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Gestern gab es großes Wahlkampfgetöse im Parlament und unter anderem wurden in einem Akt letztklassigen Populismus die Studiengebühren abgeschafft.

Die Damen und Herren die das beschlossen haben waren wohl noch nie oder schon Jahrzehnte nicht mehr auf einer Universität. Ich habe mein Studium an der WU-Wien vor knapp 4 Jahren abgeschlossen. Schon damals waren die Betreuungsverhältnisse eine Katastrophe - teilweise mehrere hundert Menschen und 1 Vortragender ... Genauso Engpässe bei Prüfungen, Diplomarbeitsbetreuungen usw.

Ein großer Teil der Studenten an der WU Wien hatte nicht das geringste Interesse an diesem Studium aufgebracht und hat all jene die interessiert waren und zügig studiert haben aufgehalten. Ich habe unzählige Prüfungen erlebt wo Prüfungstermine einfach nicht wahrgenommen wurden.

Ich habe 1 Semester an der GSM der UCI studiert - wo zigtausende Dollar Studiengebühren zu zahlen sind. Dort gab es ausschließlich hochmotivierte und ambitionierte Studenten. Jede Gruppenarbeit war eine Freude und hat Spaß gemacht. Das Betreuungsverhältnis war großartig. Jeder Absolvent hat tolle Jobaussichten.

Wir schaffen gerade Universitäten 2. Klasse an denen Nivellierung nach unten erfolgreich implementiert ist. In Zukunft ist ein Studienabschluß in Österreich nichts mehr wert und für den Arbeitsmarkt nicht mehr einschätzbar. Darunter leiden vor allem ambitionierte junge Menschen.

Ich hätte für folgendes plädiert:

* eine deutliche Anhebung der Studiengebühren.

* Die Mittel daraus zweckgebunden den Unis zur Verfügung gestellt.

* Weiters massive Mittelerhöhung für die Unis in Österreich in Richtung schweizer Verhältnisse.

* Ausbau der Finanzierungmöglichkeiten des Studiums für sozial schwache Studenten durch zinsenfreie Darlehen.
Peter Ungvari (Gast) meinte am 25. Sep, 12:52:
Mangelnder Diskurs
Wenn wundert's - politischer Diskurs ist in Österreich ein Fremdwort, inner- und außerhalb des Parlaments. 
Melanie (Gast) meinte am 25. Sep, 13:49:
Bildungspolitik
Das Problem fängt doch nicht erst bei der Universität an. Wenn die Politik es nicht schafft, das Schulsystem zu verbessern, warum soll das dann bei den Unis klappen. Sicherlich zeigen ausländische Beispiele, dass hohe Studiengebühren Anreiz sein können. Aber ich befürchte leider, dass diese "Finanzierungsmöglichkeiten für sozial schwache Studenten" nicht finanzierbar wären in den Umfang. Die Gefahr einer 2 Klassen Bildung steht da leider immer im Raum. Ich glaube es müssten viel strengere Aufnahmebedingungen gesetzt werden, weil mit Geld kann man sich noch lange die Qualifizierung für ein Studium erkaufen.
Ich habe in Deutschland mein Studium ebenfalls durch staatliche Förderung finanziert bekommen. So habe ich mir den "Luxus" erlaubt, als Student nicht nebenbei Jobben zu müssen (was ich bei einer hohen Studienmotivation eh für fast unmögich erachte). In ca. 3 Jahren werde ich dann mehrere tausend Euro dieser Förderung zurückzahlen müssen, in der Hoffnung bis dahin ein stabiles Einkommen zu haben. Schön war doch die Studienzeit! 
Markus Pirchner (Gast) meinte am 25. Sep, 13:53:
Das Kreuz mit der Kausalität
Ich habe mein Studium vor 28 Jahren beendet. Wir hatten damals nicht nur keine Studiengebühren zu bezahlen, sondern haben auch noch (erfolgreich) für die Abschaffung der Prüfungsgebühren gekämpft. Interessanterweise hatten auch wir Vorlesungen, bei denen die Studierenden bis vor die Türen der größten Hörsäle gestanden/gesessen sind. Nur waren das lauter hochmotivierte, interessierte und geradezu diskurswütige Menschen. Aber nur bei Professoren, die auch etwas zu sagen hatten und vernüntige Vorlesungen abgehalten haben.
Am Geld (Kosten) kann es (zumindest damals) nicht gelegen haben.
Zu hoffen, dass hohe Studiengebühren zu einer nachhaltigen Entspannung führen, halte ich für eine Illusion. Die Plätze werden dann halt von Schnöseln okkupiert, denen der Papi die Gebühren aus der Portokasse blecht. 
Sierra antwortete am 25. Sep, 14:07:
Bessere Professoren notwendig!
Der Hinweis auf die Professoren gilt. Aber meine Erwartung wäre, dass allgemein mehr Geld für Unis auch dazu führen würde, dass nicht nur Leute an den Unis sind die in der Praxis scheitern, sondern eben fesselnde Professoren. In den USA hatten wir in jeder 2. Veranstaltung ronmmierte Unternehmer zu Gast die uns jeweils enorm an Ihrer Erfahrung profitieren ließen. Und wie gesagt, es geht lediglich darum Möglichkeiten zur Finanzierung eines Studiums zu bieten - wer sich dann noch abschrecken lässt will vielleicht eh nicht wirklich studieren. 
MasterOfDesaster (Gast) antwortete am 25. Sep, 14:39:
Kohle hin, Kohle her...
Die Unis, oder besser das Bildungsystem, ist ziemlich marod - keine Frage.

Mehr Geld rein zu stopfen heisst aber nicht automatisch dass sich irgendetwas bessert. Genauso wie die Studiengebuehren abzuschaffen nix an der Qualitaet an sich aendern wird.

Das Prinzip der frei zugaenglichen Unis ist aber ein erhaltenswertes. Das erleichter den Zugang. Deshalb halt ich das fuer eine guten Schritt. Mal sehn wies weiter geht. 
Helmuth (Gast) meinte am 25. Sep, 14:28:
Hört, hört
Also diese Schwarzmalerei bin ich von Sierra nicht gewöhnt. Bei der gestrigen Debatte wurde nicht nur eine Zugangsbeschränkung diskutiert und im Endeffekt abgeschafft, sondern auch eine Budgeterhöhung für die Universitäten in Aussicht gestellt. Dieses Studiengebührenmodell war schon bei der Einführung nicht so ausgelegt, wie es vielleicht in manch anderen Ländern der Fall ist. Und nach der Einführung hat sich auch wirklich kaum etwas verändert. Somit wurde das Modell nun auch wieder abgeschafft. Der Weg in Österreich wird ein anderer sein müssen. Das wird die Aufgabe eines nächsten Ministers. 
Tom Schaffer (Gast) meinte am 25. Sep, 15:02:
da bin ich völlig anderer meinung (http://zurpolitik.com/?p=1052) zuerst muss die qualität stimmen, dann können die gebühren kommen. nicht umgekehrt. 
Sierra antwortete am 25. Sep, 16:49:
Das ist schon richtig, dass die Qualität auch stimmen muß um Gebühren zu rechtfertigen. Ich bin nur wirklich der festen Überzeugung, dass eine beträchtliche Anzahl der Studenten nicht um des studieren Willens an den Unis ist sondern aufgrund von Orientierungslosigkeit, Langeweile bzw. "weils mein Papa so will" - ist weiß das ist nicht sehr populär, das auszusprechen aber ist meine ehrliche Erfahrung aus meiner Studienzeit.

Dass die aktuellen Studienbedingungen katastrophal sind das glaub ich gern - Studiengebühren sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein und ich stimme vollkommen überein, dass die allgemeine Budgetpolitik am Bildungssektor verfehlt und zukunftsverneinend ist. 
blundstone (Gast) meinte am 25. Sep, 19:09:
erhöhte studiengebühren etc.
gibt ein für und wider.

wider, dass "finanzierungsmöglichkeiten" für sozial schwache studenten zur folgenden situation führen:

rich kids können ohne schulden in die arbeitswelt starten, poor kids haben (in den uk) knappe 2000-4000 pfund studiengebühren pro studiumsjahr zurückzuzahlen.

natürlich is man mit 18 oder 20 meist net weitsichtig genug welche auswirkungen das tatsächlich haben kann, oder wird, monetär. dann studiert man mal 4 jahre und steckt schon so tief in der kreide dass man dafür mal jahrelang einen teil seines gehalts opfern muss. das treibt leute dazu, die economics studien zu überrennen, nur um danach draufzukommen, dass einem das brotlose geschichtsstudium viel mehr gefallen und interessiert hätte.

zusätzlich wird durch die jahrelangen rückzahlungen an den staat der lebensstandard der "sozial schwachen" niedriger gehalten als er sein müsste, zusätzlich zur steuerbelastung.

da könnt ich jetzt noch weiterlabern ohne ende, aber naja. meines erachtens sind's meistens die mit dem goldenen löffel im arsch, die sich treiben lassen (können). ein momentan "sozial schwacher" student muss eh einen oder zwei nebenjobs haben um sich durchzuschlagen, ohne ginge es kaum.