Papillon meinte am 13. Okt, 10:10:
natürlich
hat da jemand angst! da ein grossteil der österr. bevölkerung über 12 die kulturtechnik des schreibens zumindest im prinzip ja beherrschen sollte, kann natürlich auch jeder sein eigener (web) journalist sein. hurra!
jeder, der eine maustaste bedienen kann, darf auch von sich behaupten, dass er recherchieren kann. na klar! alles, was man heute wissen muss, findet man ohnehin im internet. wussten wir es doch!
um eines mal klar zu stellen - um journalist zu sein, muss man weder pulitzer preisträger noch intelligenzbestie sein (zu viele beispiele beweisen das gegenteil). um jedoch ein guter journalist zu sein, muss man dennoch das handwerk lernen - ja handwerk: manuell, praktisch, knochenarbeit: rennen, suchen, holen, dort sein, fragen, schauen, lästig sein, was weiss ich.
und vor allem - man braucht zeit. man muss sich die zeit nehmen. es muss dein beruf sein. nicht nur dein job.
dass heute jeder, der ein weblog schreibt und in seinen beiträgen auch gleich ein paar interessante links mitliefert gleich von sich behauptet ein (online)journalist zu sein, daran ist die medienbranche selbst schuld. denn die qualität so mancher redaktioneller beiträge von professionellen zeitungen, newschannels (ach ja, heute heisst das ja content-anbieter) etc. ist heutzutage nicht viel besser. und die journalisten sind nicht bloss die armen opfer wirtschaftlicher zwänge, sondern ihrer eigenen bequemlichkeit.
das ändert aber nichts daran, dass z.B. tageszeitungen mit ihren kriterien an ausbildung und arbeitsweise von journalisten eine notwendige filterfunktion ausüben. dort bündeln sich jahrzehntelange erfahrung - und das ist nun einmal nicht grundlegend schlecht.
klar - wir sind heute alle smart und individualistisch. wir holen uns die information, die wir brauchen. wir kreieren uns unsere realität. wir verbünden uns mit gleichgesinnten und kreieren virtuelle gemeinschaften. und beweihräuchern uns gegenseitig. wir sind darin schon fast so gut wie die etablierte medienbranche selbst. und dass die machtgeil und oft skrupellos ist, wissen österreicher aus bitteren kronenzeitung/news erfahrung.
konkurrenz - in form von weblogs, warum nicht - ist gut. sie rüttelt auf. sie verändert. sie bereichert. aber sie ersetzt nicht. gott sei dank.
