Ein Freund der vor einiger Zeit seine bürgerliche Existenz inklusive Firma hinter sich ließ und als Entwicklungshelfer nach Mosambique ging berichtet aus seinem Alltag. Er offenbart dabei unglaubliches kabarettistisches Talent und das kann man niemandem vorenthalten:
naja, ich könnt mich ja jetzt in elendslange ausführungen zum thema zeit verlieren. will ich aber weder dir noch mir antun. was solls, ich war ein bissi faul und irgendwie war auch eine menge los hier.
also zunächst war ja diese fussball-europameisterschaft. man kann sich jetzt natürlich fragen, was kratzt das den mosambikaner, aber man glaubt es kaum, dieser applaudiert fleissig seinem ehemaligen kolonialisten. und er applaudiet ihm nicht nur, er feuert ihn auch entsprechend an und ist ganz aus dem häuschen wenn gewonnen wird. so hab ich mir ein paar spielchen in mosambikanischer gesellschaft gegeben und weiss jetzt auch was einwurf, abseits und tor auf portugiesisch heisst. trotzdem, im chimoio sports club wurden die spiele mit beamer gezeigt und bei 200-300 menschen im raum war die stimmung am brodeln. gegen die oranjes tat mir einzig mein holländischer kollege leid, der als einziger im saal aber auch immer zum falschen zeitpunkt seine emotionen in form lautstarken geschreis zeigte. ob des sieges war der mosambikaner aber grosszügig und lies ihn trotz des schweren faux pas mit einem müden lächeln von dannen ziehen (nach diesem herben verlust lebt er auch heute noch stillschweigend in dem glauben, dass alle welt sich gegen holland verschworen und die schiedsrichter bestochen wurden!).
danach war ich wieder einmal auf projektbesuch. diesmal ging es nach sussundenga, wo magariro ein kleines büro betreibt und im gesamten district community development und food security programme unterhält. am ersten tag gings gleich in ein dorf namens jamo mit 101 familien (die genaue einwohnerzahl weiss keiner so genau, es werden nur familien gezählt). unsere mitarbeiterin unterstützt dort die “dorfentwicklung” und wir diskutierten an diesem tag einige alternativen zur budgetverwendung. wir trafen uns im “gemeinderatssaal” sprich unter einem baum, wo einige baumstämme als sessel dienten und vertrieben zunächst die bösen geister und baten die guten doch unser kleines zusammentreffen positiv zu unterstützen. das ganze taten wir gesangs- und tanzmässig mit viel klatschen. als alle der meinung waren, wir hätten genug getan für eine gute sitzung, konnte diese auch eröffnet werden. die anwesenden fünf damen und fünf herren (tja, da kann sich gendermässig jeder gemeinderat in österreich aber ein dickes scheiberl abschneiden) wurden vom gewählten (!) bürgermeister persönlich begrüsst und uns vorgestellt! das problem oder wenn man so will, die herausforderung war die frage, wie die 10.000 Mts (ca. 0,40 Euro) des diesjährigen budgets denn ausgegeben werden sollten. nach drei stunden hatten wir eine todo-liste, denn um eine solche entscheidung zu treffen müssen definitiv mehr informationen eingeholt werden. mit dem budget will sorgfältig umgegangen werden...
am nächsten tag durfte ich dann erstmals die höhen und tiefen des trainerdaseins in mosambik erklimmen. wir fuhren nach chakinaka, wo magariro den bau einer lagerhalle unterstützte. jetzt geht es darum, dass die gewählte lokale führungsmannschaft auch fähig ist, die gelder entsprechend zu verwalten – sprich, eine ein- und ausgabenrechnung zu machen und das bankkonto entsprechend zu verwalten! vorausgeschickt sei, dass es nicht an der schlechten atmosphäre des seminarraums, am eingeschränkten pausenbuffet oder an den fehlende medien der trainingsgestaltung gelegen hat, dass wir mit unserem training gescheitert sind. zunächst musste ich feststellen, dass es einheimische gibt, die noch schlechter portugiesisch sprechen als ich und etwas später, dass viele menschen deshalb die formulare nicht ausfüllen, weil sie zwar auf wichtig einen schreiber in der hand halten, aber keine ahnung ham, was damit zu machen sei, ausser sich die ohren zu reinigen!
gut, von anfang an: also, als seminarraum diente uns die von magariro erbaute lagerhalle, ein paar ziegelsteine dienten als sessel, auf schreibtische mussten wir leider verzichten. dafür hatten wir ein riesenflipchart zur verfügung, weil so eine lagerhallenwand is ned klein. schreibtechnisch wars a bissal ungut, weil der verputz recht rau war. pausenbuffet? ah, doch, nach drei stunden zuzelten (pfff, schreibt ma des so) wir an einem zuckerrohr. des is lustig, schmeck wie ein fanta ohne orangengeschmack und der viele zucker fährt so derartig ins blut, dasd umherspringst wie nach vier kaffee. es is nur ein bissi gewöhnungsbedürftig, an einem stück holz zu kauen...
zurück zum training! mit unseren behelfsmässigen mitteln haben wir also versucht zu erklären was einzahlungen und auszahlungen sind und warum wir das wie auf diesem formular festhalten. nachdem wirs vorgezeigt ham, baten wir einen teilnehmer ans “flipchart” um das nächste monat zu machen. da eine solche lagerhalle am ende der welt nicht zu viele bewegungen verzeichnet, gab es in diesem monat eine einzige auszahlung zu verbuchen, das formular mit einem kontenstrich abzuschliesen und trara fertig. sollte also rutzfutz gehen, wie sich aber herausstellte brauchten wir dann doch eine gute stunde. allein das “abmalen” des kontenstriches dauerte nahezu eine viertelstunde. da viele von den teilnehmern nicht wirklich schreiben und lesen konnten, waren die meisten von ihnen verunsichert und haben erst nach mehrmaligem abstimmen mit der gruppe ein wort aufs flipchart “gemalt”. und ich? ich konnte wieder einmal beweisen wieviel ruhe und gelassenheit in mir “ruht”! es war auf jedenfall ein spannendes experiment und eine nicht unerhebliche erfahrung, was training im mosambikanischen kontext heisst. wir denken jetzt über neue, spielerische formen eines solchen trainings nach und ich bin schon sehr gespannt, wie das dann funktioniert!
nebenbei hab ich gelernt, dass der mosambikaner vom marmeladebrot früh morgens ned viel hält und ich durfte die erfahrung machen, dass so ein knackiger salat und ein gegrillter fisch auch frühmorgens um sechs schon munden kann!
die übrige atmosphäre in solchen dörfern ist schwer zu beschreiben, aber es trifft ungefähr das, was wir europäer von afrika kennen. staubige strassen, ob der jahreszeit ein ausgedörrter busch, menschen die barfuss durch die gegend laufen, irgendwo ein kleiner markt an dem früchte und gemüse dargeboten werden, von denen man die meisten nicht kennt und nachts viele feuer auf denen gekockt wird oder sich einfach leute treffen um den neuesten klatsch auszutauschen.
den grössten lacher erntete ich, als ich erklärte, dass ich in meinem ganzen leben noch nie ein huhn geschlachtet habe. die frage, die sich für alle anwesenden natürlich gleich aufdrängte, war, ob ich denn noch nie huhn gegessen habe? doch, hab ich, aber bei uns kann man die dinger auch gleich tot und fein abgepackt kaufen (kann man hier auch, aber nur in den städten). zuerst bestand abneigung gegen diese art der lebensmittelversorgung, weil wer gewährleistet denn, dass das huhn auch frisch ist. mir is allerdings die selber-schlacht-variante ein bissi zu frisch. trotzdem, ich wurde herzlich eingeladen, beim nächsten mal selber hand an zu legen, was ich auch dankend annahm. bin schon sehr gespannt... und es wird dann auch ein paar fotos davon geben ;-)
gut, denke das wars mal wieder! schick die obligatorischen lieben grüsse und verbleibe bis zum nächsten mal...
naja, ich könnt mich ja jetzt in elendslange ausführungen zum thema zeit verlieren. will ich aber weder dir noch mir antun. was solls, ich war ein bissi faul und irgendwie war auch eine menge los hier.
also zunächst war ja diese fussball-europameisterschaft. man kann sich jetzt natürlich fragen, was kratzt das den mosambikaner, aber man glaubt es kaum, dieser applaudiert fleissig seinem ehemaligen kolonialisten. und er applaudiet ihm nicht nur, er feuert ihn auch entsprechend an und ist ganz aus dem häuschen wenn gewonnen wird. so hab ich mir ein paar spielchen in mosambikanischer gesellschaft gegeben und weiss jetzt auch was einwurf, abseits und tor auf portugiesisch heisst. trotzdem, im chimoio sports club wurden die spiele mit beamer gezeigt und bei 200-300 menschen im raum war die stimmung am brodeln. gegen die oranjes tat mir einzig mein holländischer kollege leid, der als einziger im saal aber auch immer zum falschen zeitpunkt seine emotionen in form lautstarken geschreis zeigte. ob des sieges war der mosambikaner aber grosszügig und lies ihn trotz des schweren faux pas mit einem müden lächeln von dannen ziehen (nach diesem herben verlust lebt er auch heute noch stillschweigend in dem glauben, dass alle welt sich gegen holland verschworen und die schiedsrichter bestochen wurden!).
danach war ich wieder einmal auf projektbesuch. diesmal ging es nach sussundenga, wo magariro ein kleines büro betreibt und im gesamten district community development und food security programme unterhält. am ersten tag gings gleich in ein dorf namens jamo mit 101 familien (die genaue einwohnerzahl weiss keiner so genau, es werden nur familien gezählt). unsere mitarbeiterin unterstützt dort die “dorfentwicklung” und wir diskutierten an diesem tag einige alternativen zur budgetverwendung. wir trafen uns im “gemeinderatssaal” sprich unter einem baum, wo einige baumstämme als sessel dienten und vertrieben zunächst die bösen geister und baten die guten doch unser kleines zusammentreffen positiv zu unterstützen. das ganze taten wir gesangs- und tanzmässig mit viel klatschen. als alle der meinung waren, wir hätten genug getan für eine gute sitzung, konnte diese auch eröffnet werden. die anwesenden fünf damen und fünf herren (tja, da kann sich gendermässig jeder gemeinderat in österreich aber ein dickes scheiberl abschneiden) wurden vom gewählten (!) bürgermeister persönlich begrüsst und uns vorgestellt! das problem oder wenn man so will, die herausforderung war die frage, wie die 10.000 Mts (ca. 0,40 Euro) des diesjährigen budgets denn ausgegeben werden sollten. nach drei stunden hatten wir eine todo-liste, denn um eine solche entscheidung zu treffen müssen definitiv mehr informationen eingeholt werden. mit dem budget will sorgfältig umgegangen werden...
am nächsten tag durfte ich dann erstmals die höhen und tiefen des trainerdaseins in mosambik erklimmen. wir fuhren nach chakinaka, wo magariro den bau einer lagerhalle unterstützte. jetzt geht es darum, dass die gewählte lokale führungsmannschaft auch fähig ist, die gelder entsprechend zu verwalten – sprich, eine ein- und ausgabenrechnung zu machen und das bankkonto entsprechend zu verwalten! vorausgeschickt sei, dass es nicht an der schlechten atmosphäre des seminarraums, am eingeschränkten pausenbuffet oder an den fehlende medien der trainingsgestaltung gelegen hat, dass wir mit unserem training gescheitert sind. zunächst musste ich feststellen, dass es einheimische gibt, die noch schlechter portugiesisch sprechen als ich und etwas später, dass viele menschen deshalb die formulare nicht ausfüllen, weil sie zwar auf wichtig einen schreiber in der hand halten, aber keine ahnung ham, was damit zu machen sei, ausser sich die ohren zu reinigen!
gut, von anfang an: also, als seminarraum diente uns die von magariro erbaute lagerhalle, ein paar ziegelsteine dienten als sessel, auf schreibtische mussten wir leider verzichten. dafür hatten wir ein riesenflipchart zur verfügung, weil so eine lagerhallenwand is ned klein. schreibtechnisch wars a bissal ungut, weil der verputz recht rau war. pausenbuffet? ah, doch, nach drei stunden zuzelten (pfff, schreibt ma des so) wir an einem zuckerrohr. des is lustig, schmeck wie ein fanta ohne orangengeschmack und der viele zucker fährt so derartig ins blut, dasd umherspringst wie nach vier kaffee. es is nur ein bissi gewöhnungsbedürftig, an einem stück holz zu kauen...
zurück zum training! mit unseren behelfsmässigen mitteln haben wir also versucht zu erklären was einzahlungen und auszahlungen sind und warum wir das wie auf diesem formular festhalten. nachdem wirs vorgezeigt ham, baten wir einen teilnehmer ans “flipchart” um das nächste monat zu machen. da eine solche lagerhalle am ende der welt nicht zu viele bewegungen verzeichnet, gab es in diesem monat eine einzige auszahlung zu verbuchen, das formular mit einem kontenstrich abzuschliesen und trara fertig. sollte also rutzfutz gehen, wie sich aber herausstellte brauchten wir dann doch eine gute stunde. allein das “abmalen” des kontenstriches dauerte nahezu eine viertelstunde. da viele von den teilnehmern nicht wirklich schreiben und lesen konnten, waren die meisten von ihnen verunsichert und haben erst nach mehrmaligem abstimmen mit der gruppe ein wort aufs flipchart “gemalt”. und ich? ich konnte wieder einmal beweisen wieviel ruhe und gelassenheit in mir “ruht”! es war auf jedenfall ein spannendes experiment und eine nicht unerhebliche erfahrung, was training im mosambikanischen kontext heisst. wir denken jetzt über neue, spielerische formen eines solchen trainings nach und ich bin schon sehr gespannt, wie das dann funktioniert!
nebenbei hab ich gelernt, dass der mosambikaner vom marmeladebrot früh morgens ned viel hält und ich durfte die erfahrung machen, dass so ein knackiger salat und ein gegrillter fisch auch frühmorgens um sechs schon munden kann!
die übrige atmosphäre in solchen dörfern ist schwer zu beschreiben, aber es trifft ungefähr das, was wir europäer von afrika kennen. staubige strassen, ob der jahreszeit ein ausgedörrter busch, menschen die barfuss durch die gegend laufen, irgendwo ein kleiner markt an dem früchte und gemüse dargeboten werden, von denen man die meisten nicht kennt und nachts viele feuer auf denen gekockt wird oder sich einfach leute treffen um den neuesten klatsch auszutauschen.
den grössten lacher erntete ich, als ich erklärte, dass ich in meinem ganzen leben noch nie ein huhn geschlachtet habe. die frage, die sich für alle anwesenden natürlich gleich aufdrängte, war, ob ich denn noch nie huhn gegessen habe? doch, hab ich, aber bei uns kann man die dinger auch gleich tot und fein abgepackt kaufen (kann man hier auch, aber nur in den städten). zuerst bestand abneigung gegen diese art der lebensmittelversorgung, weil wer gewährleistet denn, dass das huhn auch frisch ist. mir is allerdings die selber-schlacht-variante ein bissi zu frisch. trotzdem, ich wurde herzlich eingeladen, beim nächsten mal selber hand an zu legen, was ich auch dankend annahm. bin schon sehr gespannt... und es wird dann auch ein paar fotos davon geben ;-)
gut, denke das wars mal wieder! schick die obligatorischen lieben grüsse und verbleibe bis zum nächsten mal...
knutschflower meinte am 6. Aug, 13:25:
Hab
mich köstlich amüsiert. Danke!
muesli meinte am 9. Aug, 15:13:
kann bestätigen, dass es in burkina faso haarscharf genauso abläuft. einziger unterschied: statt portugisisch spricht man französisch (oder eben oft nicht). bin gespannt auf weitere stories!
