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Neun Wochen Urlaub im Sommer, zwei Wochen Urlaub im Winter, eine Woche Urlaub zu Ostern, eine Woche Urlaub in den Energieferien, dazu die schulautonomen Tage, keine Bewertung und regelmässige Leistungsüberprüfung durch die Kunden (= Schüler) sondern alle zwei Jahre Lohnsteigerungen dafür nur 20 Stunden Anwesenheit am Arbeitsplatz.

Klingt nach Alice im Wunderland? Ist aber der Alltag von Lehrern in Österreich.

Im Rahmen meiner Schulausbildung war die Zahl engagierter und toller Lehrer dünn gesät - nicht die vielen schlechten Lehrer, sondern die wenigen guten blieben in Erinnerung. Und was waren die zentralen Motive von ehemaligen Kollegen und Bekannten die LehrerInnenLaufbahn einzuschlagen? Die Fakten aus dem 1. Absatz! Vorbereitung zu Hause? Lachhaft - 90% beten den gleichen Stoff 1:1 jedes Jahr aufs neue runter. Damals noch mit den immer gleichen Overhead Folien ... Es möge widersprechen, wer es anders erlebt hat.

Rundherum verlieren Menschen Ihre Arbeit, andere sind mit Kurzarbeit oder Aufforderung zum Lohnverzicht konfrontiert - Nur die Lehrer verschließen bequem die Augen und werden in einer verantwortungslosen Klientelpolitik von der ÖVP dabei unterstützt. Wegen 2 Stunden mehr Anwesenheit im Klassenzimmer! In dieser Situation stehen laut einer market Umfrage 71% der ÖsterreicherInnen hinter Bundesministerin Schmied.

Ja, die Lehrer sollen streiken - das wäre die beste Zeit den längst radikalen Bruch zu vollziehen. Schule nicht mehr für die Lehrer konzipieren, sondern für den Schüler. Es braucht ohnehin mehr Schüleranwälte wie Andreas Salcher bzw. alternative Bildungskonzepte wie die Walz. Lehrer sind heute die Antithese vom Lernen - sie sind die personifizierte Starre die verzweifelt um sich schlägt in einer dynamischen Welt. Ich wäre gespannt wie hoffnungslos verloren ein großer Teil der LehrerInnen auf einem freien Markt der Wirtschaft wäre anstatt in der geschützten Werkstatt.


dazu ein passender Hinweis von George Siemens der sich interessante Gedanken zu einer learning theory in the digital age gemacht hat.
Sebastian (Gast) meinte am 7. Mrz, 11:44:
Ich glaube das eines der größten Probleme ist, dass alle LehrerInnen immer über einen Kamm geschert werden. Aus meiner Schulerfahrung heraus bin ich absolut gegen die Arbeitszeiterhöhung, da fast alle meiner LehrerInnen extrem engagiert waren und eben wirklich für jede Stunde etwas Neues und Aktuelles vorbereitet hatten, was klarerweise einen enormen Arbeitsaufwand bedeutet. Andererseits kenne ich von vielen anderen Leuten auch Erfahrungen, die deinen ähnlich sind und weiß daher, dass meine Erfahrungen eher einer positiven Ausnahme entsprechen.
Die Aktuelle Debatte zeigt meiner Meinung nach, dass eine prinzipielle Änderung des Dienstrechts notwendig ist, die den Schulen deutlich mehr Autonomie gibt. Es ist schließlich unmöglich Qualitätsmanagement auf Bundesebene zu betreiben und daher sollten aus meiner Sicht heraus sämtliche Schulen einfach ein Budget pro SchülerIn erhalten und mit diesem frei haushalten können, was auch bedeutet, dass sie LehrerInnen selbst einstellen und entlassen können. Dies müsste natürlich auch mit einer ausgereiften Evaluierung einhergehen, sodass es für schlechte LehrerInnen auch tatsächlich Konsequenzen gibt.
Zudem finde ich, dass der Lehrerberuf finanziell aufgewerter gehört, wenn man wirklich kompetente Leute anziehen will. Sämtliche gute LeherInnen, die ich hatte waren durchaus idealistisch veranlagt, da einige von ihnen bereits einen anderen Job hatten bzw. ohne Probleme einen anderen Job hätten finden können, wo sie deutlich mehr verdient haben bzw. hätten. 
Sierra antwortete am 8. Mrz, 12:41:
Stimmt, es gibt positive Ausnahmen - ich hatte auch welche (wenige). Deine positiven Erfahrungen in dem Ausmaß habe ich leider nicht geteilt - trotzdem, in vielem stimme ich Dir zu:

* prinzipielle Änderung des Dienstrechts notwendig
* den Schulen deutlich mehr Autonomie
* unmöglich Qualitätsmanagement auf Bundesebene
* ausgereiften Evaluierung
* für schlechte LehrerInnen auch tatsächlich Konsequenzen
* Lehrerberuf finanziell aufgewertet

alles richtig - nur das würde ein Kundenorientiertes Vorgehen bedeuten und sehr viel Veränderung benötigen die ich nicht und nicht sehe ... 
Andreas (Gast) meinte am 7. Mrz, 12:13:
Kann dazu nur meinen Tweet wiederholen
"mit dem lehrberuf ist es wie mit sex: jeder meint, etwas davon zu verstehen, weil es jeder schon ein paar mal erlebt hat #lehrer"

Sorry Dieter, schätze deinen Blog, aber dieser Post war wohl nichts. Wieviele Lehrer hast du in deinem Leben erlebt? 20? repräsentativ?

Man soll doch endlich Nägel mit Köpfen machen. Stellt jedem Lehrer einen angemessenen Arbeitsplatz in der Schule zur Verfügung inkl. allem, was man heute halt so braucht.

Baut die Schulen aus, damit wirklich Kleingruppenunterricht stattfinden kann.
Dann hätte man auch die Klassen für die Nachmittagsbetreuung.

Dafür sollte das Geld da sein und nicht für Mogelpackungen wie "Neue Mittelschule".

Wenn die Voraussetzungen passen, dann kann auch jeder Lehrer seine 40 Stunden in der Schule abarbeiten, wenn 40 Stunden überhaupt reichen.

btw: wenn der Job so gut ist, wieso werden dann nicht alle Lehrer?

Ich finde, dass Lehrerbashing unter deinem Niveau ist.

btw: bin kein Lehrer, bin aber mit einer verheiratet. 
Sierra antwortete am 8. Mrz, 13:00:
Ich verstehe, dass so eine ehrliche Meinung schwer anzunehmen ist, wenn man sich indirekt bzw. persönlich betroffen fühlt.

Nein, nicht repräsentativ - ich gehöre nur zu den 70% der Bevölkerung die kritiklos hinter einer Berufsgruppe stehen. Und nachdem ich mit meinen Steuern auch dafür aufkomme, mute ich mir auch ein Urteil zu, auch wenn sich dieses sichtlich von deinem unterscheidet.

Du sprichst aber ein Problem sehr gut an - anscheienend können nur Lehrer eine Meinung zum Thema Lehrer haben? Dies verhindert von vornherein eine kritische Diskussion.

einen angemessenen Arbeitsplatz in der Schule zur Verfügung inkl. allem, was man heute halt so braucht.

Was heißt das? Ist ein wenig schwammig?

Und unabhängig von den zu Recht angesprochenen Problemen im Bereich Infrastruktur - das ist kein Hindernis sich zu engagieren. Auch wenn meine letzte Schulstunde über 12 Jahre zurückliegt - die Erinnerungen sind noch recht deutlich.

wenn der Job so gut ist, wieso werden dann nicht alle Lehrer?

Der Job ist nicht so gut! Ganz und gar nicht - aber angelockt werden nur allzu viele nicht von der Leidenschaft die Entwicklung von jungen Menschen zu fördern, sondern von der Aussicht auf eine ruhige Kugel ... Diese werden meist schwer enttäuscht und zu zynischen Lehrern die in Ihrer Laufbahn tausenden SchülerInnen das lernen vermiesen.

Der Lehrerjob ist kein leichter, deshalb sollte er gut bezahlt sein (ist er aus meiner Sicht) - aber die Leistung sollte gemessen, geprüft, kontrolliert werden. Derzeit gibt es keine Qualitätssicherung im Sinne der Schüler.

mit "Lehrerbashing" kann ich wenig anfangen - Kritik ist aber notwendig, dort wo sie angebracht ist. 
Andreas (Gast) antwortete am 8. Mrz, 19:11:
Es gibt in jeder Berufssparte Leute, die sich vorbildlich engagieren und solche die nur mitschwimmen, da sind wir uns glaube ich einig. Was mir im Moment so extrem auf die Nerven geht (deswegen war vielleicht der eine oder andere Satz im Posting auch ein wenig extrem, sorry dafür), ist die Tatsache, dass wieder einmal von allen Seiten auf die Lehrer eingedroschen wird.

Es ist nicht alles so einfach, Werteinheiten ist nicht gleich Unterrichtsstunden, Überstunden der Lehrer nicht gleich Überstunden für Angestellte usw.

Darauf wird aber nicht Rücksicht genommen und die Medienauftritte sind zu kurz, um das zu erklären, da müssen plakative Ansagen her.

Beispiel Überstunden: Wenn ich in der Privatwirtschaft Überstunden mache, dann sind diese einmalig (am Freitag habe ich 2 Überstunden gemacht). In der einen Woche gibt es mal ein paar mehr, in der anderen mal ein paar weniger. Bei den Lehrern bleiben die Überstunden aber das ganze Jahr gleich (sonst wäre das Erstellen der Stundenpläne nicht möglich).

Ein Angestellter, der am Ende des Monats 2 Überstunden hat, der hat eben 2 Überstunden. Ein Lehrer hat im Sprachgebrauch ebenfalls 2 Überstunden, tatsächlich ist er aber 4 (Wochen) x 2 Stunden in der Klasse gestanden.

Wobei das auch nicht stimmt. Die Stunden werden nicht in Stunden sondern in Werteinheiten berechnet. Die Skala geht IIRC von 0,9 (Nebenfächer) bis 1,4 (Hauptfächer) Werteinheiten pro Schulstunde. Ein Zeichenlehrer z. B. muss für 20 Werteinheiten wesentlich mehr Stunden halten, wie z. B. ein Deutschlehrer, der dafür wieder mehr Korrekturarbeiten (Schularbeiten, usw.) machen muss.

"Nein, nicht repräsentativ - ich gehöre nur zu den 70% der Bevölkerung die kritiklos hinter einer Berufsgruppe stehen." da fehlt ein "nicht" vor kritiklos, oder?

Von kritiklos ist keine Rede. Wie gesagt, es gibt solche und solche. Aber ich bin dagegen, dass Argumente wie "Die Arbeiten nur 20 Stunden und ich 40" kritiklos angenommen werden.

Gute Bezahlung: Klar, wenn man erst mal einieg jahre auf dem Buckel hat, kann man als Lehrer gut leben. Was ist aber mit den Junglehrern, die noch keine fixe Stelle haben? Das Einstiegsgehalt ist niedrig und vielfach wissen sie im Juli noch nicht, ob sie im September wieder Stunden bekommen werden. So prickelnd ist das nicht.

Auf die Verschiebung der erzieherischen Tätigkeiten vom Elternhaus in Richtung Schule gehe ich jetzt nicht groß ein, nur eines:

Mir tut es aber weh, wenn ich z. B. sehe, dass die Eltern nicht mehr bereit sind, sich mit ihrem Kindern hinzusetzen und zu lernen, zu lesen oder zu rechnen (ich rede jetzt nicht von irgendwelchem Fremdsprachen oder Differentialrechnungen). Ist meine persönliche Meinung, sehen andere sicher anders.

Stichwort Evaluierung: Schüler sind Kunden, aber "gezwungene" Kunden. Es herrscht Schulpflicht (zumindest bis IIRC zum 16. Lebensjahr). Deswegen erscheint mir auch eine ausschliessliche Evaluierung durch die Schüler problematisch. 
Johanna (Gast) antwortete am 10. Mrz, 14:40:
Das sich etwas verändern muss, ist klar. Was ich an der Diskussion aber problematisch finde: Die Lehrer werden fast nur als diejenigen dargestellt, mit denen etwas gemacht werden muss, denen mehr Geld gezahlt werden muss, die evaluiert werden müssen, denen das Dienstrecht und das Arbeitumfeld verändert werden muss usw. - Glaubt ihr nicht, dass jede nachhaltige und sinnvolle Veränderung zuallererst von den Lehrern selbst ausgehen muss, dass es sich hier notwendigerweise um Einstellungen und Verhaltensweisen handelt, die verändert werden müssen? Wenn man dazulernt, dann doch nur, weil man selbst die Notwendigkeit einer Veränderung erkannt hat, oder? Und diese Notwendigkeiten werden sich durch erzwungene Maßnahmen von außen meiner Meinung nach nicht unbedingt einstellen... 
Johanna (Gast) meinte am 7. Mrz, 16:40:
"Interessante Gedanken"?
Interessante Gedanken? Wenn sie vor 20 Jahren gekommen wären, vielleicht. Mittlerweile ist die Forschung doch ein ganzes Stück weiter. Was George Siemens hier als neu präsentiert, ist eine seltsame Mischung aus unverstandener, bereits existierender Lerntheorie, als deren Fundament "konnektivistische" Ideen - wenn man sie so nennen will - bereits seit Jahrzehnten existieren, der achtlosen Vermengung verschiedener lernpsychologischer Erkenntnisse und aus dem Hinweis auf Umwälzungen in allen Bereichen des Lebens, wie sie ebenfalls schon seit Jahren wahrgenommen und untersucht werden. Schade, es gibt wahrlich Gehaltvolleres zu diesem Thema! 
Sierra antwortete am 8. Mrz, 13:01:
schade - wenn das alles "eh klar u ein alter Hut" ist dann ist es in den Schulen noch nicht angekommen? (wie gesagt zumindest nicht bis vor 12 Jahren) ... 
Johanna (Gast) antwortete am 9. Mrz, 15:02:
Theorie und Praxis sind leider zwei verschiedene Paar Schuhe. Zum einen ist bis heute generell nicht ganz klar, auf welche Art und Weise Theoriewissen in die Praxis umgesetzt wird, denn es geht hier nicht um die einfache Umsetzung neuer analytischer Formeln wie etwa bei Ingenieuren. Es geht hier mehr um implizites Handlungswissen. Und zum anderen muss dieses Wissen erst einmal zu den Lehrern gelangen. Und die sind bis heute im praktischen Ausbildungsabschnitt kaum (Wer betreut die Berufsanfänger anderes als Lehrer, die in der Regel nach ihren eigenen, jahr(zehnt)elang vermeintlich bewährten Mustern handeln?) und in Fortbildungen noch weniger zu erreichen, denn die sind in der Regel zu rar gesät und erreichen nur denjenigen, der ohnehin offen für Veränderungen ist. Wenn wir etwas jedenfalls besitzen, dann wohl neue Ideen und Theorien dieser Art, wie sie oben angesprochen wurden. 
Martina D. (Gast) meinte am 10. Mrz, 13:39:
yes, yes und nochmal yes. danke, du bringst es genau auf den punkt! ich würde mal gerne sehen, wie sich jene lehrer, die seit jahren dieselben unterlagen verwenden, in der privatwirtschaft machen, wo der kunde nur darauf wartet feedback zu geben... 
sofastar (Gast) antwortete am 22. Mrz, 17:33:
Nicht nur in eine Richtung denken
Interessant wäre es aber auch, wie sich jene Experten aus der Privatwirtschaft machen, die seit Jahren ihre Besserwisserei kundtun, und anscheinend damals, als sie selbst noch zur Schule gingen, ganz leise waren, anstatt ihren Lehrerinnen und Lehrern Feedback zu geben, weshalb sie ihren Schulfrust noch immer mit sich rumschleppen... 
Sierra antwortete am 22. Mrz, 19:19:
berechtigt!
stimmt - ich war damals kein großer Schüleranwalt, sondern bin klar den Weg des geringsten Widerstandes gegangen. Interessant ist, dass ich mich an niemanden erinnere (meiner MitschülerInnen) der sich in dieser Richtung engagiert hätte ... waren die Erfolgsaussichten so gering?