"... Bildung ist ein Grundrecht, ist ein Menschenrecht, das muß gratis sein ..." so spricht Sigrid Maurer, ÖH Vorsitzende in diesem Beitrag. Naiv und weltfremd aus meiner Sicht. Bildung ist nie gratis - die Frage ist eher wer zahlt die Rechnung?
Die Frage die mich bewegt ist "was ist uns Bildung wert" und "welche Entwicklung wollen wir fördern"? Zur ersten Frage: Bildung ist uns derzeit zu wenig wert, Österreich investiert zu wenig seines BIP in Bildung insgesamt und das was er investiert, dient der Nivellierung von Mittelmäßgikeit. Die Frage "was ist uns Bildung wert" sollte sich aber nicht nur dem Steuerzahler, sondern auch den Studierenden stellen - den Studierenden ist Bildung gar nichts wert - sie soll schließlich gratis sein. Hier gibt es eine gefährliche Entwicklung - "freier Zugang zu Bildung" wird selbstbewusst in "Bildung muss gratis sein" verdreht.
Das führt zu Frage zwei "welche Entwicklung wollen wir fördern"? Zugespitzt: Österreich ist ein Land wo man sich am liebsten bis 27. in Abhängigkeit zu Papa Staat (Familienbeihilfe, etc.) begibt, dann in den Staatsdienst eintritt (da gibts auch fette Lohnsteigerungen) um mit 51 Jahren die Frühpensionierung anzustreben. Das dominierende Thema ist: Abhängigkeit. Für die Politik im Lande ist das opportun - Menschen die in Ihrer Grundstruktur abhängig sind, sind leicht zu manipulieren. Die Haltung der Abhängigkeit ist geprägt von:
... ich kann das nicht ... das schaff ich nicht ... das ist gemein ... mir muß wer helfen ...
Ich möchte eine Entwicklung fördern die Menschen die Chance gibt Autonomie zu erlangen. Wenn ich den starken Wunsch nach Autonomie habe, kann ich mit den Positionen einer Frau Maurer nichts anfangen.
Wir leben in einer globalisierten Welt mit globalem Wettbewerb und wollen tatsächlich Menschen bis zum Abschluß des Studiums von der Leistungsorientierung, Eigenverantwortung und den Konsequenzen Ihres Handelns fernhalten? Leistungsorientierung habe ich nicht an der WU sondern in meinem Auslandssemester an der GSM at UCI kennen gelernt.
Wer nicht ernsthaft studieren will, der muß sich auch nicht bewegen - Hauptsache es ist gratis. Eigentlich ist das alles nur traurig, weil es zeigt wie wenig sich Menschen in diesem Land zutrauen.
Die Frage die mich bewegt ist "was ist uns Bildung wert" und "welche Entwicklung wollen wir fördern"? Zur ersten Frage: Bildung ist uns derzeit zu wenig wert, Österreich investiert zu wenig seines BIP in Bildung insgesamt und das was er investiert, dient der Nivellierung von Mittelmäßgikeit. Die Frage "was ist uns Bildung wert" sollte sich aber nicht nur dem Steuerzahler, sondern auch den Studierenden stellen - den Studierenden ist Bildung gar nichts wert - sie soll schließlich gratis sein. Hier gibt es eine gefährliche Entwicklung - "freier Zugang zu Bildung" wird selbstbewusst in "Bildung muss gratis sein" verdreht.
Das führt zu Frage zwei "welche Entwicklung wollen wir fördern"? Zugespitzt: Österreich ist ein Land wo man sich am liebsten bis 27. in Abhängigkeit zu Papa Staat (Familienbeihilfe, etc.) begibt, dann in den Staatsdienst eintritt (da gibts auch fette Lohnsteigerungen) um mit 51 Jahren die Frühpensionierung anzustreben. Das dominierende Thema ist: Abhängigkeit. Für die Politik im Lande ist das opportun - Menschen die in Ihrer Grundstruktur abhängig sind, sind leicht zu manipulieren. Die Haltung der Abhängigkeit ist geprägt von:
... ich kann das nicht ... das schaff ich nicht ... das ist gemein ... mir muß wer helfen ...
Ich möchte eine Entwicklung fördern die Menschen die Chance gibt Autonomie zu erlangen. Wenn ich den starken Wunsch nach Autonomie habe, kann ich mit den Positionen einer Frau Maurer nichts anfangen.
Wir leben in einer globalisierten Welt mit globalem Wettbewerb und wollen tatsächlich Menschen bis zum Abschluß des Studiums von der Leistungsorientierung, Eigenverantwortung und den Konsequenzen Ihres Handelns fernhalten? Leistungsorientierung habe ich nicht an der WU sondern in meinem Auslandssemester an der GSM at UCI kennen gelernt.
Wer nicht ernsthaft studieren will, der muß sich auch nicht bewegen - Hauptsache es ist gratis. Eigentlich ist das alles nur traurig, weil es zeigt wie wenig sich Menschen in diesem Land zutrauen.
Andreas (Gast) meinte am 28. Jan, 11:53:
Volle Zustimmung!
Gratulation zum Artikel! Leider haben logische Argumentation und politischer Alltag in der Regel nicht viel gemein!
muesli meinte am 28. Jan, 13:02:
Ohne den Status Quo irgendwie verteidigen zu wollen: Wenn du ausführst, warum du für Studiengebühren bist, aber nicht im Geringsten auf die Argumente der Gegner solcher Gebühren Bezug nimmst, ist das wenig überzeugend.
Zum Beispiel:
(1) EU-weit erschreckend niedrige Akademikerquote, gleichzeitig zumindest zeitweiser Rückgang der Studierendenzahlen um 20% seit Einführung der Studiengebühren. (Wobei ich hier keine Kausalität unterstelle!)
(2) Im EU-Vergleich überproportional hohe soziale Selektion (=wenig Studierende aus einkommensschwachen Schichten), gleichzeitig vergleichsweise hoher finanzieller Druck für Studierende. Stichwort: Kellnern statt Pauken.
Was Maurer und Co. kritisieren, ist, dass Studiengebühren, wie es sie gab, null auf diese Problematik Rücksicht nehmen, sondern sie noch weiter verschärfen.
Wo ich zustimme. Allerdings denke ich im Gegensatz zu ihnen, dass eine Lösung dieser Probleme und Studiengebühren kein Widerspruch sind. Nur bräuchte es da zusätzlich viel bessere Stipendien- und/oder Kreditsysteme, zb. nach skandinavischem Vorbild. Das kostet Geld, das aber langfristig durch höhere Wettbewerbsfähigkeit wieder reinkommt.
Dein Text ist aber m.E. eher nur Leistungsrhetorik (wenn auch nicht falsch), mit wenig substantiellen Argumenten. My 2 Cents.
Georg Pichler (Gast) antwortete am 28. Jan, 19:25:
Ich sehe nicht wirklich, wie das Fehlen von Studiengebühren in Abhängigkeit vom Staat führt. Das Gegenteil ist der Fall, denn va ärmere Leute müssen sich bei existierenden Studiengebühren wiederholt als Bittsteller an den Staat wenden, hoffen, dass das Stipendiensystem dicht ist und funktioniert und sie nicht durch irgendwelche Regulierungslöcher fallen, in für die Bürokratie unbegreifbaren Umständen leben und ihre Stipendien ausreichend hoch sind und korrekt berechnet werden. Vor allem Letzteres ist bei Existenz und Absenz von Studiengebühren längst nicht garantiert, sowohl ich als auch meine Schwester mussten die Berechnungen bislang mindestens einmal beeinspruchen und die Stipstelle auf ihre Berechnungsfehler aufmerksam machen, am Ende ergaben sich zwischen 1. und 2. Berechnung sehr relevante Unterschiede (80 €, auch schon deutlich über 100).
DAS ist Abhängigkeit, die dann eben insbesondere sozial Schwache trifft, während Wohlhabendere eben kaum Probleme mit den Gebühren haben. Deine Argumentation ist ein Widerspruch in sich.
Sicher, man kann mit an Stipendien geknüpfte Mindeststudienzeiten die Leute zu schnellerem Absolvieren treiben. Ob man aus einem aus diesem Grunde in "Schnell-Schnell-Manier" durchgezpogenen Studium mehr rausholt, als ein einem längeren Studium, in dem man sich mit manchen Themenbereichen länger beschäftigen kann, auch wenn sie für die Absolvierung des Studiums nicht unbedingt notwendig sind.
Es ist vor allem nicht so, dass die Inexistenz von Studiengebühren (de facto gelten sie ja nur mit zeitlicher Verzögerung für "Langzeitstudenten", existeiren also noch) dazu führt, dass sich alle Studenten einen faulen Lenz machen würden. Der finanzielle Druck ist ja trotzdem da, soweit ich weiß arbeiten über 2/3 der Studenten nebenbei, hauptsächlich aus Selbsterhaltungsgründen.
Die Mehrheit an nicht-wohlhabenden Studenten via Gebühren mit finanziellem Druck (sind gezwungen, schneller zu studieren) und der sich ergebenden Abhängigkeit vom Goodwill des Staates zu sanktionieren ist absolut nicht das, was ich mir als "Wertschätzung" der Bildung vorstellen mag.
Den Studenten vorzuwerfen, ihnen wäre ihre Bildung nix wert, weil sie so eine Situation nicht wollen, ist eine gefährliche Verwechslung von Wirtschaftsgütern (Wert in Geld berechenbar) mit gesellschaftlichen Gütern (Geld zur Bereistellung zwar nötig, ihre Bedeutung ist aber nicht in Geld messbar).
Georg Pichler (Gast) antwortete am 28. Jan, 19:26:
(war übrigens als Kommentar zum Artikel selbst und nicht als Antwort an Helge gedacht - verklickt)
pezik (Gast) meinte am 29. Jan, 14:41:
Chancen durch "Gratis-Studium"
Ich stimm dir zu, dass im österreichischen Bildungssystem viel falsch läuft. Dazu zähl' ich aber nicht unbedingt die fehlenden Studiengebühren. Solange Unsummen an Steuergeldern auf unglaublich leichtsinnige Weise verloren gehen (unnötig komplexe Verwaltungsapparate, Irrsinns-Subventionen, steuerschonende Sonderkonditionen für Großkonzerne und Profi-Netzwerker etc.), seh ich keinen Bedarf, genau an Studiengebühren anzusetzen - vor allem weil diese nur einen sehr sehr kleinen Teil des Kuchens in Anspruch nehmen. Im Gegenzug aber vielen jungen Menschen ihren Bildungsweg wesentlich erleichtert.
Es gibt nun mal bestimmte staatliche Leistungen, die durchaus ihre Berechtigung haben. Jedem eine adäquate Bildung zu ermöglichen, seh ich als einen dieser absolut unterstützenswerten Bereiche an.
Abgesehen davon, dass sehr viele Studierende neben dem Studium arbeiten und damit selbst Steuern zahlen. Und nach dem Ende ihres Studiums hoffentlich einen tollen Job kriegen und dem Staat damit wieder ein x-faches dessen zurückgeben, was in jeden einzelnen investiert wurde. Dazu braucht's natürlich ein progressives Steuersystem - wenn du von der Ausbildung finanziell profitierst, zahlst du einen entsprechend höheren Beitrag.
Ich bin ganz deiner Meinung, wenn du bekrittelst, dass junge Menschen in Österreich nicht zur Selbstständigkeit erzogen werden. Ich seh die Lösung aber eher in einer wesentlich früheren Forcierung der Eigenständigkeit. Das ist Sache der Schulen. Darüber hab ich hier (http://zurpolitik.com/2009/07/17/talentforderung-statt-entenschwarm-prinzip) mal geschrieben. Leistung - egal wann - kommt für mich nicht von Druck und Zwang, sondern weil man optimalerweise das machen/leben/arbeiten kann, was man gut kann und deshalb auch gerne macht. Und ja, wenn man leidenschaftlicher Dauer-Student ist, kann man darüber diskutieren, nach Ablauf der Toleranzsemester gewisse Gebühren dafür zu entrichten. Nicht aber als Zugangshürde.
Was das Kreditsystem betrifft: Ich find's nicht zielführend, mit einem Schuldenrucksack ins Leben starten. Für ein Kind wohlhabender Eltern ist's wieder wesentlich einfacher, einen Kredit aufzunehmen bzw. erst gar keinen zu brauchen, während das "arme" Kind ab 25 erstmal 10 Jahre einen Start-Kredit abstottern muss und demnach viel weniger Geld zur Verfügung hat, als wenn es mit 15 eine Lehre angefangen hätte.
Ich hätte mir unter diesen Umständen wohl mehrfach überlegt, ein Studium zu beginnen. Und ich glaub, ich bin damit nicht alleine. Es könnte ja sein, dass man in jungen Jahren glaubt, seine Zeit besser nutzen könnte – vor allem aus monetärer Sicht. Leider ist das in den meisten Fällen aber alles andere als eine langfristige, zukunftssichernde Perspektive. Die vor allem wieder Kinder aus "einkommenschwachen" Familien trifft.
Ich glaub, ein solcher “Schuldenrucksack” ist keine Schultasche. Der kann sehr vielen die Zukunft verbauen. Es muss ok sein, wenn ich mich dafür entscheide, lieber ein "Orchideen-Fach" wie Philosophie oder Internationale Entwicklung zu studieren anstatt BWL. Mit einem Kreditsystem überlege ich mir das 3x.
Ich kenn einige (sehr wohl "Leistungswillige"), die sich das Studium jetzt schon nicht mehr leisten können. Studiengebühren würden die Situation nicht wirklich verbessern. Ich hab immer in Mindeststudienzeit studiert. Mit Studiengebühren hätte ich es mir aber nicht so einfach leisten können, gleichzeitig zwei Master-Studien an der FH und Uni zu belegen. Ohne ist das wunderbar möglich. Für meine Entwicklung war das das beste, was mir passieren konnte.
Und ja, viele dieser Probleme könnte man eventuell mit einem besseren Stipendienwesen lösen. Nur solange all diese angeführten Punkte nicht mal ansatzweise gelöst sind, seh ich keinen Bedarf, Studiengebühren zu fordern.
Diese sind wie gesagt ein heißer Tropfen auf den Stein. Und solange dieser Leute daran hindert, ihren Bildungs- und in weiterer Folge auch Lebensweg zu gehen, bin ich dagegen. Ich seh' ein frei zugängliches Hochschulsystem als grundlegend an. Wir brauchen gut gebildete Menschen. Das ist volkswirtschaftlich sinnvoll und sollte politisch erwünscht sein. Studiengebühren fördern das de facto nicht. Ich werde in Zukunft genug Steuern zahlen, um dem Staat diesen “Startbonus” und noch viel mehr zurückzugeben. Und ich möchte, dass es mit meinem Beitrag jedem ermöglicht wird, eine gute (Aus-)Bildung zu genießen.
Um dann wie ich einen Job zu finden, den man gern macht :)
Christoph (Gast) antwortete am 29. Jan, 18:06:
Bildungssystem ist am Ende
Die Ansätze von Dieter sind mir nicht neu und eigentlich dachte ich bisher ebenso. neu und damit anregend fand ich ich"freier Zugang zu Bildung" wird selbstbewusst in "Bildung muss gratis sein" verdreht
Doch nach dem Beitrag von pezik bin ich "entwaffnet": bei den Diskussion für und gegen Studiengebühren habe ich keinen derartig umfassenden Gedankenansatz entdeckt. coole Gschicht Petra!
Umso peinlicher erscheint damit das politische Gehabe, das an Grundlegenden Erneuerungen vorbei schlittert.
pezik (Gast) antwortete am 29. Jan, 18:11:
Danke für dein Feedback, Christoph :)
Sigi Maurer (Gast) meinte am 29. Jan, 19:33:
was nix kostet is nix wert
ist die zentrale Aussage deiner "Antwort" auf meine Forderung, dass ein Studium für alle Menschen frei zugänglich sein muss. Nun, das magst du als naiv und weltfremd bezeichnen - eine interessante Einschätzung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (Artikel 26) sowie des Internationalen Paktes über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (Recht auf Unentgeltlichkeit des Studiums (Artikel 13.2.c) der UNO. Was ich so daher"plappere"* hat aus meiner Sicht ziemlich viel Hand und Fuß, im Gegensatz zu deiner Argumentation. Du forderst, dass junge Menschen zur Selbstständigkeit erzogen werden. Aha! Wenn du mir zugehört hättest, oder dich ganz grundsätzlich mit dem Thema auseinander setzen würdest wüsstest du, dass genau das der bestimmende Grund ist, warum ich mich überhaupt so vehement für Bildung im Allgemeinen und Höhere Bildung im Speziellen einsetze.
Österreichs Schulen, Familien- und Frauenbild, Medien und Politik erziehen junge Menschen in erster Linie dazu, zu funktionieren. Kritikfähigkeit und Selbstständigkeit sind im österreichischen Bildungsrahmen definitiv nicht erwünscht. Warum? Na wo kämen wir denn da hin, wenn da plötzlich alle gescheid wären und hinterfragen könnten? Und eigene Ideen hätten? Das dominierende Bild ist hier nach wie vor: Kinder müssen etwas lernen, wir müssen ihnen die Fehler zeigen und sie bewerten damit sie wissen was sie nicht gut genug machen. Nicht - Kinder sollen sich entfalten und entwickeln, sondern wir geben ein Korsett vor, Benchmarks, die erreicht werden müssen. Und wer das nicht schafft ist schlecht.
Diese Grundeinstellung schreibt sich fort - bis weit ins Erwachsenenalter. Denn es sind nicht die Studis, die bis 26 bei den Eltern bleiben wollen, sondern es ist der Staat der ihnen ein solches Konstrukt aufdrängt. Warum? Weil man zB 200 Euro weniger Stipendium kriegt wenn man in der selben Stadt wohnt wie die Eltern - denn der einzig zulässige Grund laut Studienförderungsgesetz, nicht bei den Eltern zu wohnen ist, wenn diese mehr als eine Stunde Fahrtzeit pro Richtung entfernt wohnen. Weiteres Beispiel: die Familienbeihilfe wird an die Eltern gezahlt.
Autonomie bedeutet für dich offenbar, sich einer kapitalistischen, neoliberalen Wertordnung zu unterwerfen und gemäß dieser zu funktionieren. Die Leistungsorientierung, die wir an den österreichischen Universitäten haben lehne ich ab - je mehr Seiten Publikation umso besser. Je mehr Drittmittel (egal wenn die von Monsanto kommen und ich meine Genforschung vielleicht nicht gerade objektiv machen kann) umso besser. Je mehr richtig angekreuzelt im Multiple-Choice-Test umso besser. Nachdenken? Eigene Ideen, Theorien entwickeln? Kritisch hinterfragen? Stringent begründen können? Das ist nicht das Ziel - am allerwenigsten an der WU (Sozioökonomie und VWL ausgenommen).
Ich kann auch nichts mehr von "LeistungsträgerInnen" hören. Der Top-Manager mit der schicken Bude, dem fetten Auto und den vielen Leuten die für ihn arbeiten leistet angeblich mehr als die alleinerziehende Mutter die jeden Abend verzweifelt weil sie nicht weiß wie sie die Schulhefte ihrer Tochter finanzieren soll, obwohl sie eh schon 2 Jobs hat. Und genau die Tochter würde vielleicht gern Physikerin werden - ihre Chancen stehen jedoch verdammt schlecht, weil unser Bildungssystem schön vorsorglich sozial aussortiert damit die nicht nach oben kommen und die (bürgerliche) Elite geschützt wird.
Ich halte es gerade für Kinder aus ArbeiterInnenfamilien für eine außerordentliche Leistung, sich durchzukämpfen bis zur Matura. Ihnen dann mittels Studiengebühren einen Riegel vorzuschieben ist verheerend. Studien aus Deutschland vom HIS (http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,585099,00.html) zeigen, dass sich auch genau diese Schichten am stärksten von Studiengebühren abschrecken lassen. Und: in einer Familie in der niemand einen höheren Abschluss hat und die allgemeine Meinung über "die G'studierten" nicht gerade positiv ist, wird sich kaum jemand überreden lassen für den Blödsinn auch noch zu zahlen.
Junge Menschen brauchen Zeit um sich orientieren zu können und um sich zu entwickeln – der Druck ist jetzt schon zu groß. Und es gehören wie immer in der Geschichte die Schwächsten zu den VerliererInnen.
Autonomie, Selbstbestimmtheit, bedeutet für mich in der Lage zu sein, sich aktiv an der Gesellschaft zu beteiligen. Das bedeutet politisch partizipieren zu können, das bedeutet aber auch sich seine eigene Existenz sichern zu können. Es bedeutet für mich, die Welt analysieren und selbst einschätzen zu können ohne auf die Kronenzeitung angewiesen zu sein. Ein funktionierendes Rad in der globalen Weltwirtschaft zu sein hat für mich mit Autonomie überhaupt gar nix zu tun - im Gegenteil.
Deine Argumentation, insbesondere deinen Abschlusssatz finde ich sehr unlogisch und undurchdacht. Für mich bestätigt sich leider meine Vermutung – dein tweet ist social-media-typisches bashing, ohne über die Sache wirklich nachgedacht zu haben oder sich auszukennen.
Schade.
* Die ganze Diskussion enstand überhaupt erst daraus, dass @sierralog eine Diskussion zwischen mir und uniko-Chef Sünkel folgendermaßen kommentierte: So naiv + weltfremd wie ÖH Vorsitzende Sigrid Maurer über Bildung plapperte hat sie nur eine Option: die Politik. http://bit.ly/eN43hm #OE1
David (Gast) antwortete am 29. Jan, 20:01:
Man vermerke also:Naiv = alles was Geld kostet und dem Menschen nützt
Vernünftig = alles was dem Geld nutzt und dem Menschen kostet
Schamotnik (Gast) antwortete am 29. Jan, 21:47:
Teilweise kann man dem schon zustimmen was du sagst, allerdings find ich deine Generalisierungen genauso lächerlich wie die "LeistungträgerInnen", die dir schon so auf den Geist gehen. Die arme alleinerziehende Mutter und der böse Manager mit dem fetten Auto.. und die WU-Studenten, überhaupt alle unkritisch. Dann das I-Tüpfelchen: Monsanto.. Pfff, bitte.. noch plakativer geht es wohl nicht mehr...
1.Ich glaub nach wie vor, dass zweckgebundene Studiengebühren sehr wohl akzeptabel wären. Dies allerdings nur mit einer einhergehenden Erhöhung des Budgets der Unis, was positive Signale senden würde. Unerlässlich wäre dabei ein Ausbau und eine starke Optimierung der Stipendienvergabe (das angeführte Bsp. der andern Stadt hat zb mich damals betroffen).
2.Bildung ist mMn in Ö in einer Identitätskrise, ich würde sogar sagen es ist ein bildungsfeindliches Land. Das ist sicher auch ein Mitgrund für den geringen Anteil von Studenten aus Arbeiterfamilien.
Gesellschaftlicher Aufstieg durch Bildung, durch gute Noten, Forschung oder Erfolg in der Wirtschaft etc. wird nicht als etwas wünschenswertes oder erstrebenswertes angesehen, da es als sich-von-den-anderen-Abheben angesehen wird.
Daher finde ich vielmehr, dass das größte Problem eigentlich die geringe Wertschätzung der Bildung, die durch die negativen Signale, die die Regierung - durch Budgetkürzungen im Bildungsbereich - sendet, noch verschärft wird.
3. Inwiefern sind Drittmittel etwas Schlechtes? Nur so als Beispiel: Ich hab auf der Uni an einigen Projekten und Seminaren mitgearbeitet, die von Firmen gesponsort worden sind und ohne diese nicht möglich gewesen wären. Die Firmen profitieren natürlich auch stark davon, weil sie potentielle Arbeitskräfte beobachten können. Genauso verschließe mich auch nicht dem Gedanken, dass Firmen Unis für sie forschen lassen, denn schließlich haben auch Firmen oft kostbare Daten, die die Forschung immens erleichtern. Wenn die Unis dadurch finanziell profitieren, umso besser. Es muss nicht immer Monsanto sein.
Sigi Maurer (Gast) antwortete am 29. Jan, 22:52:
jo eh...
sind die beispiele plakativ - das sind beispiele immer. sie entsprechen trotzdem der realität. nicht umsonst sitzt ein sünkel in einer diskussion da und sagt, studiengebühren, das sind lächerliche 2,70 pro tag. angesichts der armutsstatistik ist das eine genauso arge falscheinschätzung der lebensrealität normaler bürgerInnen wie die aussage vom pröll, wegen 2.700 euro weniger im jahr müsste sich niemand einen kredit aufnehmen. fakt ist - diese regierung arbeitet lieber für den plakativ zitierten manager (auch die sind realität - schau dir mal die iv an, eine der wichtigsten lobbies in der övp) als für die alleinerzieherInnen - die haben nämlich gar keine lobby. ich traue es den leserInnen zu, zu erkennen, was ich mit den beispielen versuche anzusprechen. ad 1) die "zweckgebundenen" studiengebühren hatten wir bereits. nutzen null, studienbedingungen wurden trotzdem schlechter. in der aktuellen diskussion sollen die studis zahlen, nicht um verbesserungen herbeizuführen sondern um den status quo halten zu können weil der staat nicht bereit ist die 150 millionen ab 2014 bereit zu stellen.
ad 2) ja.
ad 3) leider ist auch hier monsanto, bzw. im fall der boku die agrana, realität. auch hier kann ich dir unzählige beispiele aufzählen, wie die auftraggeber die ergebnisse beeinflussten. zb stiftungsprofessur in innsbruck, siedschlag, wurde vom verteidigungsministerium geschickt, experte für sicherheit/europa, spricht sich für eurofighter aus, wir kommen drauf - seine konferenz wird von EADS mitgezahlt, gutachten die nicht veröffentlicht werden dürfen weil die ergebnisse nicht den wünschen der auftraggeber entsprechen, von pharma-firmen will ich gar nicht erst anfangen. klar profitieren die firmen und die hochschulen, und ich sag nichts gegen kooperationen.
das problem ist, dass diese kooperationen nicht eingegangen werden weil sie beiderseitig erwünscht sind, sondern weil die hochschulen keine andere wahl haben. das heißt keineswegs dass die forschung aus drittmitteln immer beeinflusst ist was die ergebnisse betrifft, aber allein die fragestellungen ändern sich häufig - so wird (schon wieder plakativbeispiel) monsanto wohl kaum eine risikoforschung von genmanipulierten produkten in auftrag geben.
zur wahrung der freiheit von forschung und lehre finde ich, sollten drittmittel die nicht aus den fonds kommen ebenso einer demokratischen kontrolle unterliegen. ganz grundsätzlich hätten wir aber das problem nicht, wenn der staat österreich bildung und forschung auch den finanziellen wert zuerkennen würde, den politikerInnen in sonntagsreden immer betonen.
fatmike182 (Gast) antwortete am 30. Jan, 04:10:
Luft u Wasser sind verzichtbar, mein Leben ist nix wert
Ja, der Artikel ist unreflektiert & die Bewertung eines Gutes alleine durch dessen Kosten zu definieren ist peinlich. Ein polemisches "dann hören wir halt zu Atmen auf, wenn uns Luft eh nix wert ist" hätte da als Antwort schon gereicht…Ich unterstelle dem Autor diese politische Neidung nicht, möchte aber auf eine lustige Analogie eingehen: Rechte sind tendenziell gegen Abtreibung und argumentieren das mit dem berühmten Beethoven-Gambit oder Stephen Hawking (dass am Rechten Rand der Respekt Leuten mit Behinderungen ggü nicht so groß ist, lass ich da außer Acht, genauso wie beide Arguemntationslinien auf kuriosen Falschannahmen basieren). Komischerweise verschwindet diese Expertenschwundpanik beim Bildungsthema. Diese Panik sollte man in dem Bereich aber tatsächlich haben!
Ad Drittmittel
Da muss ich dir tw widersprechen. Siehe das Institut IMP, das im Bereich Genetik zur Weltspitte gehört. Das IMP wird großteils von Böhringer finanziert, die Resultate sind trotzdem objektiv und nicht nach dem Finanzier gerichtet, sogar die Forschungsgebiete sind das nicht einmal. Scheinbar steht da tatsächlich ein kleines Bell Labs'chen in Wien herum.
Ob man Kooperationen mit Firmen eingehen will, die man ethisch eher verdammt zach findet ist ein guter Punkt, aber mMn in der Debatte nicht zielführend, da es gerade im Biotech-Sektor genug andere Unternehmen gibt, die getrost mit akademischer Unterstützung klarkämen.
Ich mag diese abgedroschene Rhetorik alleine schon deswegen nicht, da sie von NGOs nur zu oft verwendet wird um ihre Opponenten zu diskreditieren & soweit ist glaub ich leider schon bewusst, dass NGOs ihre Standpunkte wissenschaftlich selten untermauern können (gerade bei Gentechnik, Mobilfunk, Medukamenten, Tierspeziesvrrnichtung).
Jedenfalls, der grüne Zweig wäre, dass es zu keinen Abhängigkeiten kommen darf & es in vielen Bereichen weniger Interessen von Drittmittelgebern gibt (Fond-Systeme ohne Zweckbindung wären da attraktiv).
Bzgl Kreditsystemen,
Da haben wir eh mal ganz kurz drüber geplaudert. Mir scheint das/ein britisches System vernünftig: zinsfreie Kredite, die nach dem Studium nur dann zurückzuzahlen sind, wenn es dem Absolventen absolut zugemutet werden kann (Jahresgehaltabhängig), da man dann von einem monetisierten Benefit durch die Bildung ausgehen kann.
Nachteil: mehr Verwaltungsaufwand als garkeine Beiträge, Bildung kostet dann ja doch iwie was & seltsames Gedankengut wie "Studium A ist wertlos da man ja damit keine Mio € verdient" kann aufkommen.
Gesamt finde ich das vom Grundprinzip aber nicht so schlecht, va, da es das Schuldenrucksackargument entkräftet (vielleicht bin ich aber einfach nur verbittert und neidig, da mich Plastische Chirurgie, Zahnmedizin, oä nicht interessieren. In einer Diskussion würde ich damit kommen, dass bei vielen Bereichen Einkommen nicht im Verhältnis zum objektiven Benefit der sozialen Gesamtheit stehen). Bildung muss finanziert werden & dass ein Maurer von meinem Herumstudieren & meiner Arbeit generell in seinem Leben was haben wird ist zu bezweifeln, daher kann ich tw die Debatte darum nachvollziehen.
Sigi Maurer (Gast) antwortete am 30. Jan, 13:34:
um dieses mal
vielleicht eine etwas kürzere antwort zusammenzubringen: 1. das IMP ist nicht vergleichbar mit einer uni ohne den entsprechenden boards, ohne kontrolle etc. - es macht grundlagenforschung - die meisten direkten drittmittel von firmen an hochschulen gehen in die angewandte forschung. unis sind staatliche einrichtungen, mit steuergeldern finanziert und ich sehe nicht ein, dass sich zb infinion die ausbildung seiner mitarbeiterInnen vom staat zahlen lässt (das fh studium ist auf jedes rädchen dort abgestimmt).die erfahrungen der menschen die in diesen drittmittelprojekten arbeiten sind auch nicht gerade so der burner.
2. warum überhaupt kreditfinanzierungsmodelle? so ein modell kostet unglaublich viel kohle, da kann gleich eine studentische grundsicherung ausgezahlt werden (ja das ist eine öh forderung), wenn das steuersystem adäquat umgestaltet wird brauchen wir diesen seltsamen umweg gar nicht. bildung ist keine investition für mich persönlich sondern für die gesamte gesellschaft. wir zahlen auch alle krankenhäuser mit unserem steuergeld obwohl nicht alle krank werden.
fatmike182 (Gast) antwortete am 30. Jan, 16:16:
Jo eh ah, owa…
Bzgl Notwendgkeit v Kreditsysteme bzw deren Kosten an sich Verlass ich mich auf deine Aussage, kenn die Zahlen im großen Maßstab zu wenig. (Das mit den Krankenversicherung kann ich aber nicht gelten lassen: die Gefahr plötzlich eine Leistung in 5-stelliger €-Höhe in Anspruch nehmen zu müssen ist höher, als dass aus dem Nichts heraus dann doch studiert wird. Weiters sind Beiträge doch eh nach diesem Risiko gestaffelt, oder?)ad Fremdfinanzierung nochmal
Studien wie früher Genetik & Molekulare Biologie sind nunmal Grundlagenforschungs-Studienrichtungen, so wie es viele andere davon auch gibt. Muss gestehen, ich komme von einer FH, diese hat mit einem Pharmaunternehmen hinsichtlich Vortragende kooperiert und das Produkt hatte dennoch keinen Arbeitssklavenlukrierungscharakter. Der Unterachied war d tatsächlich, dass statt einem Uni-Logo halt ein Firmenloho auf der .ppt war.
Das was Infineon & andere FHs da veranstalten ist tatsächlich ein grober Missbrauch der Akademia um selbst Kosten zu schone. & den Staat die Akademikerrate erhöhen zu lassen; ein scheinbares Win-Win-Win aus weiter Ferne.
Da hätte mMn von anderer Seite eingegriffen werden sollen.
(das Posting ist auch nur als Ergänzung zu verstehen, stimme dir ansonsten vollkommene zu; bin in Punkt 2 va nicht zahlensicher genug um das bewerten zu können)
Speech_Leslie (Gast) meinte am 29. Jan, 21:07:
"Bildung muss gratis sein"
Sie sind sich doch hoffentlich darüber im Klaren, dass studieren auch ohne Studiengebühren erheblich weit davon entfernt ist "gratis" zu sein. Nicht nur meine Ausgaben für Miete, Bücher etc. sondern auch mein, durch das Studium erzwungener, Verzicht auf bezahlte Lohnarbeit (außer Nebenjob) sprechen dagegen. Es ist nicht nur so, dass die Steuern (die ich ohne Lohnarbeit) nicht zahle dem Staat fehlen, nein auch mir fehlt ein regelmäßiges Einkommen.Wie könne Sie behaupten, man lebe gerne in Abhängigkeit, wenn man sein Studium mit Unterstützung des Staates betreibt? Diese Unterstützung gibt es sowieso nur dann, wenn auch der Studienerfolg ein adäquater ist. Nichtstun und Stip/Kinderbeihilfe kassieren, diese Zeiten sind vorbei...ich hoffe Sie wissen das ihre Ausführungen die Argumente jener Menschen unterstützen die über zu viele Beihilfen schimpfen und keine Ahnung haben an welche Vorgaben diese eigentlich geknüpft sind!
...erklären Sie mir also bitte wie ich da von einem gratis Studium sprechen kann? Auch alle anderen Rückschlüsse ihrer Argumente, die Sie in ihren Ausführungen darstellen kann ich überhaupt nicht nachvollziehen.
helmut (Gast) antwortete am 30. Jan, 05:40:
einer muss ja schließlich auch dafür sein. es gibt ja auch welche die für den faschismus sind.
Student (Gast) meinte am 30. Jan, 06:51:
Kurze (inkomplette) Widerlegung
Zum BIP: Der alleinige Hinweis darauf, dass die gesamten Ausgaben für die Universitäten (gemessen in % des BIP) zu niedrig sei, ist ein Argument für deren Erhöhung und nicht für eine andere Zusammensetzung (öffentlich/privat) der Mittel.Zu Abhängigkeit: Wird diese durch Studiengebühren auf irgend eine Weise aufgehoben? Wenn ja, wie? Studiengebühren führen meiner Ansicht nach genau zum Gegenteil, also zu verstärkter Abhängigkeit. Abhängigkeit z.B.: von der Bank, bei der mann/frau den Kredit für das Studium aufgenommen hat, von den Eltern oder von Nebenjobs (irgendwie müssen diese Gebühren ja auch bezahlt werden).
"kostenlos" und "wertlos" sind keine Synonyme. Ersteres besagt, dass für die Inanspruchnahme keine materielle Gegenleistung erbracht werden muss; letzteres, dass einer Sache keinerlei Wert beigemessen wird. Zwei Beispiele: Liebe ist kostenlos, aber sicher nicht wertlos - ein Betrüger verkauft dagegen wertlose (aber nicht kostenlose!) Fälschungen.
cialis (Gast) meinte am 1. Dez, 13:03:
More details
ich fands auch super freundlich und mein "fauxpas" zeigt, dass ich da sichtlich kein fussball spezialist bin ;-) Danke für den hinweis!
Stuttgarter (Gast) meinte am 15. Dez, 14:47:
Gratis oder nicht
Machen wir doch einfach ein Kompromiss. Studiengebühren müssen gezahlt werden, aber man bekommt Sie wieder, wenn man innerhalb der vorgeschriebenen Semester den Abschluss schafft. Was haltet ihr davon?
bob (Gast) meinte am 17. Sep, 15:21:
Richtig so!
Sie sind einfach notwendig - alles andere macht sich direkt an der Qualität der Studienleistung der Universität bemerkbar!
