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Mit Fortdauer einer Beziehung wird der Partner mehr und mehr zu einer Projektionsflaeche. Zu Beginn nimmt man den Partner sehr stark als Individuum wahr. Dashalb verliebt man sich in diesen Menschen. Die Beduerfnisse sind vergleichsweise gering. Alles was man bekommt ist unheimlich gross, wertvoll, erfuellend.
Das veraendert sich und man wird anspruchsvoller. Man verliert auch Schritt fuer Schritt diese natuerliche Art ganz bei sich zu sein um offen und unvoreingenommen Kontakt zum anderen aufzunehmen. Man nimmt bald nicht mehr Kontakt zum anderen auf sondern nur mehr zu seiner eigenen Projektionsflaeche. Von seiner Projektionsflaeche erwartet man sich wie sie ist, sich verhaelt, was sie denkt, tut, nicht tut, welche Werte sie hat, etc. Eigene Konflikte werden am Spielfeld dieser Projektionsflaeche ausgetragen.
Die Beziehung bleibt dabei auf der Strecke. Wenn man ganz nahe ist funktioniert ja alles. An gemeinsamen, einsamen Wochenenden. Aber in den Uebergangsmomenten wie Abschiede oder Zusammenkuenfte, da liegen die Hunde begraben. Nur wenn ich in diesen Momenten offen und unbelastet auf den anderen zugehe funktionierts. Wenn ich gepraegt von Erfahrungen und Aengsten nur mehr ein Bild des anderen wahrnehme, dann gehts schief.
Alles schon zig Mal erlebt. Passiert immer wieder. Missverstaendnisse sind Teil des taeglichen Lebens und trotzdem sie mich immer irre nerven zeige ich manchmal wenig Interesse diese aufzuloesen. Dann steht man sich wohl selbst im Weg.
miss.understood meinte am 10. Jul, 08:38:
seltsam,
ich hätte es genau anders herum gesehen. am anfang neigt man dazu die eigenen wünsche und bedürfnisse auf den anderen zu projezieren. man unterscheidet einfach nicht zwischen den grundbedürfnissen, die tatsächlich von sehr vielen anderen gedeckt werden können und den gefühlen, die nur dieser eine mensch in einem auslöst. man projeziert das was man sehen will auf den anderen und ist überrascht, wenn die leinwand risse kriegt und etwas ganz anderes zum vorschein kommt. that}s how i see it. that}s how i know it. aber ich fall auch immer wieder auf mich selbt hinein. 
foolosophy antwortete am 10. Jul, 08:58:
stimmt beides, finde ich. es ist eine mischung. einerseits projiziert man die eigenen wünsche und bedürfnisse auf diesen menschen, gleichzeitig stellt man ihn aber auch auf einen sockel und ist davon überzeugt, dass allein er diese wünsche und bedürfnisse reflektieren kann. das ist dann die individuums-komponente dabei, die sich oftmals mit der zeit in schall und rauch auflöst. und dann projiziert man wiederum das, was man gerne hätte. das individuum wird aber immer unwichtiger.. 
Sierra antwortete am 10. Jul, 09:02:
vor allem
der letzte satz stimmt sehr! und dann projiziert man wiederum das, was man gerne hätte. das individuum wird aber immer unwichtiger..  
miss.understood antwortete am 10. Jul, 09:08:
der wunsch
endlich das zu finden, was man haben will, ist so gross, dass man oft den überblick über wunschdenken und realität verliert. ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mir in dieser sache ganz wenig traue. ich hab mir vie zu oft bewiesen, dass ich es nicht überzuckere und heute muss ich mir wirklich mühe geben, mich nicht auf einen wunsch und eine projektion reinzukippen. ist sehr kompliziert, das alles und das ist ganz schlimm, weil es gar nicht kompliziert sein soll. 
ferromonte meinte am 10. Jul, 09:18:
stimmt,
zigmal erlebt, zigmal analysiert hilft einem das wissen rein gar nichts. offenbar spielen noch andere faktoren eine große rolle:
nicht bewußte idealbilder, die (frühere und aktuelle) beziehung zu einzelnen elternteilen, "ein schiff wird kommen" u.s.w.
und wenn die mühlräder beider "partner" mahlen, bleibt nicht viel übrig.
was mich auch so traurig macht und so frustet, ist, wie miss sagt: es ist so komliziert und sollte doch so einfach sein. 
miss.understood antwortete am 10. Jul, 09:21:
ja genau,
du sprichst da das eigentliche dilemma an. es ist so verdammt hart, so schwierig, die gewinnchancen sind so gering - und dann fällt einem irgendwann auf: "mist, meine ganzen troubles sind erst 50% prozent. auf der anderen seite sieht es nochmal genauso aus."
heute ist kein guter tag für so ein gespräch. ich heul gleich, weil alles so traurig ist. (geh bitte, miss - du bist so eine heulsuse....) 
Sierra meinte am 10. Jul, 09:26:
hoppla
ich bin begeistert vom input, der diskussion und den vielen menschen die anscheinend verstehen was ich meine und mir das gefuehl geben damit nicht allein zu sein. wirklich schoen. danke! mal abgesehen von meinen bestaetigungsgefuehlen aber trotzdem scheisse dass es so schwierig ist und so einfach sein sollte... 
foolosophy antwortete am 10. Jul, 09:35:
das mag damit zusammenhängen, dass es so ein zentrales thema ist. im endeffekt dreht sich doch alles darum. jemanden finden .. sich finden lassen .. zuspruch finden .. gefunden werden .. und dann bitteschön dabei mal eben auch noch sich selbst (neu er)finden. 
miss.understood antwortete am 10. Jul, 09:45:
und dabei dann
noch spass haben, gute gespräche führen, sich bei den zentralen theman einig sein, blödsinn machen können, nicht überlegen müssen was man sagt, .... 
Papillon meinte am 10. Jul, 09:46:
das problem mit den projektionen
ist das es im grunde ein nähe-problem ist. man glaub sich dem andern nicht öffnen zu können, weil man verletzt wird (dabei sehnt man sich nach nichts mehr als nach nähe, nach verstanden-werden, nach harmonie). man zieht sich zurück, kapselt sich ab, um nicht verletzt zu werden. genau das verstört den anderen, der sieht wiederum keinen grund nun sich zu öffnen. einen schritt auf den anderen zu zu machen.

angenommen es handelt sich bei beiden um ganz normal menschen mit einem durchschnittlich ausgeprägten bedürfnis nach liebe und nähen, einem gefühl für gerechtigkeit und für die gefühle anderer menschen. angenommen wir haben es hier nicht mit machtversessenen sadisten zu tun, was wohl auf den grossteil der menschen zutrifft, zumindest in meinem weltbild. dann könnte man, rein theoretisch, diese immer wieder kehrende situation entschärfen, in dem man den anderen in seiner suche nach annäherung, in seinem bedürfnis nach harmonie nicht auch noch zurückweist. wenn dieses bedürfnis nicht instrumentell eingesetzt wird, um den anderen an sich zu fesseln, zu besitzen, zu beherrschen. wenn man einfach ein bisschen weniger streng wäre, ein bisschen mehr leben liesse, ein bisschen mehr seinem (in uns allen liegenden) bedürfnis nach versöhnung, nach angenommen-werden, nach annehmen, nach gemeinschaft nachgeben würde.

das klingt alles unglaublich naiv. ist es auch. ich frage mich manchmal, ob menschen tatsächlich so sein können. dass sie immer wieder auf den anderen zugehen, ihn annehmen - auch wenn sie verletzt wurden. wahrscheinlich war jesus so ähnlich (hey, jesus ist HISTORISCH belegt)das problem ist, dass beziehungen in dieser welt leider so oft auf macht basieren. nicht nur zwischen männern und frauen. auch zwischen geschwistern, freunden......der eine unterdrückt oft den anderen, der starke, den schwachen. er wird stärker durch die schwäche des anderen. am besten sieht man das bei kleinen kindern, schulklassen. wir erwachsenen dürften das grossteils in unseren partnerschaften und familien ausleben, denn die gesellschaft hat uns, was das andere betrifft, einige sanktionen auferlegt.

aber das mit dem ersten schritt, da ist schon was wahres dran, glaub ich. bei israel schaut es ja momentan auch so aus, als ob es funktionieren würde.