Helge fragt wegen meines Ärgers über den dämlichen Beitrag von Bernd M Michael auf der next07 warum da so viele überhaupt hinpilgern?
Nun ja, weil eben nicht alles Schrott ist. Weil viele interessante Leute und gute alte Bekannte, sogar Freunde dort sind. Insofern der Versuch eines persönlichen Rückblicks und was bei mir hängen blieb...
Eröffnet hat Norbert Bolz - ein von mir bewunderter Handampf in allen Gassen. Ich glaub den kann man um 03:00 in der Früh aufwecken und anschreien "und was is nu mit der Zukunft des Maisanbaus" und er kann innerhalb von 5min einen perfekten Expertenvortrag dazu zu halten (zumindest einen Glauben machen er würde ;-). Norbert Bloz hat in seiner Keynote wenig neues erzählt, aber interessant seine Eindrücke einer Welt die er beobachtet reflektiert. Er ist ausserdem ein Meister darin, komplexe Sachverhalte radikal zu vereinfachen und in handlichen Formeln zu verpacken ohne dabei banal zu werden. Das ringt mir Respekt ab.
Interessant fand ich seine folgerichtigen Gedanken, dass traditionelle Massenmedien Interaktion aus technischen (bzw. quasi mathematischen) Gründen per se ausschließen und das ist ein Teil des radikalen Wandels. Die Tatsache, dass wir historisch (über Jahrhunderte) gesehen sehr viel Wert auf Objektivierung bzw. Expertenwissen gelegt haben und wir heute eine Renaissance des Laienwissens sehen - aber des kumulierten, bzw. selbstorganisierten Laienwissen. Zu kurz gegriffen fand ich seinen Schluß "überall wo Geld fließt haben wir es mit Realität zu tun" - deshalb sei 2nd Life eine Konkurrenzrealität. Ich wußte bis dato auch nicht, dass das MIT alle seine Kurse auch in 2nd Life abhält (konnte als 2ndLife Nichtuser auch keine Belege dazu finden).
In diesem Zusammenhang kam mir auch zu Ohren, dass auch der am DI stattfindende Trendtag seinen Trendtag auch in 2nd Life abhalten wird. Auf die Erfahrungen damit wäre ich gespannt!
Überhaupt nicht stimme ich mit Norber Bolz ein, wenn er über Blogs spricht. Er meinte v.a. die extrem erfolgreichen Blogs entwickelten sich wieder in Richtung Massenmedien (=keine Interaktivität). Ja mag sein. Nur was ist ein extrem erfolgreiches Blog? Norbert Bolz (sagte nicht, aber) meinte, ein extrem erfolgreiches Blog ist ein Blog das von möglichst vielen gelesen wird. Das ist diese verdammte gestrige Reichweitendenke - Reichweite ist nicht der alleingültige Maßstab. Reichweite ist der Killer von Relevanz! Ein Blog ist dann erfolgreich, wenn es die richtigen Leute erreicht. Warum müssen Massenmedien so reichweitenstark sein? Damit sich der ganze Zinnober bei dem megalomanischen Streuverlust auch noch rechnet. Ich schieße alles tot, damit ich die 3 relevanten Spatzen treffe, so agieren Massenmedien. Und in dem Denken sind auch unsere Medientheoretiker nach wie vor verhaftet...
Norbert Bolz sprach auch über Mediendarwinismus im Age of Reputation & Recommendation. (geile Wortschöpfungen ;-) Und er hat Recht, das trifft im TV zu. Da haben die (so nannte er sie) 15jährigen Mädels aus Bottrop die Chance Ihres Lebens und dürfen 3min vor Dieter Bohlen den Affen machen und der entscheidet dann ob sie ein Star werden oder Ihr Leben lang Looser bleiben. Ja, dieses Phänomen moderner Gladiatoren und Brot&Spiele trifft im TV zu, aber nicht in YouTube & MySpace. Diejenigen die aus diesen Plattformen als Stars hervorgingen, waren selten/nie geplant. Die machten Ihr Ding, weil Sie es machen mußten, weils Ihr Ding war, egal ob Star oder Loser - es war Ihre Berufung. DSDS im Vergleich ist komplett künstlich und konstruiert. Nur weil mein YouTube Video keine Sau ansieht bin ich kein Looser... So unterscheiden sich die neuen Medien und klassische Massenmedien. Warum? Weil es den neuen Medien (=YouTube, MySpace) egal ist ob sie 1.000.000 User haben die Loser sind. Jeder dieser Loser wird von seinen 15 Freunden gelesen und das reicht - die denken in kumulierter Reichweite, d.h. die sogenannten "1.000.000 Loser" refinanzieren sich, sie sind also Winner,für sich persönlich und den Enabler! DSDS braucht den 1 verdammten Star sonst sind die Seher weg, ist die Quote weg, ist die Reichweite weg, sind die Werbekunden weg, ist das Scheiß-Format weg, etc...
Nun ja, weil eben nicht alles Schrott ist. Weil viele interessante Leute und gute alte Bekannte, sogar Freunde dort sind. Insofern der Versuch eines persönlichen Rückblicks und was bei mir hängen blieb...
Eröffnet hat Norbert Bolz - ein von mir bewunderter Handampf in allen Gassen. Ich glaub den kann man um 03:00 in der Früh aufwecken und anschreien "und was is nu mit der Zukunft des Maisanbaus" und er kann innerhalb von 5min einen perfekten Expertenvortrag dazu zu halten (zumindest einen Glauben machen er würde ;-). Norbert Bloz hat in seiner Keynote wenig neues erzählt, aber interessant seine Eindrücke einer Welt die er beobachtet reflektiert. Er ist ausserdem ein Meister darin, komplexe Sachverhalte radikal zu vereinfachen und in handlichen Formeln zu verpacken ohne dabei banal zu werden. Das ringt mir Respekt ab.
Interessant fand ich seine folgerichtigen Gedanken, dass traditionelle Massenmedien Interaktion aus technischen (bzw. quasi mathematischen) Gründen per se ausschließen und das ist ein Teil des radikalen Wandels. Die Tatsache, dass wir historisch (über Jahrhunderte) gesehen sehr viel Wert auf Objektivierung bzw. Expertenwissen gelegt haben und wir heute eine Renaissance des Laienwissens sehen - aber des kumulierten, bzw. selbstorganisierten Laienwissen. Zu kurz gegriffen fand ich seinen Schluß "überall wo Geld fließt haben wir es mit Realität zu tun" - deshalb sei 2nd Life eine Konkurrenzrealität. Ich wußte bis dato auch nicht, dass das MIT alle seine Kurse auch in 2nd Life abhält (konnte als 2ndLife Nichtuser auch keine Belege dazu finden).
In diesem Zusammenhang kam mir auch zu Ohren, dass auch der am DI stattfindende Trendtag seinen Trendtag auch in 2nd Life abhalten wird. Auf die Erfahrungen damit wäre ich gespannt!
Überhaupt nicht stimme ich mit Norber Bolz ein, wenn er über Blogs spricht. Er meinte v.a. die extrem erfolgreichen Blogs entwickelten sich wieder in Richtung Massenmedien (=keine Interaktivität). Ja mag sein. Nur was ist ein extrem erfolgreiches Blog? Norbert Bolz (sagte nicht, aber) meinte, ein extrem erfolgreiches Blog ist ein Blog das von möglichst vielen gelesen wird. Das ist diese verdammte gestrige Reichweitendenke - Reichweite ist nicht der alleingültige Maßstab. Reichweite ist der Killer von Relevanz! Ein Blog ist dann erfolgreich, wenn es die richtigen Leute erreicht. Warum müssen Massenmedien so reichweitenstark sein? Damit sich der ganze Zinnober bei dem megalomanischen Streuverlust auch noch rechnet. Ich schieße alles tot, damit ich die 3 relevanten Spatzen treffe, so agieren Massenmedien. Und in dem Denken sind auch unsere Medientheoretiker nach wie vor verhaftet...
Norbert Bolz sprach auch über Mediendarwinismus im Age of Reputation & Recommendation. (geile Wortschöpfungen ;-) Und er hat Recht, das trifft im TV zu. Da haben die (so nannte er sie) 15jährigen Mädels aus Bottrop die Chance Ihres Lebens und dürfen 3min vor Dieter Bohlen den Affen machen und der entscheidet dann ob sie ein Star werden oder Ihr Leben lang Looser bleiben. Ja, dieses Phänomen moderner Gladiatoren und Brot&Spiele trifft im TV zu, aber nicht in YouTube & MySpace. Diejenigen die aus diesen Plattformen als Stars hervorgingen, waren selten/nie geplant. Die machten Ihr Ding, weil Sie es machen mußten, weils Ihr Ding war, egal ob Star oder Loser - es war Ihre Berufung. DSDS im Vergleich ist komplett künstlich und konstruiert. Nur weil mein YouTube Video keine Sau ansieht bin ich kein Looser... So unterscheiden sich die neuen Medien und klassische Massenmedien. Warum? Weil es den neuen Medien (=YouTube, MySpace) egal ist ob sie 1.000.000 User haben die Loser sind. Jeder dieser Loser wird von seinen 15 Freunden gelesen und das reicht - die denken in kumulierter Reichweite, d.h. die sogenannten "1.000.000 Loser" refinanzieren sich, sie sind also Winner,für sich persönlich und den Enabler! DSDS braucht den 1 verdammten Star sonst sind die Seher weg, ist die Quote weg, ist die Reichweite weg, sind die Werbekunden weg, ist das Scheiß-Format weg, etc...
muesli meinte am 4. Mai, 13:33:
Ein Wort: Longtail.
Sierra antwortete am 4. Mai, 13:45:
ja ;-) das war ja der eiertanz. den hat er auch verwendet nur trotzdem falsche schlüsse...
muesli antwortete am 4. Mai, 13:53:
na ich warte ja noch auf den next07-bericht von dir, der meine vorurteile gegenüber der veranstaltung NICHT bestätigt ;-)
muesli antwortete am 4. Mai, 14:19:
ps. oliver hat in der TP ein interessantes fazit gezogen.
Pirchner meinte am 4. Mai, 14:56:
Guter Ansatz
>sonst sind die Seher weg, ist die Quote weg, ist die Reichweite weg, sind die Werbekunden weg, ist das Scheiß-Format weg, etc...Das wäre ja schon einmal ein Anfang, die globale Lebensqualität wenigstens ein bisschen zu steigern :-))
smarts meinte am 7. Mai, 23:16:
"reichweite ist der killer von relevanz" - find ich schon ziemlich extrem formuliert. reichweite hat ein medium doch nur durch relevanz. dass dann viele inhalte nicht für jeden relevanz haben ist wieder ein anderes thema (eine kosten/nutzen frage für user und producer), aber man kann (und wir tun das schliesslich auch alle) medieninhalte auch sehr selektiv nutzen, wer liest schon die zeitung von a-z. ich würde auch den streuverlust nicht überbewerten und schon garnicht in einen einstelligen prozentbereich verdammen, werbetreibende und autoren wissen ja auch, dass sie nicht jeden konsumenten des von ihnen genutzten mediums erreichen, aber trotzdem (auch) ihre relevante zielgruppe. da kann streuverlust sogar insofern positiv sein, als eben nicht nur die gewünschte relevante zielgruppe erreicht wird, sondern auch andere, per se nicht als relevant angesehene user erreicht werden. blogs bieten viel differenziertere möglichkeiten eine user-producer interaktionsplattform mit "relevanz" zu schaffen, der streuverlust findet dann auf andere weise statt, nämlich auf den vielen seiten, die auf der suche nach/auf dem weg zu relevanter information angesurft werden....
