About
books
business
cooking
daily
fun
movies
new blogs
Spruch
Trips
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren
header1

 

Nokia schließt sein Werk in Bochum, die Medien laufen Sturm, die Politik wird zu Hilfe gerufen und die Menschen gehen auf die Straße.

boycott-nokia
(Logo von Rolf Spiess, via Novaexpress)

Und es handelt sich hier um ein Unternehmen das sich seine Werte groß auf die Fahnen schreibt, gute Gewinne macht und Landesförderungen gerne kassiert.

Very Human
Being Very Human encompasses what we offer customers, how we do business and the impact of our actions and behavior on people and the environment. It is about being very human in the world - making things simple, respecting and caring. In short, our desire is to be a very human company.

Doch was passiert im Web 2.0, in der Blogosphere. In dem neuen Raum der so bedeutend für das Reputationsmanagement ist? Mal sehen ...

Wenn man auf YouTube nach "Nokia" sucht finden sich heute 41.800 Videos. Auf der ersten Seite finden sich nahezu ausschließlich Promo und Werbevideos, doch an dritter Stelle liegt der Protestsong von Bernd Stelter im Kontext der Schließung des Bochumer Werks.



Wenn man auf Youtube nach "Nokia Bochum" sucht ergibt sich ein interessantes Ergebnis (ich habe das ein wenig zusammengefasst und analysiert) - Ich habe in die Statistik alle Videos reingenommen die sich explizit negativ über Nokia äussern:

> 52 explizit negative Videos
> in Summe 102 Minuten negatives Videomaterial
> Die Videos erreichten in Summe 122.738 Views
> 20 Videos erreichen mehr als 1.000 views
> Das Video mit den meisten Views liegt bei über 46.000 views
> Das entspricht in Summe 193.005 Minuten konsumierter Negativberichterstattung

Statistik-Negativvideos-Nokia-Bochum

Anbei das File mit der detaillierten Statistik.
Nokia-Protest-Videos-on-YouTube (pdf, 115 KB)

Ist das nun viel? Welchen Wert bedeutet das, bzw. was kostet es das auszubügeln? Vielleicht könnte man diese Zahlen mit einem TV TKP erweitern und so den Wert bestimmen.

Wichtig dabei ist, dass diese Videos online sind und online bleiben. Interessant wäre es wie die Statistik in 1 Jahr aussieht.

Wie ist das weitere Feedback in der Blogosphere? Es finden sich durchaus verärgerte Kommentare wie etwa:

Der Verdacht auf Subventionsbetrug bei Nokia liegt schon seit Wochen auf der Hand. (...)
Hoffentlich werden diese Heuchler & Verbrecher zur Rechenschaft gezogen.

schreibt Bichareh

Da wundert es dann nicht, dass überall Boykottaufrufe formuliert werden. Zahlreiche Politiker haben ihre Nokia-Handys zurückgegeben und erwägen in ihren Verwaltungen keine Nokia-Handys mehr anzuschaffen.
im Pottblog

Oh, keine Frage. Für Bochum ist der Wegzug von Nokia schlimm. Und das Verhalten der Firma ist ohne jeden Zweifel von der ganz üblen Sorte. Wer jetzt kein Nokia-Handy kauft, hat völlig recht. So geht das, mit der Globalisierung.
ausführlich und elaboriert bei den Rebellen ohne Markt.

“Erst staatliche Gelder kassieren, dann die Mitarbeiter im Regen stehen lassen zeugt von einem dreisten Geschäftsgebaren.”
sehr engagiert sammelt die SPD NRW im No, Nokia so nicht Blog

Konzerne, de jure ja Rechtspersonen, scheinen de facto etwa soviel gesellschaftliche Verantwortung zu haben wie “jugendliche Intensivstraftäter”. Gemäß der derzeit herrschenden neoliberalen Marktideologie geniesst der Konzern als Rechtsperson jedoch den Status eines „hyperanthropos“, eines Übermenschen, der alle Recht besitzt, aber keine Pflichten, außer: Profit erwirtschaften
bei NovaExpress

Das Vorgehen des Nokia-Managements zur Schließung des Bochumer Werkes verstößt nach Darstellung von Arbeitsrechtlern gegen deutsches und europäisches Recht.
im Handakte WebLAWg

Ich werde mir kein Nokia mehr kaufen.
sagt Gerry Schotter

"Connecting people"- "Menschen verbinden", so heißt der Werbeslogan von Nokia. Das Motto ist nun auf den Kopf gestellt, zumindest in Bochum. Das Werk des Handy-Herstellers wird dicht gemacht. 2000 Menschen stehen bald auf der Straße. Die Betroffenen, als sie die Nachricht erfuhren, waren wenig amused. In den Gesichtern sah man Leere und Wut. Der Schlag kam unerwartet.
schreibt Stefan Dernbach


Nokia bekommt den Hals nicht voll. Auf dem Rücken der Beschäftigten will der Konzern seine Produktion nach Osteuropa verlagern. Mehr als 2000 Beschäftigte in Bochum sollen trotz glänzender Bilanzen ihren Arbeitsplatz verlieren. Außerdem betroffen sind 1000 Beschäftigte von Zulieferfirmen, sowie 1000 LeiharbeiterInnen.Das ist ein Skandal!
meint der Deutschusse im Internet.

Mich überrascht der tendenziell geringe Widerhall in der Blogosphere und ich denke, dass die Auswirkungen relativ gering sind, was auch hier bestätigt wird - es fehlt das Anheizen und das köcheln der Aktion:

Über den Status eines bloßen Aufrufs kommen solche Boykotte meistens nicht hinaus, sagt Psychologe Friedman. Denn zwei elementare Bedingungen seien oft nicht erfüllt. Der Grund für die Kaufblockade muss für jedermann auf den ersten Blick nachvollziehbar sein; zugleich muss der Kunde das Gefühl haben, sich auf die gute Seite einer Sache zu schlagen. „Im Fall Nokia ist das der Fall“, sagt der Forscher. „Verlorene Arbeitsplätze sind eingängig, etwas dagegen zu tun ist ein guter Grund.“ Doch das reiche nicht. Denn der Boykottaufruf müsse entweder durch Politiker oder eine Organisation kontinuierlich angeheizt werden. „Es muss jemand geben, der das Thema in den Medien hält und aufsehenerregende Ereignisse schafft.“ Dazu sei oftmals Geld nötig; ohne finanzielle Mittel habe es ein Boykott daher schwer. Auch wenn eine Internetseite nach der anderen gegen Nokia auftaucht: Eine zentrale Steuerung des Protests fehlt bislang.
Teilweise finden sich sogar Stimmen die diese Situation entweder nützen um sich Ihrem Unmut über Politiker Luft zu machen und im Ausland hat man für das Verhalten von Deutschland wenig Verständnis wie es scheint:

So, here’s the situation. About a decade ago, Nokia setup shop in Bochum, Germany. They hooked up with the local government and secured a bunch of subsidies (to the tune of $60.5 million) to help renovate a TV factory into a cellphone factory. Stipulations of these subsidies included a certain number of jobs created and a certain amount of additional funds invested in the factory over time.

Recently, Nokia announced that it was closing the plant, and moving the work to nearby Romania, which will reduce associated operating costs by about 90%. The local Germans got uber-upset, holding protests and claiming that they would never buy Nokia products again, blah blah blah. It’s been a big PR mess, and I have to say, honestly, I’m a bit dismayed at the Germans reacting so poorly. Sure, it sucks to have a big factory like that closed, but seriously?

(...)

Really, I think Germany is suffering the worst in this situation. It hasn’t really affected Nokia much on a global scale, and if I’m a company looking to setup shop, I’d be a bit more wary of Germany, if this is how big a pain it is to get out later on down the road.

liest man bei SMSTextNews.

The German state of North-Rhine Westphalia wants its €41.3 million (about $60.5 million) back. The reason? Germany wants the corporate subsidies given to Nokia back in 1998 and 1999 for its plant in Bochum. (...) Nokia also posted a staggering $2.6 billion in profit from the last quarter alone. The German authorities know a cash cow when they see it.
schreibt engagdetmobile.

Wem will Rüttgers, Struck, Steinbrück und Co. eigentlich weismachen, nicht zu wissen, wie freie Marktwirtschaft unter dem Stern der Globalisierung funktioniert? Die Geister beschwören sie doch täglich und die Zumutungen für erwerbsarbeitende und erwerbsarbeitslose Menschen erfinden sie gleich mit. Das sich Nokia nun einen Standort sucht, wo - so scheint es - noch mehr Geld zu verdienen ist, ist da doch nur konsequent. Aber anstelle Nokia zu dem Coup zu gratulieren, wird das Vorgehen des Konzerns von Struck unanständig genannt und Ministerpräsident Rüttgers meint, Verbraucher sollen sich ruhig “ein Stück wehren”. Das wird Nokia so schwer imponieren, wie eine Lichterkette auf der Berliner Regierungsbank.
bei sv63mg.

Leider scheint es so, dass Thomas Pleil mit seiner Einschätzung im Interview bei den blogpiloten nicht Recht behält, leider - aber das werden uns wohl erst die Zahlen der nächsten Quartale sagen, oder?

... Aber Nokia hat aus meiner Sicht die Reaktionen von Politik und Medien unterschätzt. Besonders aber die Macht seiner Kunden: Die sind doch nicht darauf angewiesen, ausgerechnet ein Nokia-Handy zu kaufen. Und wenn man sich schon rechtfertigen muss, mit einem Telefon eines bestimmten Herstellers zu telefonieren, dann hat dieser ein langfristiges Reputationsproblem.

Name

Url

Meine Eingaben merken?

Titel:

Text:


JCaptcha - du musst dieses Bild lesen können, um das Formular abschicken zu können
Neues Bild