Ein Vortrag von Jimmy Wales, Initiator von Wikipedia, mit dem Untertitel "We don't need a business model, we're just doing it"
Er begann recht einfach und erklärte was Wikipedia ist, was die wikimedia foundation ist, fragte ins Publikum wer Wikis kennt (da zeigten ein paar auf) und fragte wer schon mal in Wikipedia contributed hat (da zeigte glaub ich nur mehr ich auf ;-)
Dann brachte er, dramaturgisch ein paar Zahlen - macht offene Münder. Also allein im englischen Wikipedia stehen mehr als 200 Millionen Wörter. Wow.
Interessanter war schon, dass Deutsch als Sprache in Wikipedia komplett überrepräsentiert ist im Vergleich zu anderen Sprachen. Interessant und überraschend mit dem Hintergrund, dass die deutschsprachige Blogosphere ja international gesehen unterentwickelt ist. Aber alles in allem gibt es 22 Sprachen mit mehr als 10.000 Artikeln...
Dann erzählte er von den jüngeren Derivaten wie Wikibooks (das sehr spannend wird), Wikisource, Wikinews (da wollte ich fragen ob und wie das mit Google News Sinn machen könnte?), usw.
Dzt. hat Wikipedia rd. 500 Mio. PIs pro Monat und noch immer verdoppeln Sie sich alle 2-3 Monate. Derzeit stehen hinter Wikipedia rund 70 Server.
Dann philosophierte er über das Phänomen, dass eigentlich die besten, oder sehr hochqualitative Artikel überleben, sprich Letztfassungen sind. Das ginge ja in ein beinahe pseudo darwinistisches Prinzip... Aber im Prinzip wird Wikipedia von ein paar 100 Freiwilligen weltweit am Laufen gehalten.
Dann sprach er von der 80/20 Regel und er fragte sich ob sich die bei Wikipedia bewahrheiten würde? Mehr als das! In der englischen Version wurden über 50% des gesamten Contents (remember 200 Mio words) von rund 0,7% der User eingebracht = 524 Personen! Was für eine Redaktion. Und rund 2% der User, also 1474 Personen, sind für rd. 74% des gesamten Contents Verantwortlich. Insofern, wenig Schwarm, wenig kollektive Intelligenz - zumindest weniger als ich dachte, sicherlich mehr als bei Encarta oder Britannica. In der deutschen Ausgabe werden übrigens 90% des Contents von 9% der User (212 Personen) gestellt. Ich sehe, das durchaus noch als großes Potential...
Auf die Frage "so how do we ensure quality?" antwortete er so, kurz gesagt: mit einem Modell, das automatisierte Qualitätssicherung mit "human judgement" verbindet > dies hat auch Auswirkungen auf die "Governance" von Wikipedia auf die ich noch komme.
Die Core principles von Wikipedia sind kurz gesagt:
- Free knowledge
- increase the sense of shared ownership
- decrease the sense of ownership
Und er forderte alle Anwesenden auf, viel offener mit Content zu sein, denn "the more content you put out there for free, the more traffic comes back!"
Ganz wichtig ist auch der NPOV, die neutral point of view policy. Die ist das soziale Konzept für Kooperation - das ganze würde scheitern, wenn der Anspruch wäre "alles was in Wikipedia steht muss wahr sein" - das würde "Glaubenskriege" provozieren.
Aber am allerspannendsten wurde es am Schluß als er über die Governance von Wikipedia sprach und er drückte es aus als einen "confusing but workable mix of:"
consensus
da sthet die NPOV Idee dahinter, die ergeben soll, das was entsteht, mit dem alle leben können.
democracy
in dem Sinn, dass es zB delete Votes gibt, wo abgestimmt wird ob und warum was gelöscht werden sollte. Wobei das mehr "polls" als echte "votes" sind.
Aristocracy
D.h. das einzelne User mit ganz besonderen Rechten ausgestattet werden können, aber nicht ohne Grund, sondern weil Sie sich durch Ihr Verhalten als würdig erwiesen haben und weil man mit größtmöglicher Sicherheit annehmen kann, dass Sie Ihre neuen zugeteilten Rechte nicht mißbrauchen werden. Wie zB Angela.
Monarchy
Das ist Jimmy Wales itself. Er ist sowas wie die Queen of England. Ein Staatsoberhaupt, das sich nicht, oder so wenig wie möglich in tagespolitische Belange einmischt, aber in Krisensituationen als ultimative Entscheidungsinstanz immer zum Wohle des Gesamtprojekts notwendige Entscheidungen trifft. Dies auch nur im Sinne einer "social flexibility" so wie Jimmy meinte "that our rules can't be used against us"
Und das fand ich nun wirklich sehr, sehr cool. Jetzt liegt ja offen am Tisch, wie effektiv, schnell, beweglich, flexibel, erfolgreich Wikipedia ist und er verrät uns die grundlegenden aufbauorganisatoren Prinzipien dahinter (wenn auch in romantische Metaphern verpackt).
Und da hab ich dann am Ende des Vortrags auch mit Herzklopfen eine Frage dazu gestellt:
"Does this imply ideas & options for organisational models within the corporate world?"
Jimmy bestätigte meine Annahme und kam natürlich auf bekannte Konzepte wie weg von Top Down, hin zu Bottom up, Grass Root, etc. zurück. War echt ein extrem toller Vortrag!
Es gibt auch Bilder und auch ein Interview im Spiegel.
Er begann recht einfach und erklärte was Wikipedia ist, was die wikimedia foundation ist, fragte ins Publikum wer Wikis kennt (da zeigten ein paar auf) und fragte wer schon mal in Wikipedia contributed hat (da zeigte glaub ich nur mehr ich auf ;-)
Dann brachte er, dramaturgisch ein paar Zahlen - macht offene Münder. Also allein im englischen Wikipedia stehen mehr als 200 Millionen Wörter. Wow.
Interessanter war schon, dass Deutsch als Sprache in Wikipedia komplett überrepräsentiert ist im Vergleich zu anderen Sprachen. Interessant und überraschend mit dem Hintergrund, dass die deutschsprachige Blogosphere ja international gesehen unterentwickelt ist. Aber alles in allem gibt es 22 Sprachen mit mehr als 10.000 Artikeln...
Dann erzählte er von den jüngeren Derivaten wie Wikibooks (das sehr spannend wird), Wikisource, Wikinews (da wollte ich fragen ob und wie das mit Google News Sinn machen könnte?), usw.
Dzt. hat Wikipedia rd. 500 Mio. PIs pro Monat und noch immer verdoppeln Sie sich alle 2-3 Monate. Derzeit stehen hinter Wikipedia rund 70 Server.
Dann philosophierte er über das Phänomen, dass eigentlich die besten, oder sehr hochqualitative Artikel überleben, sprich Letztfassungen sind. Das ginge ja in ein beinahe pseudo darwinistisches Prinzip... Aber im Prinzip wird Wikipedia von ein paar 100 Freiwilligen weltweit am Laufen gehalten.
Dann sprach er von der 80/20 Regel und er fragte sich ob sich die bei Wikipedia bewahrheiten würde? Mehr als das! In der englischen Version wurden über 50% des gesamten Contents (remember 200 Mio words) von rund 0,7% der User eingebracht = 524 Personen! Was für eine Redaktion. Und rund 2% der User, also 1474 Personen, sind für rd. 74% des gesamten Contents Verantwortlich. Insofern, wenig Schwarm, wenig kollektive Intelligenz - zumindest weniger als ich dachte, sicherlich mehr als bei Encarta oder Britannica. In der deutschen Ausgabe werden übrigens 90% des Contents von 9% der User (212 Personen) gestellt. Ich sehe, das durchaus noch als großes Potential...
Auf die Frage "so how do we ensure quality?" antwortete er so, kurz gesagt: mit einem Modell, das automatisierte Qualitätssicherung mit "human judgement" verbindet > dies hat auch Auswirkungen auf die "Governance" von Wikipedia auf die ich noch komme.
Die Core principles von Wikipedia sind kurz gesagt:
- Free knowledge
- increase the sense of shared ownership
- decrease the sense of ownership
Und er forderte alle Anwesenden auf, viel offener mit Content zu sein, denn "the more content you put out there for free, the more traffic comes back!"
Ganz wichtig ist auch der NPOV, die neutral point of view policy. Die ist das soziale Konzept für Kooperation - das ganze würde scheitern, wenn der Anspruch wäre "alles was in Wikipedia steht muss wahr sein" - das würde "Glaubenskriege" provozieren.
Aber am allerspannendsten wurde es am Schluß als er über die Governance von Wikipedia sprach und er drückte es aus als einen "confusing but workable mix of:"
consensus
da sthet die NPOV Idee dahinter, die ergeben soll, das was entsteht, mit dem alle leben können.
democracy
in dem Sinn, dass es zB delete Votes gibt, wo abgestimmt wird ob und warum was gelöscht werden sollte. Wobei das mehr "polls" als echte "votes" sind.
Aristocracy
D.h. das einzelne User mit ganz besonderen Rechten ausgestattet werden können, aber nicht ohne Grund, sondern weil Sie sich durch Ihr Verhalten als würdig erwiesen haben und weil man mit größtmöglicher Sicherheit annehmen kann, dass Sie Ihre neuen zugeteilten Rechte nicht mißbrauchen werden. Wie zB Angela.
Monarchy
Das ist Jimmy Wales itself. Er ist sowas wie die Queen of England. Ein Staatsoberhaupt, das sich nicht, oder so wenig wie möglich in tagespolitische Belange einmischt, aber in Krisensituationen als ultimative Entscheidungsinstanz immer zum Wohle des Gesamtprojekts notwendige Entscheidungen trifft. Dies auch nur im Sinne einer "social flexibility" so wie Jimmy meinte "that our rules can't be used against us"
Und das fand ich nun wirklich sehr, sehr cool. Jetzt liegt ja offen am Tisch, wie effektiv, schnell, beweglich, flexibel, erfolgreich Wikipedia ist und er verrät uns die grundlegenden aufbauorganisatoren Prinzipien dahinter (wenn auch in romantische Metaphern verpackt).
Und da hab ich dann am Ende des Vortrags auch mit Herzklopfen eine Frage dazu gestellt:
"Does this imply ideas & options for organisational models within the corporate world?"
Jimmy bestätigte meine Annahme und kam natürlich auf bekannte Konzepte wie weg von Top Down, hin zu Bottom up, Grass Root, etc. zurück. War echt ein extrem toller Vortrag!
Es gibt auch Bilder und auch ein Interview im Spiegel.
martinroell meinte am 4. Jun, 18:50:
Wikipedia-Zahlen
Interessante Zahlen zur Wikipedia gibt es auch in diesem Paper: "Measuring Wikipedia" von Jakob Voss.
