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Ich habe heute ein sehr erbostes Mail von Neuro bekommen - Es geht um ein Interview das die Zeitschrift DATUM, unter anderem ein Kunde von uns, mit Norbert de Jonge von der PNVD gemacht hat.

Konkret hat sich sowohl Neuro als auch nanunana beschwert, ob der (angenommenen) "Verbindung" zwischen DATUM und twoday.net bzw. Knallgrau und eingefordert, ich/Knallgrau möge etwas unternehmen.

Ich habe mich hier zu Unrecht angegriffen gefühlt - Der Verein hinter dem Medium DATUM ist lediglich ein Kunde von Knallgrau. Twoday.net ist ein Hostingportal im Eigentum von Knallgrau und twoday ist eine Software die hinter dem Online Auftritt von datum.at steht. Ausserdem gibt es eine unengeltliche Kooperation zwischen DATUM und Twoday.net in Bezug auf ausgewählte Webloginhalte. Soviel zu den Fakten.

Was sollte ich also tun? DATUM gehört mir nicht, ich habe keinen Einfluß auf DATUM. Ich bin kein Zensor, der DATUM vorschreibt worüber Sie wie berichten dürfen. Wir leben in einem Europa in dem Meinungsfreiheit auch bedeutet, dass Menschen viele Dinge fordern und vertreten können - Dieses Grundrecht schätze ich, auch wenn es mir im konkreten Artikel mehr als einmal den Magen umdreht!

Ich habe mich geärgert, warum mir hier eine Verantwortung zugeschoben wird - jeder der sich dagegen engagieren möchte, der soll es tun, aber nicht auf wen anderen abschieben. Ich habe mich in einem Mail an neuro klar von den Inhalten distanziert, aber auch klargemacht, dass ich keine Verantwortung bei mir/knallgrau sehe.

Diese Einschätzung ist in einem Punkt falsch gewesen.

Allein wegen meiner Nichte und meinem Neffen möchte ich ganz persönlich dagegen Stellung beziehen.

Deshalb habe ich mich dazu entschieden ein Mail an Klaus Stimeder zu schreiben, Mitgründer und Chefredakteur von DATUM und ein guter Bekannter von mir:


Lieber Klaus,

Ich wurde heute per Mail auf euren Beitrag über Norbert de Jonge von der PNVD aufmerksam gemacht. Ich finde das Interview und im besonderen die Kommentare darunter grauenhaft.

Ich vermisse es, dass Ihr euch, als Medium das ich sehr schätze, davon klar und deutlich distanziert - Meinungsfreiheit ist wichtig, genauso wichtig ist es aber Positionen zu beziehen.

Vielleicht verstehe ich auch eure Beweggründe nicht - vielleicht nehmt Ihr das Feedback eurer Leser als Anstoß, das zu überdenken.
Danke für dein Feedback!

Ich erlaube mir dein Feedback mit meinen Lesern im Blog zu teilen ...

lg, Dieter

Danke für das kritische Feedback, dass einem das Leben nicht leichter macht, aber vielfach hilft Positionen zu überdenken.
dus meinte am 6. Nov, 10:53:
hallo sierra!

ihre reaktion/ihr schreiben finde ich sehr korrekt, war ich doch in den letzten tagen ziemlich enttäuscht von den reaktionen seitens twoday.
es geht nicht darum, ihnen die verantwortung für die inhalte von datum.at zuzuschieben, es geht darum, position zu beziehen.
datum.at erscheint nunmal auf der twoday-startseite, sobald ein kommentar etc. vorgenommen wurde. und im sinne der "twoday nachbarschaft" ist ein statement meines erachtens unumgänglich!
über die twoday startseite ist der stein nämlich erst ins rollen gekommen.... und ich denke, es ist auch in ihrem sinne, ein statement abzugeben. abgesehen von moralischen argumenten, die für eine distanzierung sprechen....

mfg, dus 
-w. meinte am 6. Nov, 16:04:
ich finde es gut
dass ihr nicht zensiert bei twoday.

und gerade in diesem speziellen fall hatte das auch was gutes finde ich. sowohl das interview als auch die kommentare sind doch ziemlich entlarvend. themen ob ihrer grauslichkeit totzuschweigen, macht das unter-den-teppich-kehren noch leichter. und das kann in niemandes interesse sein, schon gar nicht in jenem der betroffenen. 
dus antwortete am 6. Nov, 18:54:
es ging nicht darum, das gefordert wurde, dass das interview NICHT abgedruckt werden sollte...
das interview spricht für sich (vgl. aktuelles mahler interview in vanity fair), du hast recht. und der "datum-leser" ist auch sicherlich nicht zu blöde.
DENNOCH und ich bleibe dabei, ist ein redaktionelles statement unumgänglich (vergleiche wieder aktuelle vanity fair).
ich arbeite wie du weisst selbst in einem redaktionellen umfeld, ich red net nur so daher. und nochwas, ich habe den eindruck du hast nicht begriffen, worum es ging: dass die aufmachung und art&weise der veröffentlichung ein schlag ins gesicht aller betroffenen ist. aber ich vermute mittlerweile, das ist vielen menschen, die nicht betroffen sind oder keine betroffenen in ihrem unmittelbaren umfeld haben nicht bewusst!

#
und noch ein dus-style //nachäff:

themen ob ihrer grauslichkeit journalistisch reisserisch aufzumachen (um die publicity und die auflage zu steigern), macht das unter-den-teppich-kehren ebenso! noch leichter. und das kann in niemandes interesse sein, schon gar nicht in jenem der betroffenen.

zusatz: denn die opfer werden damit zum schweigen gebracht und die täter bekommen eine plattform und der teufelskreis schliesst sich. wieder und wieder und wieder...

genau diesen teufelskreis gilt es zu durchbrechen.

SOLCHE ÖFFENTLICHEN BEITRÄGE NICHT UNKOMMENTIERT ZU LASSEN,
NICHT SO STEHEN ZU LASSEN! NICHT WEGSCHAUN! NICHTS SAGEN IST AUCH KEINE LÖSUNG; DAS NEUE IGNO??

so. (think about it)

ps. dein beitrag hier irritiert mich etwas in bezug auf deinen beitrag bei datum. hm.. vielleicht reden wir aneinander vorbei... 
-w. antwortete am 7. Nov, 13:18:
nein dus
hier gehts mir nur um twoday. die bieten eine web-plattform für blogs, also software und hosting. und ich find gut, dass twoday, abgesehen mal von den üblichen geschäftsbedingungen, keinen einfluss auf den inhalt der gehosteten blogs nimmt.

ich denke, dass die geschäftsbedingungen - und, wie man dem kommentar von sierra glaube ich gut entnehmen kann, auch die persönliche einstellung der betreiber - mit ausreichender sicherheit verhindern würden, dass twoday zb einen pädophilen-blog oder einen rechts/links/wasimmer-radikalen-blog hosten würde.

datum.at scheint keines davon zu sein. sollte es sich dazu entwickeln, bin ich einigermaßen sicher, dass twoday entsprechend reagieren würde. das reicht mir aus. 
dus (Gast) antwortete am 8. Nov, 15:47:
dus antwortete am 8. Nov, 16:02:
(-> siehe unten) 
Paul Alexandrow (Gast) meinte am 7. Nov, 20:16:
Du schreibst "Ich vermisse es, dass Ihr euch, als Medium das ich sehr schätze, davon klar und deutlich distanziert".

Das sehe ich ueberhaupt nicht so. DATUM ist, wie Du richtig schreibst, ein Medium. Noch dazu eines, das auch ich sehr schaetze - nicht zuletzt gerade wegen Beitraegen wie diesem. Leider wird es mir im Rahmen dieser Diskussion zuwenig als solches, und zwar in der eigentlichen Bedeutung des Begriffs, wahrgenommen.
Im Gegenteil begruesze ich es sehr, dass DATUM seine Leser als ausreichend faehig zur eigenen Meinungsbildung einschaetzt und sich hier wie auch sonst keinerlei suggestiven Passagen erlaubt hat.

Ueber Herrn de Jonge verliere ich bewusst keine Worte. Zum einen sollte meine Meinung dazu hinreichend bekannt sein, zum anderen geht es mir auch um etwas anderes, als das Thema an sich.
Ich bedaure, dass eine Unterscheidung der Begriffe Meinung, Urheber und Medium, obwohl fuer die meisten bestimmt schluessig, fuer manche offenbar doch zu viel ist. Diesen verlangt es dann leider danach, sich in unangebrachter Weise an voelliger falscher Stelle - in diesem Fall DATUM, Twoday, Knallgrau oder gar bei Dir selbst - zu echauffieren.
Eine inhaltliche Kritik zu diesem Interview sollte sich einzig und allein an beziehungsweise gegen Herrn de Jonge richten. Entweder direkt oder, noch viel besser, oeffentlich - zum Beispiel ueber das Medium DATUM.

Letzterem kann ich nur wuenschen, dass es sich in dieser Sache wie generell weiterhin als Medium versteht, und sich nicht durch den kurzfristigen Druck weniger zu Gegenteiligem verleiten laesst. 
jupe (Gast) antwortete am 8. Nov, 12:59:
Ich stimme mit Paul völlig überein. Ich habe das Interview mit großer Verwunderung gelesen - war allerdings nicht wegen des Abdrucks sondern des Inhalts verwundert und angeekelt. Ich bin froh, dass DATUM sowas abdruckt und, wie Paul auch schreibt, seine LeserInnen als qualifiziert genug einschätzt und nicht suggestiv beeinflußt. 
Dieter (Gast) antwortete am 8. Nov, 14:39:
Danke!
für die ausführliche Meinung - sehr interessant. Ich möchte nur festhalten, dass ich "keinen kurzfristigen" Druck ausübe, sondern besser verstehen möchte. Ich persönlich kenne Beispiele wo Stellungnahmen der Redaktion dazu abgegeben werden (vergleichbares Beispiel: Vanity Fair, Interview mit Friedmann, das mit Hitlergruß eröffnet wurde). Deine Meinung ist ja auch sehr schlüssig und eröffnet mir eine weitere interessante Perspektive - von Klaus habe ich leider trotzmen noch nichts gehört ... 
dus antwortete am 8. Nov, 15:55:
einspruch
die dikussionen laufen meinem empfinden nach auf zwei ebenen.
es gibt die sachliche ebene und die emotionale.
es gibt die rechtliche ebene und die ebene der moral.
usw...

und wer verliert? die missbrauchten.
weil sie mundtot gemacht werden.

und was ihr jetzt macht, ist NOCHMAL draufhaun!!

meine meinung. 
Dieter (Gast) antwortete am 8. Nov, 16:01:
also hier haut gar niemand auf irgendwen drauf - das ist lediglich ein diskurs und das ist wichtig und auch gut so. 
dus antwortete am 8. Nov, 16:03:
nuja und zu dem diskurs gehört auch meine meinung, sierra.

solltest du mal die gelegenheit haben, einen längeren zeitraum mit einem menschen zu verbringen, der diese qualen erlitten hat, dann verstehst du mich. vielleicht.


es geht weiterhin um den protest gegen das unkommentierte abdrucken des interviews, welches einem betroffenen somit(!) den boden unter den füßen wegzieht. dass der artikel abgedruckt wird ist gut und ich befinde es auch für richtig, denn das interview spricht für sich (sprichwort entellendter leser) und der - auch von dir schon erwähnte- diskurs beginnt.

diskutieren kann nur, wer den handlungsspielraum dazu hat. die opfer haben den nicht. aber ich. und auch wenn ich wenig erreiche (wobei ich nochmal betonen möchte dass ich dein mail an datum gut finde und als einen "erfolg" werte -> dass es doch sinn macht, seine stimme zu erheben) so kann ich wenigstens in den spiegel schaun.

..... 
dus antwortete am 8. Nov, 16:27:
nachtrag
erneuter versuch.
ein missbrauchter mensch - wenn es kinder betrifft meist über jahre hinweg -kann sich nicht so positionieren wie "wir", wenn sie/er den artikel liest.
das ist doch gerade das teufliche am missbrauch. das opfer schämt sich, das opfer übernimmt "schuld" und verantwortung.

ist das wirklich so schwer nachvollziehbar, was ich meine???

wenn ein missbrauchter leser sieht, oke, die redaktion distanziert sich von den inhalten, dann gibt das einen rahmen, einen (an)HALT(spunkt).
und der macht es letztendlich erst möglich, sich mit dem text zu befassen oder sogar kritik zu üben.
weil man sich nicht so gottverdammt alleine fühlt und der bezug zur realität hergestellt ist. DASS DAS OPFER NICHT SELBER SCHULD IST.
DASS WAS DA STEHT NICHT STIMMT! DASS DAS GEDANKEN AUS EINER "KRANKEN" PERSPEKTIVE SIND.

das das nicht die meinung der "norm" ist.

das ist doch genau das fatale, dass die opfer von klein auf die argumente der missbraucher annehmen und für die realität halten, weil sie nichts andres kennen. gottverdammt!

ganz einfach. 
Aurisa antwortete am 8. Nov, 17:03:
Dus hat es schon so gut erklärt... besser kann ich es nicht sagen und darum kann ich dus da einfach nur zustimmen...
Ich bin KEIN Opfer sexuellen Missbrauchs... aber Opfer bin ich in meinem Leben immer und immer wieder gewesen...
Und ich weiss darum verdammt gut, WIE sich so ein Artikel für ein Opfer von sexuellem Missbrauch anfühlen muss, wenn die Täter ihre Taten noch schönreden... und das alles ohne jeglichen redaktionelle Anmerkungen... und dann womöglich noch mit zustimmenden Kommentaren!
Da müssen die Opfer sich verdammt allein gelassen fühlen... verraten und verkauft... weil sie WIEDER alleine dastehen... es WIEDER die Täter sind, die reden, die die Meinungshoheit beanspruchen wollen... und keiner sagt was dazu, keiner nimmt die Opfer in Schutz...
Das ist als würden sie erneut missbraucht!
Wie dus frage ich mich da auch: Ist das so schwer zu verstehen...?
Viele Grüße
Aurisa 
jupe (Gast) antwortete am 12. Nov, 10:48:
liebe dus, danke für deine Erklärung. Ich habe nicht erlebt, was du erlebt hast und habe keine Erfahrung mit Opfern und daher habe ich vielleicht eine aus deiner Sicht beschränkte Meinung zum Abdruck des Interviews. Dein Posting hat mich dazu gebracht, meine Meinung zu erweitern. Es ist mir unangenehm, dass ich so beschränkt war. Danke.

Ich habe im aktuellen Datum ehrlich gesagt eine Stellungnahme von Datum zum Interview vermißt...
Viele Grüße, Jupe