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Freitag, 9. Mai 2008
Otaku ist der japanische Begriff für Fan, Nerd oder Geek.

Dahinter verbirgt sich eine Subkultur zum einen und ein USD 1,65 Mrd Markt zum anderen. Dies und mehr erzählte Danny Choo am 13. Trendtag in Hamburg.

otaku-maid-motto
Das "maid" Motto ist in Otaku Kreisen ganz besonders beliebt ...

Entstanden ist diese Bewegung Anfang der 80er Jahre und bezeichnete extreme Fans von Mangas und Anime. Heute geht es nach wie vor um Mangas, Anime, aber auch Games und Computer, bzw. Si-Fi. In Japan wird das Wort mittlerweile sogar universell verwendet wie zB "wine Otaku" für Weinliebhaber.

Danny Choo lieferte dazu aktuelle interessante Zahlen: Der Anime Markt hat ein jährliches Volumen von ca. USD 300 Mio, Dating Simulation games liegen bei USD 495 Mio und Mangas bei USD 604 Mio.

Otakus fühlen sich vor allem in den 3 Kategorien collect, creativity und community angesprochen. Wie zu erwarten ist auch merchandising und trading ein großes Feld, wie zB der alljährliche Otaku Market.

Otakus are not lonely!

Damit spielte Choo auf die Annahme an, dass es sich hauptsächlich um sozial inkompetente introvertierte Freaks handelt, die mit Ihrem echten Leben nicht klar kommen. Aus seiner Perspektive sind Otakus hochgradig sozial und stark vernetzt - nur eben in Ihrer Community.

Es gibt 4 Arten von Otakus:

> Familyman Otaku, 25%, wendet wenig Zeit für sein Hobby auf

> Legacy Otaku, 23%, 20-30 J alt

> Multi Otaku, 22%, wendet die meiste Zeit auf

> Social Otaku, 18%, 30-40 J alt, gibt am wenigsten Geld aus, missioniert aber

> Comic Female Otaku, 12% Frauen die sich lieber mit Zeichentrick Männern als mit echten beschäftigten - Sie geben das meiste Geld aus



Dannychoo hat auf seiner Website 2,7 Mio unique Users pro Monat und knapp 16 Mio Page Impressions. Er steht hinter dem Unternehmen Mirai.fm das Unternehmen Zugang zu dieser Community verspricht.

Alternative Welten erlauben, was reale Welten eventuell verbieten - die Frage ist, wie sich das verträglich verbinden lässt.

Ein bißchen? ist das ganze ja doch aus der japanischen Fetisch/Erotik/Porno Ecke entstanden (wie Danny Choo auf seiner eigenen Seite zeigt) und unterstreicht auch die Ambivalenz in Japan wie mit diesen Themen umgegangen wird. Ich hatte das gefühl, dass der eine oder andere Besucher des Trendtags dann doch überfordert war...

Der 13. Trendtag fand am 8. Mai 2008 im Curiohaus in Hamburg unter dem Motto "Identitätsmanagement - Anerkennung statt Aufmerksamkeit" statt. Das finde ich treffsicher, denn ich halte v.a. digitales Identitätsmanagement für eine zentrale Herausforderung der Zukunft mit Auswirkungen auf der Ebene des Individuums, der Unternehmen und der Gesellschaft allgemein. Die Reihe der angesagten Referenten versprach einiges und ich sollte nicht enttäuscht werden. Das sind meine ersten wichtigsten Eindrücke zusammengefasst:

Von der Ökonomie zur Egonomie

Eröffnet wurde der Tag von Dr. Norbert Bolz, der das Publikum fragte ob es sich schon mal selbst gegoogelt hätte? Eine wohl rethorische Frage.

Doch er wollte sich nicht ausschließlich dem Internet widmen sondern hinterfragte das oftmals leicht dahergesagte "der Mensch steht im Mittelpunkt". Norbert Bolz formulierte die These, dass im modernen Leben, der Mensch eben nicht im Mittelpunkt steht und das die Zumutung der modernen Gesellschaft darstellt. Doch es gibt Angebote die uns trösten.

An erster Stelle die Religion - ein alter Hut, aber nach wie vor gültig. Der nächste Trostspender sind die Massenmedien. Sie machen uns glauben Menschen seien wichtig, stünden im Mittelpunkt und das tröstet ungemein. Deshalb konsumieren wir Sie nach wie vor so fleissig. Aber aus der Zumutung der modernen Gesellschaft heraus sieht Bolz die Entwicklung von der Ökonomie zur Egonomie - wie mache ich mich selbst zum Zentrum meines Referenz- und Bezugsystems? Daraus ergibt sich fast zwangsläufig die Notwendigkeit zu "brand yourself" und einem effizienten "impression management".

Mit Referenz zum Tierreich geht es hier darum "teure Signale" zu senden, Stichwort das Pfauenrad. Oder besser, Ex-Kanzler Gerhard Schröder der besonders für "Basta" (wie beende ich eine komplexe Diskussion?) und "Gedöns" (für das gemeine Volk verständlicher Sammelbegriff für Kultur, Sport und v.a. Frauenfragen) bekannt ist. Man leistet sich willentlich ein Handicap und sendet ein teures Signal mit hohem Risiko - kein Fehler sondern eine unbewußte Strategie im Rahmen des impression management.

Doch Netzwerke, Geld und ähnliches können nach Aussage von Bolz nie die Antwort auf die Frage nach unserer Identität sein. Es ist die Selbsttranszendierung - das was nach der Bedürfnispyramide von Maslow nach der Selbstverwirklichung kommt. Und wenn menschliche Identität als Einheit von Körper, Seele und Geist verstanden wird, so lassen sich diese Phänomene in diesen drei Kategorien beobachten.

Sujet-13-Trendtag-2008
Angeblich wurde das Sujet von bekennenden Ästheten massiv angefeindet.

Die Selbsttranszendierung des Körpers durch, Kosmetik, Workout, Bodybuilding, Botox, plastischer Chirurgie und noch weiter (Thomas Beaty / Link) ... Die Selbsttranszendierung des Geistes wird nach Bolz durch den Workaholic repräsentiert. Die eigene Arbeit ist das Medium zur Selbsttranszendierung, man arbeitet um zu arbeiten. Bleibt noch die Selbsttranszendierung im Geist - und die sieht man in der heimlichen Konjunktur der Religion. Die Bolz anscheinend so schlecht nicht findet, denn "die Religion treibt einen niemals in die Sackgasse der Selbstverwirklichung - die Innenschau ist ein Irrweg, denn dort ist nichts interessantes". Ein für mich verstörendes Schlußwort - ich kann der Innenschau und der Reflexion einiges abgewinnen.

Die Erheiterung des Tages lieferte Tagesschaumann Jan Hofer mit dem mahnenden Spruch "Handies sind die weißen Socken von heute" um das nervende Gebimmel während der Vorträge zu unterbinden. Er erblickte auch einen engen Mitarbeiter vom gebeutelten Kurt Beck und merkte zur Erheiterung des Publikums sinngemäß an, Kurt Beck täte im Sinne seines Identitätsmanagements gut daran jemanden hierher zu schicken ...

Place ersetzt Corporation als Zentrum der Organisation

Danach kam Richard Florida, bekannt für sein Buch "the rise of the creative class". Warum ist Kreativität so wichtig, warum so zentral, warum über alles andere zu stellen? Denn Kreativität kann im Gegensatz zu Kapital, Wissen, Informationen, etc. nicht zugeführt werden. Deshalb ist Kreativität der Kern wirtschaftlichen Wachstums - so waren in den 50er Jahren in den USA weniger als 10% der Bevölkerung Teil der creative industries. In Skandinavien sind es heute 45% und mehr!

Doch Florida wird für seine Thesen kritisiert, zB von der amerikanischen Rechten - er verfolge eine hidden agenda für Schwule, Lesben, gegen die Familie und Werte generell. Und sogar die Linke kritisiert Ihn, denn die Idee der "creative class" sei elitär. Im Gegenteil, denn Kreativität unterscheidet nicht unter Rasse, Alter, Ethnie, Geschlecht, sexueller Orientierung, Einkommen ja sogar Bildung. Zur Folge hat dies, dass im Gegensatz zu früher die Arbeit ein Ort zur Identitätsbildung sein kann! Arbeit muß (heraus)fordernd sein, aufregend und flexibel eigenverantwortlich gestaltbar - Grundlagen für Identitätsbildung. Dann müssen Arbeitgeber Produktivität nicht aus Arbeitnehmern herauspressen, sondern sie fließt - das beste Beispiel ist Google.

Die Welt von heute wird dominiert von 40 Megaregions. Dort leben 80% 20% der Bevölkerung die 2/3 der weltweiten Wirtschaftsleistung produzieren und dort werden 9 von 10 Innovationen entwickelt die wir verwenden. ("These 40 megaregions account for about 20 percent of the world's population but produce about two-thirds of economic output and nine out of 10 of the world's innovations" - mehr in Newsweek / danke für den Hinweis SK!).Das heißt wir stehen nicht im Wettbewerb mit China oder Indien. Sondern NRW steht im Wettbewerb mit zB Shanghai! Place ist also mehr denn je Grundlage der Identitätsbildung - deshalb die Frage Who is your city?

Die unternehmerische Lebensplanung - Selbstoptimierung

Das sieht Prof. Peter Wippermann auf uns zukommen. Wobei sich aus seiner Sicht "Identität nicht kaufen lässt - sie entsteht". Ein wichtiges Signal an Unternehmen generell, die dem oft nicht wirklich Glauben schenken. Wippermann erläuterte weiters sein Bild der maslowschen Bedürfnispyramide die zu einer permanenten Feedbackschleife wird - sie beginnt beim körperlichen mit heutigen Auswüchsen wie Mommy 2.0 und dem Kinderbuch My beautiful Mommy um dem Kind begreiflich zu machen warum Mama plötzlich mit prallen Brüsten, neuer Nase und einem so komischen nicht enden wollenden Jokerface durch die Gegend stöckelt - in Deutschland gibt es zB jährlich über 400.000 Schönheitsoperationen. Das heißt auch "Ästhetik ersetzt Selbstwertgefühl" und aus dem ehemaligen Lifestyle wird Healthstyle ...

My-beautiful-Mommy-Bookcover

Die Sicherheit die bei Maslow noch ein Dach übern Kopf bedeutete ist heute die Datensicherheit. Viel zum Nachdenken hat hierbei vor allem Lidl. Deshalb ersetzt bald auch Biometrie die Demografie - nicht mehr Alter, Geschlecht und Beruf sind relevant, wenn Irisscan, Fingerabdruck und Gencode bekannt sind.

Also vor allem Unternehmen brauchen eine zugängliche Identität - eine kommunikativ zugängliche Repräsentanz in all den neuen Kanälen. In einer Welt in der Vertrauen Programm wird, in der ein Arbeitsmarkt von einem Persönlichkeitsmarkt ersetzt wird gibt es also noch einiges zu tun für diese Teilnehmer im Markt.

Mr. Identity 2.0 Dick Hardt von Sxip setzte sein Publikum einer tour de force mit gefühlte 3245 slides in 29min aus. Es war alles richtig und spannend, anfangs auch unterhaltsam, aber letzten Endes zu anstrengend! Das Video ist dennoch sehenswert:


Mittwoch, 30. April 2008
Die 4 Tage Konferenz auf der Web 2.0 Expo in San Francisco waren extrem dicht. Höchste Zeit mal aufzuarbeiten, was auch nach ein paar Tagen Abstand noch beeindruckt und in Erinnerung blieb:

1. Hilarious Keynote von Dan Lyons

Dan Lyons, Mr Fake Steve Jobs, lieferte eine unglaubliche Show. Mit einem kabarettistischen Instinkt der Extraklasse zog er die egozentrierte Web 2.0 Mischpoche durch den Kakao um am Ende das big picture zu liefern

HowTo aufgrund der Comments: player starten, "Buchsymbol" clicken, auf "Episodes" clicken, Episode No.4 ist die Keynote mit Dan Lyons.


"We are crazy to worry about everything that might be destroyed"

2. Hands on Tipps und Empfehlungen zu Search Engine Optimization

NetConcepts (eine Firma die als tagline "get found" hat) erzählte viel Handfestes und Interessantes über Search Engine Optimization und vor allem was klassische Web 2.0 Tools wie Blogs dazu beitragen können. Ihr Blog ist sehr lesenswert und auch die Präsentation über SEO ist verfügbar. Im zweiten Teil sprach Muhammad Saleem über Social media Optimization und einer Präsentation randvoll mit konkreten Tipps, Ratschlägen und Hinweisen zu dem Thema.

3. Trisha Okubo blogs her brand

Trisha Okubo arbeitet bei eBay im Bereich disruptive Innovation - ein cooler day job würde ich sagen. In Ihrer Freizeit baut Sie die Marke Omiru.com auf und lernt über Blogging for personal branding.

Screenshot-omiru-com
Nach Ihrem Vortrag habe ich Sie ein wenig interviewed. Sie betreibt dieses Projekt privat, völlig unamerikanisch unkommerziell und trotzdem hochgradig professionell. So hat sie zum Beispiel eine klare Positionierung. Sie erzählte auch über Ihren Zugang zum Thema "personal branding" das in Verbindung mit "self promotion" sehr negativ besetzt sein kann (= Paris Hilton) oder eben positiv (= Dalai Lama). Sie empfiehlt sich genau zu überlegen worüber man schreiben will (nur was einen begeistert!) und die Nische breit genug zu halten damit es interessant ist, aber eng genug um in irgendwas der oder die Beste zu sein. So ein Projekt zu beginnen ist einfach - es dauerhaft zu betreiben ist schwer. Deshalb werden 60-80% aller Blogs nach 1 Monat wieder eingestellt. Trotz mehrerer Autoren die alle gratis schreiben kommen nach wie vor 70% aller Beiträge von Ihr selbst. Sie selbst vermarktet Omiru.com nicht, bekommt aber Angebote von Werbepartnern - mit dem Pricing tut sie sich relativ leicht, weil Sie einen Background in der Medienbranche hat... Ihr Projekt brachte Sie immerhin auch schon ins Wall Street Journal! Ein konkretes Ziel hat Sie mit dem Projekt nicht und Sie denkt, dass Ihr das Projekt sehr geholfen hat den Job den Sie derzeit hat zu bekommen. Auf Ihren Geschmack angesprochen meinte Sie schlußendlich, dass Sie europäische Mode wesentlich mehr mag als amerikanische (amerikanische Mode gibts?) :-)

4. The right way to social Strategy

Charlene Li eine der renommiertesten Researcherinnen bei Forrester stellte gemeinsam mit Josh Bernoff Ihr Buch Groundswell vor.

In Ihrer Präsentation Creating a Coherent Strategy for Social Business legten Sie vor allem Wert darauf den Blick von der Technologie wegzulenken. Auf die Grundlagen der gesellschaftlichen Entwicklung im Kontext von Web 2.0, auf die Bedürfnisse der Zielgruppen und die strategischen Implikationen die sich daraus ergeben. Dem kann ich nur zustimmen - Die Technologie ist ein Mittel zum Zweck und ein Instrument. Sie stellten auch einen Bezug zwischen klassischen Aufgaben im Unternehmen und den Äquivalenten im Web 2.0 her (Research = Listening, Marketing = Talking, etc.) und brachten jede Menge Praxisbeispiele wie die Community I Love my dog von Del Monte, das Projekt beinggirl von Procter & Gamble oder My Starbucks Idea. Besonders dankbar bin ich Charlene und Josh für die Präsentation Ihrer Return on Investment Rechnung für Corporate Blogging. Sehr hilfreich in einem Markt dem auf Nachrfageseite oftmals die Orientierung fehlt.

ROI-Corporate-Blog
Auch deshalb wichtig, weil es das Thema wegbringt von ach das ist billig, wir machen das mal schnell mit (wie 1999 die Dreamweaver Website vom Neffen vom Vorstand).

5. Influence is so overrated!

Ein extrem spritziger und spannender Vortrag von Jonah Peretti. Jonah ist Mitgründer der Huffington Post und TopGun des Viral Marketing und Gründer von Buzzfeed. Er vermittelte sehr fundiert und verständlich, dass virale Verbreitung weniger an bestimmten hubs liegt (you have to convince Scoble!!) sondern in der Struktur des Netzwerks. Siehe auch die Forschungsergebnisse von Watts & Dodds in JCR 07:

“Under most conditions that we consider, we find that large cascades of influence are driven not by influentials, but by a critical mass of easily influenced individuals.”

Er bewies sich in Viral Marketing in dem er erfolgreich für BWN (das "bored at Work network") produzierte:

Hundreds of millions of bored office workers sit in front of computers forwarding emails, blogging, IMing, and playing on social network sites. These distracted corporate employees have accidentally created the Bored at Work Network (BWN) -- a huge people-powered network with greater even reach than traditional networks like CNN, ABC, or the BBC.
Die Nike Sweatshop Story, Blackpeopleloveus.com und die Rejectionline. Alle Beispiele sind hervorragende Illustrationen von Phänomenen wie Emergenz, 6 degrees of spearation und Tipping Point.

6. Customer Service is the New Marketing!

Lane Becker und Thor Muller von GetSatisfaction erzählten über Ihre Wahrnehmung dass gutes Customer Service die beste neue Form von gutem Marketing ist - denn noch nie haben Konsumenten so skalierbar über positive (oder negative) Erlebnisse als Kunden kommuniziert. Deshalb empfehlen Sie die "Concierge Strategie" - Gespräche in den Mittelpunkt der Aufgabe stellen, hilfreich sein, über die Grenzen der eigenen Abteilung/Unternehmens hinweg. Beeindruckend war die Case Study über den besonderen Kundendienst des Online Schuhhandels Zappos.com. Und Sie versprechen bei einer um 5% verbesserten Kundenbindung einen um 25 bis 95% höheren Profit.

7. Microblogging Galore

In dieser Session gab es keine Slides sondern der name war Programm. Vorne Beamer und Projektionswand und es wurde munter getwittert:

* What is micromedia?
* Where did micromedia come from?
* Why does it matter?
* Who are the major players in this space?
* How are people using this stuff?
* How can I use it in my business?
* What’s the future of micromedia?

Panel will handle live twitters from the audience as per:

* @micromedia2 [message]
* @micromedia2 topic: [topic]
* @micromedia2 url: [url]

Die Session war sehr kurzweilig, dynamisch, interessant, extrem interaktiv - Gratulation dem Moderator und wirklich informativ. Stow Boyd berichtet u.a. von seiner Entwicklung vom Elevator Pitch zum Escalator Pitch (der Moment an dem 2 kreuzende Rolltreppen sich treffen).

Summize-screenshot
Ein extrem cooles Tool von dem ich in der Session erfahren habe ist Summize das ebenso wie Tweetscan ein wichtiger Bestandteil in einem umfassenden Web 2.0 Brand Monitoring sein kann. Nicht zu vergessen der ultimative Shizzolator von Master Snoop Dog.

8. Peer 2 Peer Kredite von Prosper.com

Ich hatte Gelegenheit den charismatischen CEO Chris Larsen nach seinem Panel zu interviewen. Prosper.com vermittelt Kredite zwischen Privatpersonen. Der Zinssatz wird im Verfahren einer "reverse auction" ermittelt. Jeder User kann sich für eine beliebig kleine/große Tranche (min $50) eines Kredits bewerben. Das Unternehmen wurde mit $ 40 Mio Venture Capital finanziert, hat heute 670.000 Mitglieder in seiner Community und hat in knapp 2 Jahren ein Kreditvolumen von $ 135 Millionen vermittelt. 75% der Menschen die Geld geben, machen es primär um Rendite zu erzielen. Der Grund No2 Geld zu geben ist damit etwas Gutes zu tun. Das durschnittliche Kreditvolumen liegt bei $ 7.000,- und wird in 3 Jahren zurückgezahlt. Kredit werden hauptsächlich für Umschuldungen aufgenommen oder für Ausbildungskosten. Prosper.com beschäftigt derzeit 50 Mitarbeiter und ist am US Markt tätig, der nächste Expansionsschritt wird das Unternehmen in den weltweit 2.größten Kreditmarkt führen, nach Japan.

Screenshot-Prosper
Allein der Markt in den USA ist unfassbar groß - die Konsumentenverbindlichkeiten im Juni 2007 betrugen $ 2,46 Billionen. Schon ein kleines Stück von diesem Kuchen ist sehr attraktiv! Die größten Herausforderungen für Prosper.com sind regulatorische Issues, Technologische Herausforderungen und Sicherheit. Bisher ist das Unternehmen allein durch SEO, virales Marketing, PR und WOM bekannt geworden ein wenig wurde in Radiowerbung investiert. Das Selbstverständnis ist das eines "infrastructure marketplace". In Europa macht smava anscheind beinahe dasselbe - in knapp über 1 Jahr wurde ein Volumen von mehr als 1 Million EUR vermittelt.

9. und 10. Keynotes von Tim + Clay

waren die beeindruckenden Keynotes von Tim O'Reilly und Clay Shirky über die ich schon ausführlicher berichtet habe.


web2expo

Der Application Server unserer Wahl heißt HELMA:

Helma is an open source web application framework for fast and efficient scripting and serving of your websites and Internet applications.
HELMA-Logo Seit kurzem gibt es eine tolle und übersichtliche Liste die einmal zusammenfasst wieviel schon auf Basis Helma läuft und welche Websites, Portale und Organisationen Helma einsetzen. Einige unserer Projekte finden sich auch darunter - ich freue mich, dass wir insofern zur Entwicklung und Verbreitung von Helma etwas beitragen konnten.

... ziemlich beeindruckend diese Liste - danke Helma!

Donnerstag, 24. April 2008
Ich habe nun 2 volle Tage auf der Web 2.0 Expo in San Francisco hinter mir und bin voll mit Input - und der 3. Tag läuft. Ich habe bisher mehr als 20 Seiten in meinem Moleskine mitgeschrieben und das heißt es gab einiges zu hören und einiges zu lernen. Hier nur mal einige der Eindrücke der bisherigen Keynotes die bei mir hängen geblieben sind ... more to come!

Gestern gab es eine Keynote von Clay Shirky die mich sehr beeindruckt hat - wenn man Clay Shirky zuhört, möchte man nochmal Student sein und in einer seiner Vorlesungen an der NYU sitzen. Clay sprach darüber, dass Freizeit eine der größten Herausforderungen für den Menschen ist und das Sitcoms das beste Heilmittel gegen die Beschwerden die im Rahmen von Freizeit auftreten können sind.

TV has been masking the cognitive surplus for more than 50 years
Aber warum beschäftigt er sich damit? Er hat überschlagsmässig kalkuliert wieviel Input in Form von Zeit hinter Wikipedia steht - einem Projekt das innerhalb weniger Jahre zu dem beeindruckendsten Beweis für kollektive Intelligenz wurde. Hinter Wikipedia stehen rund 100 Millionen Stunden Arbeit. Im Vergleich dazu verbringt die gesamte US Bevölkerung rund 200 Milliarden Stunden vor Ihren Fernsehgeräten - allein 100 Millionen Stunden pro Wochenende sind angesehene TV-Werbung!

Was bedeutet das?

Weltweit werden pro Jahr von der internetvernetzten Bevölkerung rund 1 Billion Stunden TV geschaut. Sollte sich nur 1% davon entscheiden mit Ihrer Zeit etwas sinnvolleres anzufangen, dann entspricht das einem Zeitbudget für 10.000 100 Wikipedia Projekte! (Korr. siehe Kommentare) Diese Zahlen und Überlegungen im Hinterkopf,wird klar wir stehen erst am Beginn einer Entwicklung.

1% des jährlichen TV-Konsums der globalen Internet Bevölkerung ist das Budget für 10.000 100 kollaborativer Projekte einer Größenordnung wie Wikipedia

Beeindruckend war auch die KeyNote von Tim O'Reilly selbst - diese so wie die gesamte Web2.0Expo selbst - im Moscone Center in San Francisco wo auch immer die KeyNotes von Steve "Apple" Jobs höchstselbst stattfinden. Und Tim O'Reilly wurde den Ansprüchen gerecht. In erster Linie dadurch, dass er eine perfekte pathetische Inszenierung nach amerikanischem Vorbild ablieferte. Doch was hat uns Tim inhaltlich mitgegeben.

Er wollte nicht auf eine ganze Reihe realer schlechter aktueller Schlagzeilen eingehen sondern legte seinen Fokus auf die tieferliegenden Trends hinter der Entwicklung "Web2.0" und die daraus resultierenden 3 großen Opportunities:

>> Enterprise 2.0
>> Web 2.0 = the cloud + Operating System
>> Ambient computing

Im Bereich Enterprise 2.0 stehe man noch ganz am Beginn und eine lange Phase des trial & error stehe noch bevor. Als positive Beispiele nannte er DELL Ideastorm bzw. die konsequente Vorwärtsintegration des O'Reilly Verlags mit O'Reilly inPractice:

Our intensive, one-day Boot Camp will show you how the Social Web can transform your business, including hands-on training and practical advice on how and when to use Web 2.0 technologies to win with your customers and employees.
Eine großartige Idee aus meiner Sicht und mir unbegreiflich, warum in D/A/CH noch kein Fachverlag diese business opportunity ansatzweise begriffen hat - die angesichts der KMU Struktur in D/A/CH gigantisch ist.

"We created O'Reilly InPractice to assist companies that are serious about applying Web 2.0 principles but don't know how or where to start"
Tim O'Reilly

Interessant fand ich auch den Gedanken, dass Googles Page Rank einer der Anfänge von Web2.0 war. Der PageRank Mechanismus erkannte den Wert von Links und wertet einen Link als ein Votum und das ist der Beginn von Partizipation - einer der zentralen Säulen des Web 2.0.

Als Beispiel zu Enterprise 2.0 brachte er auch Wesabe (eine Firma in der Tim O'Reilly investiert ist):



Wesabe versucht die kollektive Intelligenz im Bereich der persönlichen Finanzen anzuzapfen und seinen Kunden zu Ihrem Vorteil zugänglich zu machen. Etwas, das Banken mit den Daten die Ihren zur Verfügung stehen seit Jahren machen hätten könnten.

O'Reilly verwies auch auf einen interessanten Blogpost der die aktuelle Bewertungsunterschiede zwischen Facebook und Automattic (der Firma hinter Wordpress) hinterfragt, die sichtlich nicht im Vergleich der fundamentalen Daten liegt:

facebook-growth-vs-wordpress-growth

Es sieht so aus, als würde der Markt so wie immer schon Zentralisierung honorieren. Doch wie sind die negativen Auswirkungen dessen zu umgehen?Die Lösung liegt in der Daten Interoperabilität ...

Um die Idee von cloud computing bzw. ambient computing anhand sinnvoller und nutzenstiftender Anwendungen zu illustrieren verwies O'Reilly auf das Quake Catcher Network:

The Quake-Catcher Network is a collaborative initiative for developing the worlds largest, low-cost strong-motion seismic network by utilizing sensors in and attached to internet-connected computers.
Durch die Verwendung von tausenden bestehenden "motion sensors" verspricht man sich mehr über Erdbeben zu erfahren und dadurch früher, hoch qualitativere Warnungen auszusprechen.

Tim O'Reilly schloß mit dem Gedicht der Schauende von Rainer Maria Rilke:

(...) Wie ist das klein, womit wir ringen,
was mit uns ringt, wie ist das groß;
ließen wir, ähnlicher den Dingen,
uns so vom großen Sturm bezwingen, -
wir würden weit und namenlos. (...)

und schloß mit dem emotionalen Appell to look for big hairy audacious goals

web2expo

Dienstag, 22. April 2008
Über dieses Corporate Blogging Projekt aus dem Hause Knallgrau freue ich mich besonders! Wir haben gemeinsam mit Raiffeisen Leasing das ÖkoEnergie Blog ins Leben gerufen.

OekoEnergie-Blog-Startseite-Screenshot

Die Raiffeisen-Leasing, eine 100%ige Tochter-gesellschaft der Raiffeisen-Bankengruppe, ist seit 38 Jahren erfolgreich in Österreich und im Ausland tätig. Als erfolgreichste Leasinggesellschaft in Europa bietet sie, innovative Finanzierungsformen und maßgeschneiderte Dienstleistungen an. Raiffeisen Leasing betreut ein Leasingvolumen im Anschaffungswert von über EUR 3,6 Mrd.

Die Raiffeisen-Leasing engagiert sich seit Jahren intensiv im Bereich Ökologie und Umweltschutz und war eines der ersten österreichischen Unternehmen, das sich mit Nachdruck für die Verwendung erneuerbarer Energien einsetzte. So ist Raiffeisen-Leasing beispielsweise auch Gründungsmitglied der Raiffeisen Klimaschutz-Initiative, die 2007 ins Leben gerufen wurde.

Ich finde den Ansatz und die Idee großartig. Abgesehen von einer sauberen technischen Lösung (in diesem Fall Wordpress) steht und fällt aber ein Projekt wie dieses mit dem fachlich hochwertigen Involvement der Menschen hinter dem Projekt.

Ich wünsche dem Team viel Spaß bei der Aufgabe und hoffe, dass sich das ÖkoEnergie Blog von Raiffeisen Leasing als hochwertiges Nischenmedium einen festen Platz in der Medienlandschaft erkämpft.

Freitag, 11. April 2008
Gestern hatte ich einen sehr spannenden Termin mit Robert Naller, Managing Partner von Talking Land.

talking-land-logo

Der Termin kam zu Stande weil Robert Talking Land gemeinsam mit Erich Pöttschacher ins Leben gerufen hat - Erich Pöttschacher ist der Mann hinter Shapeshifters. Und weil bei dem was mir Erich erzählt hat das Bild entstand, dass sich die jeweiligen Leistungen von Talking Land und Knallgrau ideal ergänzen.

Was habe ich über Talking Land gelernt? Das Unternehmen, bzw. die Menschen dahinter sehen sich als Experten für kulturelle Analysen und Entwicklung. Aber warum?

Unternehmen weltweit arbeiten gegen ihre eigene Kultur und die vielfältigen Kulturen ihrer Mitarbeiter. Weil sie diese selbst nicht sehen können. Die Folge: Energie, Freude und Motivation sind am Tiefpunkt. Mitarbeiter sind frustriert und dienen ihre Zeit im Unternehmen ab. Eine ungeheure Menge an finanziellen Ressourcen, Zeit und Kreativität gehen verloren.
Und was ist der Outcome, was kann ein delivery sein um dem Kunden weiterzuhelfen?

Talking Land liefert ein klares Bild vom einzigartigen kulturellen Reichtum einer Organisation. Wir erstellen kulturelle Schatzkarten von multinationalen Unternehmen, Marken, Produkten und Regionen und zeigen, wie diese kulturelle Vielfalt optimal genutzt wird.
Das Meeting mit Robert war sehr angenehm und interessant - warum ist das für Knallgrau interessant?

Wir werden oft von großartigen Kunden engagiert die besten Instrumente für Conversation zu liefern. Leider passiert es immer, dass das inhaltliche Fundament nicht tragfähig und ausgereift ist - dass zu wenig Bewusstsein für dieses Umfeld besteht.

Über den Weg der Kulturanalyse kann ein Kunde wesentlich zielorientierter seine kommunikativen Ansätze auf die Strasse bringen, weil er weiß worauf er bauen kann - dazu hat Robert einen entscheidenden Satz gesagt:

"... das worauf man die Aufmerksamkeit richtet wird mehr und stärker ..."
Methodisch arbeitet Talking Land mit Appreciative inquiry und Wikipedia liefert dazu auch einen schönen Satz:

The basic idea is to build organizations around what works, rather than trying to fix what doesn't.
Ich würde mich freuen, wenn wir bald gemeinsam bei einem Kunden noch besser und wirkungsvoller arbeiten könnten.

Freitag, 4. April 2008
Gestern war es noch ein Gerücht und eine Spekulation bei turi2 bzw. bei InternetWorld - Stefan Tweraser, ehemaliger McKinsey Mann und ehemaliger Telekom Austria Marketing Leiter wird Google Deutschland Chef?

tweraser-und-mannstein-im-landtmann

Die Gerüchte scheinen sich zu bestätigen - Heute morgen um 08:30 traf sich Tweraser leger gekleidet mit Hans Jörgen Mannstein, Herausgeber des Horizont in Österreich im Cafe Landtmann. Jenem Cafe das dafür bekannt ist, dass dort die mehr oder weniger wichtigen News des Landes ausgetauscht werden.

Na mal sehen, was der Blätterwald in den kommenden Tagen bestätigen wird.

Mittwoch, 2. April 2008
Ich hatte gestern einen sehr interessanten Nachmittag. Ich wurde von der Donau Universtität Krems, Zentrum für Journalismus, eingeladen um einen Workshop zum Thema Web 2.0 im Kommunikationsumfeld (+Praxisbeispiele) zu halten. Die Teilnehmer waren 11 Vertreter der internen u externen Kommunikationsabteilungen des Bundesfinanzministeriums.

bmf-logo

Die Teilnehmer hatten schon einen dichten Vormittag mit vielen Infos was denn Web 2.0 überhaupt ist. Mein Job am Nachmittag war es dann die Brücke zur Praxis bzw. zum Business zu bauen.

Ich hatte vor dieser Aufgabe sehr großen Respekt! V.a. auch weil in einer ersten Vorstellungsrunde auch mehrmals geäussert wurde, dass alles was sie nun über Web 2.0 wüssten erschütternd, bzw. beänstigend ist - dies bezog sich auf die bekannten "Auswüchse" im Web 2.0. Ich war sehr froh über diese Offenheit!

Ich habe versucht diese Dinge sehr ernst zu nehmen und auch bewusst zu adressieren und die Veränderungen die Web 2.0 bewirkt in die 3 Dimensionen:

persönlich - organisational - gesellschaftlich

aufzuteilen. Das hat ziemlich gut funktioniert.

Die 4,5 Stunden waren sehr diskursiv trotz der nachmittäglichen Futternarkose. Am Ende haben wir 1:15 an konkreten eigenen Überlegungen gearbeitet. Drei Teams haben sich in 15min jeweils eine Projektidee überlegt. Dabei war der Rahmen:

>> Ziel (Was wollen wir erreichen?)
>> Aufgabe (Was ist dazu zu tun?)
>> Funktionen (Welche Funktionen müssen im Projekt abgedeckt werden?)
>> Ressourcen (Welche Ressourcen müssen investiert werden?


vorgegeben um das Projekt auch zu definieren und abzugrenzen. Das hat ganz großartig funktioniert und die Leute hatten tolle Ideen - die vielfach 1:1 tolle Projekte sein könnten.

Wir haben den Tag mit einer Feedbackrunde beschlossen, wo ich sehr schöne Rückmeldungen bekommen habe über die ich mich sehr gefreut habe. Ich wünsche allen TeilnehmerInnen, dass Sie Ihren Geist, Ihre Ideen und Ihren Drive bewahren und Möglichkeiten finden diese auch aktiv in die Tat umzusetzen!

Donnerstag, 27. März 2008
Kurz vor Weihnachten noch im alten Jahr hatte ich Gelegenheit für ein Telefoninterview mit Frank Roebers von der Synaxon AG. Auf Frank Röbers wurde ich durch einen Artikel in Brandeins aufmerksam und traf Ihn dann auf den Content Manager Days in Leipzig. Alles was ich da hörte und las faszinierte mich. Leider habe ich mir erst jetzt die Zeit genommen das was wir besprochen haben zusammenzufassen - an Aktualität und Bedeutung hat es nicht im geringsten eingebüßt:

Mich hat vor allem interessiert, warum und wodurch sich Frank Roebers so radikal dazu entschloß im Bereich der Organisationsentwicklung diese Schritte zu setzen. Frank Roebers verwies dabei auf einen Vortrag von Jimmy Wales den er im Juni 2006 gehört hat. Die entscheidenden Fragen für Ihn waren dabei:

Wie schafft es dieses System Menschen zu so viel Arbeit zu motivieren und das ohne Hierarchien?

logo-synaxon

Schon im Oktober 2006 startete die Synaxon AG daher intern mit einem WIKI. Er hält auch traditionelle Bewertungssysteme für überflüssig und überholt, bzw. sieht in jenen Tools und Paradigmen die landläufig unter Enterprise 2.0 zusammengefasst werden den wichtigsten Trend im Bereich der Organisationsentwicklung.

Die Synaxon AG hat seiner Aussage nach noch immer Hierarchien aber diese sind wesentlich ausdifferenzierter als früher und sie sind flacher. In seinen Ausführungen und Überlegungen referenzierte Frank Roebers auch die Idee der Meritokratie mit dem Ziel, dass sich eine Leistungselite herauskristallisiert. Demzufolge sind bei Synaxon Menschen in Führungspositionen auch fachlich hervorragend, bzw. echte Fachkräfte.

Durch diese Position greift Frank Roebers direkt das "traditionelle Middlemanagement" an, das oftmals allein in der Vermittlung zwischen Fachabteilungen und strategischer Unternehmensführung agiert, mit der Gefahr zu manipulieren, bzw. zu verzögern.

Das Projekt WIKI intern wurde mit einem kleinen vorselektierten Team durchgeführt. Eher zufällig befand sich keine Führungskraft dabei. Wie zu erwarten hörte auch Frank Roebers Argumente wie "das kann nicht funktionieren", "außer Mehrarbeit kein Nutzen ...". Anfangs gab es auch relativ mäßige Mitwirkung der KollegInnen.

Das Momentum entstand als eine Abteilung begann sich über das WIKI zu organisieren, dokumentieren und Wahrnehmung zu schaffen. Ab diesem Zeitpunkt begann ein Wettbewerb zwischen den Abteilungen. Da wurden dann auch die Grenzen im Umgang mit dem WIKI getestet - nach dem Motto: "kann ich da wirklich alles reinschreiben?". Ab Woche 3 und 4 kam dann der Tipping Point wo der Stein ins Rollen kam und viele sagten "das bringt mir wirklich was ...". Mitarbeiter sahen, dass Sie auf diesem Wege wesentlich schneller an arbeitsrelevante Informationen kamen. Im Vergleich zu dem WIKI gab es frühere "mehrere black boxes nebeneinandere ...".

Das Ergebnis ist extrem beeindruckend - das Synaxon AG WIKI zählte bis Ende 2007 ganze 75.000 edits und keinen einzigen Rückedit.

Frank Roebers erzählte auch, dass er historisch schon immer viel in die Weiterentwicklung der Organisation investiert hat und viele Moden mitgemacht hat. Alle Entwicklungsmaßnahmen waren immer auf breitem Fundament, tw. via Screencast, damit asynchron alle mitmachen können und ähnliches. Jedoch nie, hat er ähnliche Ergebnisse erzielt wie mit dem Ansatz des gläsernen Unternehmens mit dem WIKI.

Befragt nach seinem Motiv dafür meint Frank Roebers, dass diese rein ökonomisch und kapitalistisch sind und verwies dabei auf die Ergebnisse aus dem QU3 wo die Synaxon AG den Gewinn um 270% steigerte. Dies führt er nicht, bzw. nicht ausschließlich auf die WIKI Initiative zurück, auch wenn er hinsichtlich des Beitrags dazu überzeugt davon ist.

"Unternehmerisches Denken hat endlich ein Medium gefunden und Leute erreichen Ihre Zielvereinbarungen nun leichter"
Frank Roebers

Diesen Gedanken finde ich außerordentlich spannend - denn "unternehmerisches Denken" wird immer schnell von MitarbeiterInnen gefordert. Doch wie soll ich unternehmerisch denken, wenn ich nicht transparent ALLES sehe? Ein Anspruch dem man gar nicht gerecht werden kann - das WIKI hilft hier sichtlich.

Auch das Unternehmen in seiner Gesamtheit hat sich verändert. Laut Frank Roebers war die Synaxon AG früher ein Verbundgruppensystem und ist heute ein Plattformbetreiber.

Die Synaxon AG hat auch Ihr Unternehmensleitbild unter Einbindung aller MitarbeiterInnen entwickelt, wenn auch Frank Roebers klar sagt, dass dies eine Führungsaufgabe ist - unter Mitwirkung aller. Nicht unerheblich ist auch der Hinweis von Frank Roebers, dass der gesamte Prozeß auch in enger Abstimmung mit den Großaktionären der Synaxon AG stattgefunden hat und von diesen voll mitgetragen wird.

Parallel zum WIKI gibt es auch das Synaxon Blog wo es vor allem aktuelle Infos mit kürzerer Halbwertszeit gibt. In Zukunft will sich die Synaxon AG vor allem damit beschäftigen wie sie das implizite Wissen Ihrer MiterbeiterInnen effizienter bewirtschaften kann. Dabei spielen auch Dinge wie social bookmarking, social networking, interne Profilseiten und extensive Search eine wichtige Rolle.

Nochmal nach den wichtigsten Quellen und Grundlagen seines Nachdenkprozesses in dieser Richtung befragt nennt Frank Roebers Wikinomics von Don Tapscott, die Netokraten von Alexander Bard und Jan Söderqvist, The Longtail von Chris Anderson und die Befreiung der Information von Andre Spiegel.

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Was will die Synaxon AG mit all dem was sie für sich erarbeitet und gelernt hat? Weiterhin Ihr Kerngeschäft gut und noch besser machen. Doch! Es gibt Nachdenkprozesse und auch schon Gespräche dahingehend, dass man in Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen das eigene Wissen im Sinne einer lizensierten Lösung/Methode am Markt anbietet.

Warum eigentlich nicht allein und selbst? Weil unser Kerngeschäft wesentlich lukrativer ist ... Frank Roebers weiß was er tut!

Danke für das tolle Gespräch!

An der Stelle auch vielen Dank an Alex Kahl der mich beim Zustandekommen dieses Telefoninterviews unterstützt hat!