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Heute titelt pressetext.de in einer Aussendung:

Europas Unternehmen pfeifen auf Web 2.0
Sicherheitsbedenken und Wissensdefizite verhindern Umsetzung


und beim Durchlesen wird es noch besser und es offenbart sich, dass 23% der Unternehmen schlicht und einfach nicht geeignet sind für alle Paradigmen des Web2.0, denn da heißt es:

Im Detail gaben 57 Prozent der 321 europaweit befragen Unternehmen an, (...) Als Gründe, warum viele Firmen eher davor zurückschrecken, interaktive Partizipationsmöglichkeiten für ihre Kunden anzubieten, nannten 23 Prozent Ressentiments und/oder Probleme bei der Kontrolle der Inhalte, während 20 Prozent Sicherheitsbedenken äußerten.
Liebe KollegInnen - Kontrolle ist eine Illusion die sich nur mit größtmöglichen Verdrängungsmechanismen aufrechterhalten lässt. Sie brauchen nicht Web2.0 sondern psychologische Betreuung!
kris meinte am 3. Sep, 16:54:
"Viele Unternehmen sind noch längst nicht soweit, Web 2.0 einzuführen."
Was bitte soll das bedeuten? Wie kann ein Unternehmen Web 2.0 einführen? Ich finde ja, die völlig unreflektierte Benutzung des Begriffs macht die Studie eher zweifelhaft. 
Sierra antwortete am 3. Sep, 17:18:
Naja, die Verkürzung dieser Begrifflichkeiten im Sinne einer Reduktion der Komplexität, damit man das in einer Presseaussendung hinbekommt, finde ich ja noch legitim - dazu sind wir selbst oft genug gezwungen. Aber keine Ahnung ob die Studie selbst damit zweifelhaft ist oder nicht. Wichtig finde ich, dass eben dieser Kontrollzwang so dominant ist ... 
kris antwortete am 7. Sep, 10:42:
Hoffen wir, dass es nur Reduktion ist.
Ich fühlte mich ja eigentlich eher an sowas erinnert. 
jupe (anonym) meinte am 4. Sep, 13:37:
sehr harsch
finde ich deinen Schlusssatz! Also ehrlich. Nur weil einige (ok, viel zu viele) noch nicht bereit sind für "Web 2.0" brauchen sie noch lange keine psychologische Betreuung*. Ich glaub, eine sensiblere Herangehensweiese (die, zugegeben, echt mühsam ist manchmal, und man kommt sich wie Don Quixote oder Syssiphus vor) ist vielleicht angebrachter... was meinst du?

Meiner Erfahrung nach liegt die Abneigung für offenere Kommunikation nicht nur am Kontroll"wahn" sondern schlicht und einfach auch an Angst - einerseits natürlich davor, Wissen (Macht) auszutauschen, andererseits auch davor, sich selbst ersetzbar zu machen. Das ist echt nicht so leicht, glaube ich, eine verkrustete Hierachie und Struktur innerhalb kürzester Zeit (und soooo lange gibt es dieses Phänomen "Web 2.0" nun auch wieder nicht) einfach abzuschütteln und zu vergessen bzw gleich durch das Gegenteil (sprich: offene, rücksichtsvolle Kommunikation in alle Richtungen) zu ersetzen.
Ich glaube auch, dass ein Hindernis für so eine neue Art von Kommunikation auch darin liegen könnte, dass bei "Web 2.0" eventuelle Hierachien aufgelöst werden können (alle können nun gleichermaßen zB kommentieren, sich beteilingen, mitreden), was sicherlich vielen gegen den Strich geht (noch).

Und dann habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass viele (ältere?) KollegInnen einfach noch keine Ahnung von "diesen neuen Technologien" haben. Aus Zeitmangel vielleicht, oder Interessensmangel? Das muß man natürlich ändern - aber wer soll das machen - In einem Unternehmen, das durch "klassische" Strukturen geprägt ist?

*Wenn ich nochmal an deinen Satz "sie brauchen nicht Web 2.0 sondern psychologische Betreuung" denke: Wahrscheinlich, muss ich zugeben, hast du Recht. Da liegt vieleicht die Lösung begraben: es reicht halt nicht, neue Technologien, neue Kommunikationswege und -möglichkeiten zu schaffen und zu verkaufen. Viel mehr muss man die handelnden und ausführenden Personen darauf vorbereiten. Auf ihre momentanen Situationen eingehen, ihre Ängste, ihren Kontroll"wahn", ihre Struktur, damit "web 2.0" auch Akzeptanz und Verwendung findet. Drumherum kommt ja sowieso keineR. Ich bin der Meinung, dass da auch eine gehörige Portion Geduld seitens der "Verkäufer" von "web 2.0" gefordert ist. Menschen und Unternehmen ändern sich halt bei weitem nicht so schnell! 
Sierra antwortete am 4. Sep, 17:16:
Danke für die ausführliche Antwort.

Viel geduld ist erforderlich, das kannst du mir glauben und das kann ich somit bestätigen. Diese psychologische Betreuung soll gar nicht zynisch oder sarkastisch sein - nenn es Coaching und es meint das selbe. Es ist mit Sicherheit nicht einfach Systeme die sich über Jahrzehnte/Jahrhunderte so entwickelt haben in so kurzer Zeit zu verändern. Und ja, diese neuen Paradigmen gibt es erst verdammt kurz - das braucht noch alles seine Zeit und die Entwicklung ist eben viel mehr eine soziale, gesellschaftliche denn eine technische.

Wir bleiben dran ;-) 
MasterOfDesaster meinte am 4. Sep, 17:07:
* interaktive Partizipationsmöglichkeiten
* Kontrolle der Inhalte
* Sicherheitsbedenken

Die Fragen koennte man genauso fuers Internet im Allgemeinen stellen...und man wuerde die gleichen Antworten bekommen.

Therapiert gehoeren vielleicht nicht alle, aber zumindes 57 Prozent.

P.S.: Was konnte man wohl bei der Befragung ankreuzen? Ja/Nein/WeisNicht/HAB ANGST!