About
books
business
cooking
daily
fun
movies
new blogs
Spruch
Trips
Vortragstätigkeiten
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren
header1

 

Wir haetten am Samstag dem 17. April von Tokio mit OS52 zurueck nach Wien fliegen sollen. Am Abend davor wurde auch von Japan aus, langsam aber sicher das Ausmass der Geschichte klar.

Es ist Montag der 19. April 14:50 Ortszeit und so erging es uns heute.

Der Abend davor
Von Japan aus ist es beinahe unmoeglich in die zur Verfuegung gestellten Hotlines der Fluglinien zu kommen. Wartezeiten von ueber einer Stunde sind die Norm. Ein Paerchen erzaehlt, das Ihr Orange Mobilfunk-Vertrag ausgesetzt wurde, weil sie nach 1 Std Warteschleife das Roaming Limit gesprengt haben. Somit kein Handy mehr und einigermassen abgeschnitten. Die Internetcafes der Stadt Narita werden geflutet, die Beistzer fragen sich wo all die Touristen herkommen. Es gibt 10% off fuer Crew Mitglieder. Beim Abendessen lernen wir in einem Ramenladen Mitglieder einer der gestrandeten AUA Crews kennen. Im Scherz bietet man Haut und Hemd fuer einen Sitzplatz im naechsten Flieger. Die Crew vermittelt glaubhaft, dass sie hier genauso hilflos gestrandet sind wie wir auch. Aber es macht uns Mut, am Montag probieren wir es wieder. Bislang war in Narita so gut wie nichts zu erfahren ...

Tagwache um 06:30
Packen, zum dutzendsten mal, schwerbeladen den Weg zum Flughafen antreten. Egal, wir sind motiviert, wir wollen nach hause. Es wartet die Arbeit, im eMail Account stapeln sich 600 Mails, ich will meine Kollegen in Wien wieder unterstuetzen koennen.
Wir sind am Flughafen, Frankfurt, Paris, London ist bereits gecancelt, Wien nicht, es tut sich was, eine Schlange wartet schon beim Check in, wir mittendrin. Die Reisenden vom 17.04 werden rausgepickt und an einen anderen Schalter gebeten ... wir schoepfen Hoffnung. Wir muessen doch priorisiert sein?

Der Kampf beginnt
Prinzipiell heisst es immer, nichts geht, nein keine Chance, nein keine infos. Die Damen hinter dem Counter sind immer sehr nett, sehr hoeflich koennen aber in der Regel nicht helfen. Es ist schwer ruhig zu bleiben. Man ist machtlos, verzweifelt, Aerger und Wut entstehen. Die armen hinter dem Counter koennen nichts dafuer ...
Ich bleibe ruhig, poche auf meine Rechte, bitte, bettel, verhandel, geh nicht weg. Ich bin voellig verschwitzt, fertig, die Zeit vergeht ...

Ein Wunder
Ploetzlich bewegt sich was, dank "Dolmetsch" neben mir verstehen wir was die Damen hinter dem Counter sprechen. Warum auch immer gibt es ploetzlich Plaetze fuer uns, warum ist unklar. Wirklich? Ja, nach ueber 2 Stunden nervenzerfetzendem Kampf haben wir 2 Tickets in Haenden. Ich bedanke mich mit einer tiefen Verbeugung und kann mir nicht helfen, habe Traenen in den Augen. Wir koennens nicht glauben. Wir gehen zum Gate, durch die Sicherheitskontrolle. Ja wirklich, wir fliegen, ich poste mein Glueck auf Twitter und Co ...

Der tiefe Fall
Es ist 10:25 alle sind am Gate. Bekannte Gesichter, Mitkaempfer, man kennt sich schon und schenkt einander anerkennendes Laecheln. Viele Franzosen, erstaunlich wenige Oesterreicher?
Ploetzlich ein murmeln, das Geruecht verbreitet sich wie ein Lauffeuer und wenige Minuten spaeter ist es Gewissheit. Die Durchsage kommt, der Flug OS52 von Narita nach Wien wurde gecancelt ... Fassungslosigkeit.
Innere Leere. Auf diese Achterbahnfahrt der Gefuehle ist niemand vorbereitet, wir waren doch so gut wie zu hause. Keine Chance, kein Mitleid, es ist so. Keiner weiss warum, aber Flug gibts keinen ...
Kameras von NHK sind da, filmen, es wird fotografiert, die Fassungslosigkeit der gestrandeten bringt Quote. Eine Gruppe Franzosen glaubt die Situation nuetzen zu muessen und stiftet lautstark zum Tumult an weil AUA keine Hotelzimmer zahlt. An die 10 Menschen umringen die Damen vom Gate und schreien und gestikulieren, NHK filmt.
Es dauert noch weitere 40min bis wir wieder nach Japan "eingereist" sind. Unseren Boardingpass muessen wir abgeben. Ich will Ihn nicht hergeben, es ist ein kleines bisschen "evidence" dass ich ein Recht darauf habe nach Hause zu kommen. Ich muss Ihn hergeben und es tut richtig weh.

Durchtauchen, weitermachen
Frustration, Verzweiflung, Galgenhumor, neue Kraft schoepfen ... so gehts weiter. Die Kampfgenossen sprechen sich Mut zu. Morgen auf ein Neues. Aber insgeheim kaempft jeder fuer sich. Gemeinsam nur bis 1m vor dem Counter. Es koennte der letzte Platz sein.

Wie ein drogenabhaengiger an der Nadel haengen die Gestrandeten in den Internetcafes und versuchen was an Ihrer Lage zu aendern. Gefuehlt unbeobachtet spielen sich in den Boxen neben Dir Beziehungsdramen ab und verschaemt hoert man zu und fuehlt sich beklemmt. Die Leute verlieren mehr und mehr die Nerven. Alitalia ist nach Milan abgeflogen .... der Flug nach Rom wird geboardet. Angeblich gibts gegen EUR 2.500 in bar Tickets bei Alitalia ... Geruechte und Geschichten. Genaues weiss niemand.

Das schlimmste ist dieses "nichts zu wissen". Das in der Luft haengen, das ausgeliefert sein. Ist es so schlimm? Nein, wir sind ein einem 1. Welt Land, wir verlieren Geld und Urlaubstage, wissen nicht wie wir alles was wir zu tun haetten aufholen sollen, wir verlieren Nerven, aber niemand kommt zu schaden.

Fuehlt es sich beschissen an? Ja, sehr sogar.Vielleicht kann ich diese Geschichte irgendwann einmal, mit sehr viel Abstand als Zeitzeuge eines grossen Abenteuers der weltweiten Luftfahrt erzaehlen ... bis dahin wird aber noch Zeit vergehen.

Morgen auf ein Neues.Gambate, Bansai ...

Name

Url

Meine Eingaben merken?

Titel:

Text:


JCaptcha - du musst dieses Bild lesen können, um das Formular abschicken zu können
Neues Bild