Paul Alexandrow (anonym) meinte am 7. Nov, 20:16:
Du schreibst "Ich vermisse es, dass Ihr euch, als Medium das ich sehr schätze, davon klar und deutlich distanziert".Das sehe ich ueberhaupt nicht so. DATUM ist, wie Du richtig schreibst, ein Medium. Noch dazu eines, das auch ich sehr schaetze - nicht zuletzt gerade wegen Beitraegen wie diesem. Leider wird es mir im Rahmen dieser Diskussion zuwenig als solches, und zwar in der eigentlichen Bedeutung des Begriffs, wahrgenommen.
Im Gegenteil begruesze ich es sehr, dass DATUM seine Leser als ausreichend faehig zur eigenen Meinungsbildung einschaetzt und sich hier wie auch sonst keinerlei suggestiven Passagen erlaubt hat.
Ueber Herrn de Jonge verliere ich bewusst keine Worte. Zum einen sollte meine Meinung dazu hinreichend bekannt sein, zum anderen geht es mir auch um etwas anderes, als das Thema an sich.
Ich bedaure, dass eine Unterscheidung der Begriffe Meinung, Urheber und Medium, obwohl fuer die meisten bestimmt schluessig, fuer manche offenbar doch zu viel ist. Diesen verlangt es dann leider danach, sich in unangebrachter Weise an voelliger falscher Stelle - in diesem Fall DATUM, Twoday, Knallgrau oder gar bei Dir selbst - zu echauffieren.
Eine inhaltliche Kritik zu diesem Interview sollte sich einzig und allein an beziehungsweise gegen Herrn de Jonge richten. Entweder direkt oder, noch viel besser, oeffentlich - zum Beispiel ueber das Medium DATUM.
Letzterem kann ich nur wuenschen, dass es sich in dieser Sache wie generell weiterhin als Medium versteht, und sich nicht durch den kurzfristigen Druck weniger zu Gegenteiligem verleiten laesst.
jupe (anonym) antwortete am 8. Nov, 12:59:
Ich stimme mit Paul völlig überein. Ich habe das Interview mit großer Verwunderung gelesen - war allerdings nicht wegen des Abdrucks sondern des Inhalts verwundert und angeekelt. Ich bin froh, dass DATUM sowas abdruckt und, wie Paul auch schreibt, seine LeserInnen als qualifiziert genug einschätzt und nicht suggestiv beeinflußt.
Dieter (anonym) antwortete am 8. Nov, 14:39:
Danke!
für die ausführliche Meinung - sehr interessant. Ich möchte nur festhalten, dass ich "keinen kurzfristigen" Druck ausübe, sondern besser verstehen möchte. Ich persönlich kenne Beispiele wo Stellungnahmen der Redaktion dazu abgegeben werden (vergleichbares Beispiel: Vanity Fair, Interview mit Friedmann, das mit Hitlergruß eröffnet wurde). Deine Meinung ist ja auch sehr schlüssig und eröffnet mir eine weitere interessante Perspektive - von Klaus habe ich leider trotzmen noch nichts gehört ...
dus antwortete am 8. Nov, 15:55:
einspruch
die dikussionen laufen meinem empfinden nach auf zwei ebenen.es gibt die sachliche ebene und die emotionale.
es gibt die rechtliche ebene und die ebene der moral.
usw...
und wer verliert? die missbrauchten.
weil sie mundtot gemacht werden.
und was ihr jetzt macht, ist NOCHMAL draufhaun!!
meine meinung.
Dieter (anonym) antwortete am 8. Nov, 16:01:
also hier haut gar niemand auf irgendwen drauf - das ist lediglich ein diskurs und das ist wichtig und auch gut so.
dus antwortete am 8. Nov, 16:03:
nuja und zu dem diskurs gehört auch meine meinung, sierra.solltest du mal die gelegenheit haben, einen längeren zeitraum mit einem menschen zu verbringen, der diese qualen erlitten hat, dann verstehst du mich. vielleicht.
es geht weiterhin um den protest gegen das unkommentierte abdrucken des interviews, welches einem betroffenen somit(!) den boden unter den füßen wegzieht. dass der artikel abgedruckt wird ist gut und ich befinde es auch für richtig, denn das interview spricht für sich (sprichwort entellendter leser) und der - auch von dir schon erwähnte- diskurs beginnt.
diskutieren kann nur, wer den handlungsspielraum dazu hat. die opfer haben den nicht. aber ich. und auch wenn ich wenig erreiche (wobei ich nochmal betonen möchte dass ich dein mail an datum gut finde und als einen "erfolg" werte -> dass es doch sinn macht, seine stimme zu erheben) so kann ich wenigstens in den spiegel schaun.
.....
dus antwortete am 8. Nov, 16:27:
nachtrag
erneuter versuch.ein missbrauchter mensch - wenn es kinder betrifft meist über jahre hinweg -kann sich nicht so positionieren wie "wir", wenn sie/er den artikel liest.
das ist doch gerade das teufliche am missbrauch. das opfer schämt sich, das opfer übernimmt "schuld" und verantwortung.
ist das wirklich so schwer nachvollziehbar, was ich meine???
wenn ein missbrauchter leser sieht, oke, die redaktion distanziert sich von den inhalten, dann gibt das einen rahmen, einen (an)HALT(spunkt).
und der macht es letztendlich erst möglich, sich mit dem text zu befassen oder sogar kritik zu üben.
weil man sich nicht so gottverdammt alleine fühlt und der bezug zur realität hergestellt ist. DASS DAS OPFER NICHT SELBER SCHULD IST.
DASS WAS DA STEHT NICHT STIMMT! DASS DAS GEDANKEN AUS EINER "KRANKEN" PERSPEKTIVE SIND.
das das nicht die meinung der "norm" ist.
das ist doch genau das fatale, dass die opfer von klein auf die argumente der missbraucher annehmen und für die realität halten, weil sie nichts andres kennen. gottverdammt!
ganz einfach.
Aurisa antwortete am 8. Nov, 17:03:
Dus hat es schon so gut erklärt... besser kann ich es nicht sagen und darum kann ich dus da einfach nur zustimmen...Ich bin KEIN Opfer sexuellen Missbrauchs... aber Opfer bin ich in meinem Leben immer und immer wieder gewesen...
Und ich weiss darum verdammt gut, WIE sich so ein Artikel für ein Opfer von sexuellem Missbrauch anfühlen muss, wenn die Täter ihre Taten noch schönreden... und das alles ohne jeglichen redaktionelle Anmerkungen... und dann womöglich noch mit zustimmenden Kommentaren!
Da müssen die Opfer sich verdammt allein gelassen fühlen... verraten und verkauft... weil sie WIEDER alleine dastehen... es WIEDER die Täter sind, die reden, die die Meinungshoheit beanspruchen wollen... und keiner sagt was dazu, keiner nimmt die Opfer in Schutz...
Das ist als würden sie erneut missbraucht!
Wie dus frage ich mich da auch: Ist das so schwer zu verstehen...?
Viele Grüße
Aurisa
jupe (anonym) antwortete am 12. Nov, 10:48:
liebe dus, danke für deine Erklärung. Ich habe nicht erlebt, was du erlebt hast und habe keine Erfahrung mit Opfern und daher habe ich vielleicht eine aus deiner Sicht beschränkte Meinung zum Abdruck des Interviews. Dein Posting hat mich dazu gebracht, meine Meinung zu erweitern. Es ist mir unangenehm, dass ich so beschränkt war. Danke. Ich habe im aktuellen Datum ehrlich gesagt eine Stellungnahme von Datum zum Interview vermißt...
Viele Grüße, Jupe
