Im Kurier (leider nicht zu finden und daher nicht referenzierbar) vom SA las ich einen interessanten Artikel von Olt Friedrich Kovar, Menschenrechtsbeauftragter der Wiener Polizei. Es gab ja in der Vergangenheit eine Vielzahl von sehr traurigen Fällen und offensichtlichen Verstößen gegen Menschenrechte die in den Medien ausführlich behandelt wurden.
Besagtes Interview enthüllte eine neue Seite der Wiener Polizei - es scheint als sei man sich durchaus der aktuellen Problematik bewusst und an Lösungen interessiert. Herr Kovar ist in diesem Sinne wirklich ein Aushängeschild und es ist wichtig zu wissen, dass es jemanden gibt der sich so vehement für Verbesserungen einsetzt. Leider erfährt man nichts davon! Deshalb habe ich mich entschieden ihm einen Brief zu schicken:
An
Bundespolizeidirektion Wien
z.Hd.: Herr Oberstleutnant Friedrich Kovar
Generalinspektorat der Sicherheitswache
Schottenring 7-9
A-1010 Wien
Wien, 31.07.2007
S.g. Herr Oberstleutnant Kovar,
Mit großem Interesse habe ich im Kurier am 28.07.2007 von Ihrem Interview in Ihrer Rolle als Menschenrechts-Koordinator der Wiener Polizei gelesen.
Ich sehe mich als einen sehr interessierten Bürger der Zivilgesellschaft. Trotzdem ahnte oder wusste ich nichts von Ihren Bemühungen. Das ist außer-ordentlich schade, denn Ihre Aussagen machen Hoffnung.
Gerade im Lichte der Vorkommnisse der letzten Jahre die medial eine hohe Aufmerksamkeit erhalten haben ist es umso wichtiger auch aufzuzeigen, dass hier proaktiv gegengesteuert wird.
Als „Kind einer Generation die mit Computer und Internet aufgewachsen“ ist beziehe ich meine Informationen vornehmlich aus dem Internet. Hier ist leider die Polizei besonders schwach repräsentiert. Man informiert im Rahmen des notwendigen – Dialog oder transparente webbasierte Kommunikation nach außen sucht man leider vergeblich.
Ich erlaube mir daher Ihnen ein wenig Informationsmaterial rund um das Thema Weblogs zuzusenden. Ich sehe dieses Instrument verbunden mit Ihrer Funktion als eine große Chance nicht nur als „anonyme Institution“ wahrgenommen zu werden, sondern auf Augenhöhe mit der Gesellschaft in einen Austausch zu treten.
Ich würde mich sehr freuen, wenn dies für Sie von Interesse wäre und stehe für Fragen sehr gerne zur Verfügung!
mit freundlichen Grüssen,
Mag. Dieter Rappold
Geschäftsführung
ich bin gespannt ob es eine Reaktion gibt. Mal sehen.
Besagtes Interview enthüllte eine neue Seite der Wiener Polizei - es scheint als sei man sich durchaus der aktuellen Problematik bewusst und an Lösungen interessiert. Herr Kovar ist in diesem Sinne wirklich ein Aushängeschild und es ist wichtig zu wissen, dass es jemanden gibt der sich so vehement für Verbesserungen einsetzt. Leider erfährt man nichts davon! Deshalb habe ich mich entschieden ihm einen Brief zu schicken:
An
Bundespolizeidirektion Wien
z.Hd.: Herr Oberstleutnant Friedrich Kovar
Generalinspektorat der Sicherheitswache
Schottenring 7-9
A-1010 Wien
Wien, 31.07.2007
S.g. Herr Oberstleutnant Kovar,
Mit großem Interesse habe ich im Kurier am 28.07.2007 von Ihrem Interview in Ihrer Rolle als Menschenrechts-Koordinator der Wiener Polizei gelesen.
Ich sehe mich als einen sehr interessierten Bürger der Zivilgesellschaft. Trotzdem ahnte oder wusste ich nichts von Ihren Bemühungen. Das ist außer-ordentlich schade, denn Ihre Aussagen machen Hoffnung.
Gerade im Lichte der Vorkommnisse der letzten Jahre die medial eine hohe Aufmerksamkeit erhalten haben ist es umso wichtiger auch aufzuzeigen, dass hier proaktiv gegengesteuert wird.
Als „Kind einer Generation die mit Computer und Internet aufgewachsen“ ist beziehe ich meine Informationen vornehmlich aus dem Internet. Hier ist leider die Polizei besonders schwach repräsentiert. Man informiert im Rahmen des notwendigen – Dialog oder transparente webbasierte Kommunikation nach außen sucht man leider vergeblich.
Ich erlaube mir daher Ihnen ein wenig Informationsmaterial rund um das Thema Weblogs zuzusenden. Ich sehe dieses Instrument verbunden mit Ihrer Funktion als eine große Chance nicht nur als „anonyme Institution“ wahrgenommen zu werden, sondern auf Augenhöhe mit der Gesellschaft in einen Austausch zu treten.
Ich würde mich sehr freuen, wenn dies für Sie von Interesse wäre und stehe für Fragen sehr gerne zur Verfügung!
mit freundlichen Grüssen,
Mag. Dieter Rappold
Geschäftsführung
ich bin gespannt ob es eine Reaktion gibt. Mal sehen.
jupe (anonym) meinte am 31. Jul, 12:26:
... hm, wenn ich so einen Brief bekommen würde, dann würde ich ihn wohl zunächst verärgert weglegen - ist schon ein sehr offensichtlicher Kundenfang, irgendwie. Aber andererseits: wie soll man sonst "die Leute" (neue Kunden?) darauf aufmerksam machen, was es für tolle Möglichkeiten gibt, die Kommunikation nach außen/innen zu verbessern und hoffentlich mehr in Dialog zu treten? Ein Dilemma, ich weiß.Und was anderes: "proaktiv" gibts nicht, glaube/hoffe ich. Was soll das heißen, im Unterschied zu "aktiv"? Ist proaktiv aktiver als aktiv?
lg, Jupe
Sierra antwortete am 31. Jul, 12:33:
Danke für das Feedback - naja, zum einen möchte ich ja gar nicht verbergen, dass wir ein sehr geeigneter Dienstleister für dieses Thema wären. Zum anderen bin ich ja kein selbstloser kostenloser Informationsdienst ohne Gewinnerzielungsabsicht, ich muß ja meine MitarbeiterInnen bezahlen ;-)Aber die Gratwanderung ist in der Tat schwer - ich bin ein Freund von Offenheit und wer die nicht mag, den hol ich eh kaum ab...
und das mit dem proaktiv werde ich mir zu Herzen nehmen :-)
burger70 (anonym) meinte am 1. Aug, 10:07:
artikel
"Kurier" vom 28.07.2007 Seite: 11Ressort: Chronik
Laila Daneshmandi
Wi, Morgen
Menschenrechte: Ein Koordinator versucht das Verständnis zwischen Polizei und Menschenrechtsorganisationen zu fördern
Aus Fehlern lernen
In den vergangenen Jahren war die Wiener Polizei immer wieder mit Misshandlungsvorwürfen konfrontiert. Für besonders viel Aufsehen sorgte etwa die Misshandlung des Schubhäftlings Bakary J. durch Beamte der Sondereinheit WEGA im April vergangenen Jahres. Seit 1. März dieses Jahres ist Oberstleutnant Friedrich Kovar Menschenrechts-Koordinator bei der Wiener Polizei. Im Gespräch mit dem KURIER zieht er eine erste Bilanz über seine bisherige Arbeit.
KURIER:Sie sind seit fast einem halben Jahr als Menschenrechts-Beauftragter tätig. Was haben Sie bisher gemacht?
Friedrich Kovar: Menschenrechte beginnen im Wachzimmer und gehen bis in die Führungsebene. Ich habe mir den Kontakt mit NGOs angesehen und geschaut, wie Menschenrechte innerbetrieblich gehandhabt werden. Bei der Analyse dieser Prozesse habe ich einige Projekte entwickelt, die derzeit begutachtet werden.
Wo gibt es am meisten Handlungsbedarf?
Es besteht bei der Polizei ein gewisses Hemmnis, über Menschenrechte zu sprechen. Viele Mitarbeiter brauchen viel mehr Hintergrundwissen, um bei Diskussionen in der Öffentlichkeit auch Argumente für ihre Vorgehensweise zu haben.
Was ist Ihre zentrale Aufgabe dabei?
Ich habe eine gewisse Mediatorenfunktion. Ich muss die Sprache der Polizei übersetzen und ihre Vorgehensweise erklären. Umgekehrt muss ich auch die Sprache der NGOs für die Polizei übersetzen. Es gilt dabei viele Berührungsängste aufzubrechen. Die Polizei sollte jedenfalls dankbar sein, dass es Organisationen gibt, die uns auf mögliche Fehlerquellen hinweisen. Welches "Regulativ" hat die Polizei sonst?
Wo sind die kritischsten Bereiche?
Überall, wo die Polizeiarbeit mit Befehls- und Zwangsgewalt zu tun hat. Das geht von Festnahmen bis zur Abschiebung, kann aber auch schon bei einer Verkehrsanhaltung sein.
Was halten Sie von Polizisten mit Migrantenhintergrund?
Ich finde das im Sinne der Vielfalt ganz wichtig. Ein türkischstämmiger Polizist sollte deswegen aber nicht automatisch zu einem Raufhandel unter Türken geschickt werden. Das bringt nichts und ist sogar kontraproduktiv. Für ein gegenseitiges Verständnis sollte die Vielfalt gefördert werden.
Wie kommt es zu Situationen, wo Menschenrechte verletzt werden?
Eines kann und will ich nicht beschönigen: den Faktor Mensch. Keine Vorbereitung kann verhindern, dass Menschen in Situationen kommen, wo sie auszucken. Die Frage ist, wie gehen wir mit solchen Fehlern um. Das Stichwort dazu ist Fehlermanagement.
Aber geht es nicht darum, solche Fehler zu verhindern?
Ein solches Verhalten passiert ja nicht im stillen Kämmerlein. Wichtig ist dabei ein internes Regulativ. In einem Corps, wo man sich aufeinander verlassen muss, sollte ein Kollege im Notfall auch sagen können: "Stopp, das ist falsch!" Wenn es doch soweit kommt, wollen Beschwerdeführer oft nichts anderes, als dass die Polizei zugibt: "Das war nicht in Ordnung."
In etlichen Fällen fehlt ja noch immer eine Entschuldigung...
(seufzt) Ja. Das ist aber wieder eine Einstellungssache. Viele sehen im Entschuldigen einen Positions- und Machtverlust. Wir sollten lernen, dass Entschuldigen auch eine Stärkung der Position sein kann. Dann wird die Akzeptanz von der Bevölkerung auch eine ganz andere sein.
Gestehen Sie also zu, dass eine Entschuldigung weitestgehend fehlt?
Die Organisation sollte die Beziehung zu Beschwerdeführern wohl überdenken.
Wann erwarten Sie die ersten Früchte Ihrer Arbeit?
Früchte im kleinen Bereich gibt es ständig. Man darf aber nicht glauben, dass die Polizei sich innerhalb eines halben Jahres ändert. Ich brauche jedenfalls eine eigene Dienststelle mit Mitarbeitern. Auch ein besserer Kontakt mit den Führungsverantwortlichen ist noch nötig. Wegen der EM und des Papstbesuches ist die Organisation zurzeit sehr beschäftigt. In frühestens drei Jahren werden wir darüber reden können, ob sich institutionalisiert etwas verändert hat.
