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Ich habe nun 2 volle Tage auf der Web 2.0 Expo in San Francisco hinter mir und bin voll mit Input - und der 3. Tag läuft. Ich habe bisher mehr als 20 Seiten in meinem Moleskine mitgeschrieben und das heißt es gab einiges zu hören und einiges zu lernen. Hier nur mal einige der Eindrücke der bisherigen Keynotes die bei mir hängen geblieben sind ... more to come!

Gestern gab es eine Keynote von Clay Shirky die mich sehr beeindruckt hat - wenn man Clay Shirky zuhört, möchte man nochmal Student sein und in einer seiner Vorlesungen an der NYU sitzen. Clay sprach darüber, dass Freizeit eine der größten Herausforderungen für den Menschen ist und das Sitcoms das beste Heilmittel gegen die Beschwerden die im Rahmen von Freizeit auftreten können sind.

TV has been masking the cognitive surplus for more than 50 years
Aber warum beschäftigt er sich damit? Er hat überschlagsmässig kalkuliert wieviel Input in Form von Zeit hinter Wikipedia steht - einem Projekt das innerhalb weniger Jahre zu dem beeindruckendsten Beweis für kollektive Intelligenz wurde. Hinter Wikipedia stehen rund 100 Millionen Stunden Arbeit. Im Vergleich dazu verbringt die gesamte US Bevölkerung rund 200 Milliarden Stunden vor Ihren Fernsehgeräten - allein 100 Millionen Stunden pro Wochenende sind angesehene TV-Werbung!

Was bedeutet das?

Weltweit werden pro Jahr von der internetvernetzten Bevölkerung rund 1 Billion Stunden TV geschaut. Sollte sich nur 1% davon entscheiden mit Ihrer Zeit etwas sinnvolleres anzufangen, dann entspricht das einem Zeitbudget für 10.000 100 Wikipedia Projekte! (Korr. siehe Kommentare) Diese Zahlen und Überlegungen im Hinterkopf,wird klar wir stehen erst am Beginn einer Entwicklung.

1% des jährlichen TV-Konsums der globalen Internet Bevölkerung ist das Budget für 10.000 100 kollaborativer Projekte einer Größenordnung wie Wikipedia

Beeindruckend war auch die KeyNote von Tim O'Reilly selbst - diese so wie die gesamte Web2.0Expo selbst - im Moscone Center in San Francisco wo auch immer die KeyNotes von Steve "Apple" Jobs höchstselbst stattfinden. Und Tim O'Reilly wurde den Ansprüchen gerecht. In erster Linie dadurch, dass er eine perfekte pathetische Inszenierung nach amerikanischem Vorbild ablieferte. Doch was hat uns Tim inhaltlich mitgegeben.

Er wollte nicht auf eine ganze Reihe realer schlechter aktueller Schlagzeilen eingehen sondern legte seinen Fokus auf die tieferliegenden Trends hinter der Entwicklung "Web2.0" und die daraus resultierenden 3 großen Opportunities:

>> Enterprise 2.0
>> Web 2.0 = the cloud + Operating System
>> Ambient computing

Im Bereich Enterprise 2.0 stehe man noch ganz am Beginn und eine lange Phase des trial & error stehe noch bevor. Als positive Beispiele nannte er DELL Ideastorm bzw. die konsequente Vorwärtsintegration des O'Reilly Verlags mit O'Reilly inPractice:

Our intensive, one-day Boot Camp will show you how the Social Web can transform your business, including hands-on training and practical advice on how and when to use Web 2.0 technologies to win with your customers and employees.
Eine großartige Idee aus meiner Sicht und mir unbegreiflich, warum in D/A/CH noch kein Fachverlag diese business opportunity ansatzweise begriffen hat - die angesichts der KMU Struktur in D/A/CH gigantisch ist.

"We created O'Reilly InPractice to assist companies that are serious about applying Web 2.0 principles but don't know how or where to start"
Tim O'Reilly

Interessant fand ich auch den Gedanken, dass Googles Page Rank einer der Anfänge von Web2.0 war. Der PageRank Mechanismus erkannte den Wert von Links und wertet einen Link als ein Votum und das ist der Beginn von Partizipation - einer der zentralen Säulen des Web 2.0.

Als Beispiel zu Enterprise 2.0 brachte er auch Wesabe (eine Firma in der Tim O'Reilly investiert ist):



Wesabe versucht die kollektive Intelligenz im Bereich der persönlichen Finanzen anzuzapfen und seinen Kunden zu Ihrem Vorteil zugänglich zu machen. Etwas, das Banken mit den Daten die Ihren zur Verfügung stehen seit Jahren machen hätten könnten.

O'Reilly verwies auch auf einen interessanten Blogpost der die aktuelle Bewertungsunterschiede zwischen Facebook und Automattic (der Firma hinter Wordpress) hinterfragt, die sichtlich nicht im Vergleich der fundamentalen Daten liegt:

facebook-growth-vs-wordpress-growth

Es sieht so aus, als würde der Markt so wie immer schon Zentralisierung honorieren. Doch wie sind die negativen Auswirkungen dessen zu umgehen?Die Lösung liegt in der Daten Interoperabilität ...

Um die Idee von cloud computing bzw. ambient computing anhand sinnvoller und nutzenstiftender Anwendungen zu illustrieren verwies O'Reilly auf das Quake Catcher Network:

The Quake-Catcher Network is a collaborative initiative for developing the worlds largest, low-cost strong-motion seismic network by utilizing sensors in and attached to internet-connected computers.
Durch die Verwendung von tausenden bestehenden "motion sensors" verspricht man sich mehr über Erdbeben zu erfahren und dadurch früher, hoch qualitativere Warnungen auszusprechen.

Tim O'Reilly schloß mit dem Gedicht der Schauende von Rainer Maria Rilke:

(...) Wie ist das klein, womit wir ringen,
was mit uns ringt, wie ist das groß;
ließen wir, ähnlicher den Dingen,
uns so vom großen Sturm bezwingen, -
wir würden weit und namenlos. (...)

und schloß mit dem emotionalen Appell to look for big hairy audacious goals

web2expo
jensdoerr (anonym) meinte am 25. Apr, 11:09:
Rechenfehler???
Guter Beitrag, doch ist oben nicht ein deutlicher Rechenfehler (oder Formulierungsfehler?) unterlaufen? Wenn das TV-Budget eine Billion Stunden jährlich beträgt, schauen ein Prozent davon also 10 Milliarden Stunden lang. Das wäre die Zeit, in der man 100 Wikipedias erstellen könnte und nicht 10.000. Immer noch sehr viel, aber doch ein gewaltiger Unterschied. Oder bezogen sich die 10.000 auf der Annahme, dass ALLE TV-Zuschauer ihre Zeit stattdessen für andere Projekte aufwenden? (Das wäre dann aber nur ein theoretischer Wert, weil keineswegs alle Internet-Nutzer TV TV sein lassen). Oder mache ich irgendwo einen Denkfehler? Fragen über Fragen ;-) 
Sierra antwortete am 28. Apr, 16:17:
gute Frage.
Hi Jens, danke für den Hinweis. Also deine Kalkulation stimmt - ich hab nochmal in meinen Notizen nachgesehen und da steht das so drinnen. Ist nun die Frage ob ich was falsch notiert oder gehört hab oder Clay was anderes erzählt hat. Ich frag ihn mal einfach .... 
Sierra antwortete am 30. Apr, 11:17:
Nachricht von Clay Shirky
Hi Jens, habe nun Nachricht von Clay Shirky bekommen:

yeah, i mispoke at the talk, and it ended up in the transcription -- i
fixed it, thanks

-c

Naja, kann den besten passieren ;-) Danke für den Hinweis - ein Beweis für kollektive Intelligenz bzw. für kritischen Medienkonsum! Unabhängig davon eine trotzdem beeindruckende Zahl ... 
Sierra meinte am 5. Mai, 08:46:
Transkript von Clay Shirky
hier das Transkript der Keynote von Clay Shirky mit den korrigierten Angaben:

http://www.shirky.com/herecomeseverybody/2008/04/looking-for-the-mouse.html