.

Ganz ehrlich mir hats beim zuschauen weh getan - Wie Alexander van der Bellen teilweise hilflos wie ein alter Mann völlig tatenlos und widerspruchslos zusah und zuhörte, wie Grasser eine Selbstlobsalve nach der anderen abfeuerte. Auch Ingrid Thurnher als Moderatorin war heillos überfordert und konnte für keine faire Diskussion sorgen. Auf den Punkt brachte es eine Situation wo Grasser sprach und van der Bellen im Bild war - er lehnte sich vor und suchte mit seinen Ellenbogen sichtlich halt am Tisch (ihm war wohl ob des Verlaufs schon schwindlig) und rutschte ab. Man wollte Ihn beinah stützen...

Wenn er denn mal zu Wort kam, dann kam er aus seinem professoralen Jargon auch nicht heraus. Ein Beispiel: Österreich hat kein progressives Steuersystem, blablabla...

Für den Durschnittszuschauer:
* Was zum Henker ist ein progressives Steurersystem?
* Ist das gut oder schlecht?
* Was wollen die Grünen?
* Warum wollen die das?
* Und warum betrifft mi des überhaupt??

Keine! dieser Fragen wurde beantwortet. Inzwischen zeigte Grasser STERN Cover und plaudert von Weltmeistern, guter Laune und hervorragenden Zahlen, die van der Bellen nicht mal attackieren konnte.

Wenn mir Grasser mit der Steigerung der Uni-Budgets seit 99 kommt muß ich wie aus der Pistole geschoßen das durch den BIP Anteil relativieren und dadurch absolute Zahlen entkräften.

Van der Bellen war schlecht vorbereitet, ist medial einfach schwach und anscheinend auch beratungsresistent. Das tut echt weh - die einbetonierten rund 10% Grün-wähler wird er (hoffentlich) dadurch nicht vertreiben können, aber gewinnen wir er dadurch kaum wen...

Der kabarettistische Höhepunkt war folgender Dialog (es ging um mehrsprachigkeit an Österreichs Schulen und van der Bellen bezog sich auf die Muttersprachen der Migrantenkinder):

vdB: Es wäre doch großartig, wenn wir dieses Potential mitnehmen könnten und diese Kinder gleich dreisprachig aufwachsen könnten!
Grasser: Ja, also ich seh ja in meiner eigenen Familie - die Kinder meiner Frau wachsen mit italienisch, englisch und deutsch auf....
vdb: Sie wollen aber nicht ernsthaft sagen, Ihre Frau sei repräsentativ für die österreichische Durchschnittsfrau?
Grasser: Ja, aber das würde ich mir für alle wünschen!
...

Herrliche Situationskomik vom feinsten!

Auch der Wahlkampf ist ehrlich gesagt traurig! Die Plakate? Ich hab wirklich auf was frisches, junges und ansprechendes gehofft - Was sieht man stattdessen? Sujet die entweder die Anmutung vom Tourismusverein Maria Taferl ((c) derStandard) haben oder die mieselsüchtigsten Gesichter die ich je gesehen habe - da wird man ja depressiv wenn man die anschaut. Von griffigen inhaltlichen Slogans gar nicht zu sprechen - die gibts gar nicht... Und wo ist der groß angekündigte Wahlkampf der Grünen im Internet? Ich bemerke bis auf Ausnahmen kaum was...

Das ist alles echt schade und einfach traurig. Hoffen wir ich irre mich und das Ergebnis der Grünen wird weitaus besser als ich es erwarte.

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